[IAA] eSeifenkisten: Schräge Elektro-Autos auf Cars auf der IAA 2011 in Frankfurt

IAA VW Elektro Auto nils

Die Zukunft war gestern – allerdings nur optisch. Die Ideen, die Audi, Opel oder VW als Möglichkeit für die individuelle Mobilität von morgen und übermorgen auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt präsentierten, erinnern auf den ersten Blick zwar stark an Auto-Union-Rennwagen der 30er oder Messerschmidt-Kabinenroller der 50er Jahre. Doch tatsächlich steckt ins nächste Jahrzehnt führende Technik in ihnen.

Elektrisches und damit vor Ort emissionsfreies Fahren ist für viele Menschen mittlerweile durchaus vorstellbar. Doch die „Coolness“ darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Ein Gedanke, der bei Audi dazu geführt hat, nicht nur Technikern und Designern mit der Entwicklung eines Fortbewegungsmittels für die Zukunft zu beauftragen. Die Verantwortlichen in Ingolstadt animierten zudem Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren, ihre Vorstellungen von ein- und zweisitzigen Fahrzeugen aufs Papier zu bringen. Das Ergebnis ist ebenso verblüffend wie beeindruckend. Das sogenannte „Audi Urban Concept“ verfügt gleichermaßen über Attribute eines Auto-Union-Renners wie die eines Segelflugzeugs – eine moderne Interpretation des Seifenkistenprinzips.
Kabinenroller mit zwei Elektromotoren

Weit nach außen gestellte 21-Zoll-Räder flankieren einen 3,22 Meter langen, 1,68 Meter breiten, aber nur 1,19 Meter hohen Körper aus Kohlenstofffaser-verstärktem Kunststoff (CFK) und Aluminium. Zugang zu dem nur 480 Kilo schweren Stadtflitzer bietet eine Polycarbonat-Kanzel, die sich wie die Abdeckung eines Segelfliegers nach hinten schieben lässt. Nach deren Öffnung erfolgt der Einstieg wie bei einer Badewanne von oben.

Das mutet im ersten Moment merkwürdig an, gelingt aber auch in hohen Schuhen und mit Kleid problemlos. Innen haben zwei Personen bequem Platz. Sie sitzen allerdings nicht direkt, sondern leicht versetzt nebeneinander. So steht ausreichend Raum für Schultern und Ellenbogen zur Verfügung.

Da die Sitze mit dem Carbon-Monocoque aus einem Guss hergestellt und deshalb nicht verstellbar sind, werden Lenksäule und Pedalerie nach dem Einsteigen herangezogen und nach dem Anhalten wieder nach vorne geschoben. Im Fußraum des Beifahrers ist reichlich Platz für die Einkaufstasche, im Heck gibt’s noch ein Fach, in der eine Kiste Mineralwasser transportiert werden kann.

Angetrieben wird der Kabinenroller von zwei Elektromotoren mit einer Dauerleistung von gemeinsam 20 PS. Den Strom liefert eine Lithium-Ionen-Batterie, deren Energie für etwa 65 Kilometer Reichweite sorgt. Maximal Tempo 130 soll möglich sein.
Im „Nils“ fährt man solo

Die gleichen Leistungsdaten bei nur 430 Kilo Gewicht gibt auch Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg für das VW-Elektroforschungsfahrzeug „Nils“ an (siehe Foto oben). Allerdings bietet es nur einer Person Platz – ein Fortbewegungsmittel für Berufspendler. Die sind nach Aussage des Entwicklers in 90 Prozent aller Fälle allein im Auto unterwegs.

Mit nur 3,04 Metern Länge und nur 86 Zentimetern Breite soll das zigarrenähnlich geformte Gefährt die Parkplatzsuche in Zukunft zum Kinderspiel machen. Anders als beim Ingolstädter Bruder sorgen beim Nils Flügeltüren dafür, dass auch im Regen beim Ein- und Ausstieg innen alles trocken bleibt. Airbags, ABS, Notbremsassistent und Abstandstempomat bieten wie bei einem „richtigen“ Auto Sicherheit und komfortables Fahren. Die herausnehmbare Bedieneinheit als Teil des Infotainment-Systems steuert neben Unterhaltung auch die wichtigsten Daten zum Fahr- und Ladezustand des Winzlings bei.
Opels Minimallösung

Ob es die beiden Studien aus dem VW-Konzern jemals schaffen, die Serienreife zu erreichen steht, derzeit noch in den Sternen. Opels „Rak-e“ hingegen räumen die Rüsselsheimer Ingenieure durchaus Chancen ein, ab 2014 zu den Händlern zu kommen. Sogar ein Preis von 12.000 Euro wird für den futuristischen Zweisitzer mit hintereinander angeordneten Plätzen ins Spiel gebracht. Dafür bekämen die Kunden ein Leichtgewicht von gerade einmal 380 Kilo und das ganz ohne Kohlefaser, sondern mit einer Bodengruppe aus hochfestem Stahl sowie einer Kunststoffhaut. Angetrieben wird die 1,30 Meter schmale und 1,20 Meter hohe Minimallösung von einem 49 PS starken Elektromotor, dessen Energiespeicher in drei Stunden wieder geladen sein sollen. Die Technik soll eine Geschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern möglich machen.

Angedacht ist auch eine gedrosselte Version, die nur Tempo 45 schafft. Sie könnte dann schon für 16-Jährige zugelassen werden, die damit cool und ganz und gar nicht von gestern zur Party von übermorgen düsen könnten. tf/mei/dapd

 

Posted on Sep. 21, 2011 in Featured, Green, MotorBlog News

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