[Feature] BMW ActivHybrid X6 – Mit der Kraft der drei Herzen

Fahren mit Tempo 60, lautlos und gänzlich ohne Belastung der Umwelt durch CO2 – das klingt traumhaft. Bei BMW ist das vom kommenden Frühjahr an eine realistische Art der Fortbewegung. Zwei Elektromotoren unter der Haube des BMW ActivHybrid X6 machen es möglich – wenn auch nur über eine kurze Strecke. Mit dem ersten Hybridfahrzeug schreitet die Elektrifizierung der gesamten Fahrzeugpalette des Münchner Herstellers mit großen Schritten voran.

Die Entwicklung sparsamer Motoren hat bei BMW schon seit geraumer Zeit Priorität. Die EfficientDynamics-Strategie, zu der Maßnahmen wie Start-Stopp-Automatik oder Rekuperation, sprich die Umwandlung von Brems- und Schubkraft in elektrische Energie, gehören, zieht sich mittlerweile durch alle Modellreihen. Nach Angaben der Bayern verhilft sie selbst den X-Modellen zu einem verhältnismäßig sparsamen Umgang mit dem fossilen Brennstoff.

Mit der Einführung der Hybridtechnik für den X6 will BMW nun aber noch mehr erreichen als niedrige Tankquittungen. «Wir wollen die Sichtweise auf Hybridfahrzeuge entscheidend verändern», hat Projektleiter Peter Tünnermann große Erwartungen an den Neuling. In vier Jahren haben er und sein Team die technischen Herausforderungen bei der Entwicklung der neuen Technik wohl weitgehend gemeistert. «Es genügt nicht, einen Verbrenner mit einem Elektromotor zu kombinieren. Es kommt darauf an, alle anderen Komponenten wie eine elektrische Lenkung, eine elektro-hydraulische Bremse oder die Klimatisierung entsprechend anzubinden», fasst Tünnermann zusammen. Gelingen konnte das seiner Meinung nach nur, weil alle Partner der einstigen «Global Hybrid Alliance» aus DaimlerChrysler, GM und BMW entscheidende Bausteine dazu beigetragen haben. Chrysler und GM sind inzwischen aus dem Projekt ausgestiegen. Mercedes rüstet den ML 450 Hybrid mit einer fast identischen Technik aus. Da der aber nur insgesamt 350 Pferdestärken zu bieten hat, darf sich der ActiveHybrid X6 einstweilen als «leistungsstärkster Hybrid der Welt» bezeichnen.

Immerhin generiert der Achtzylinder aus seinem 4,4-Liter-Triebwerk 407 PS. Die beiden Elektromotoren leisten 81 und 96 PS, was zu einer Gesamtleistung des Hybridsystems von 485 PS führt. Das maximale Drehmoment liegt bei 780 Newtonmetern. In 5,6 Sekunden schnellt der Tacho von 0 auf 100. Bei der 236-km/h-Marke wird das Triebwerk abgeregelt.

Es ist ein immenses Kraftpotenzial, das bei Bedarf und mit geringem Mehrdruck aufs Gaspedal jederzeit abgerufen werden kann. Und dennoch ist es den Technikern gelungen, den Verbrauch um etwa 20 Prozent gegenüber dem X6 mit dem gleichen V8-Triebwerk zu senken. 9,9 Liter im Durchschnitt stehen im Datenblatt. Erste Fahreindrücke haben diesen Wert zwar nicht bestätigt – trotz gemütlicher Fahrt zwischen Tempo 50 und 100 inklusive kurzer Zwischensprints zeigte der Bordcomputer 13,3 Liter an -, für einen 2,5-Tonner kann das jedoch noch als durchaus ansehnlicher Wert durchgehen.

Die Bordelektronik entscheidet, wann welcher der Elektromotoren wie zu arbeiten hat. Einer ist für Starten, Anfahren mit besonders dynamischer Kraftentfaltung oder niedrige Geschwindigkeiten konzipiert. Der Zweite unterstützt beim Fahren mit höherem Tempo. In beiden Fällen wird das Benzinaggregat entlastet. Das spart Sprit. Bei Schub- oder Bremsvorgängen dienen die beiden E-Motoren als Generatoren und sorgen dafür, dass die erzeugte Energie in die 2,4-Kilowattstunden fassende Nickel-Metallhybrid-Batterie – mit einem eigenen Flüssigkeitskühlungssystem – eingespeist wird. «Im Vergleich zu unseren herkömmlichen Serien-Modellen liegt die Rekuperationsleistung dieses Hybrid-Systems 25-mal höher», verkündet Tünnermann stolz. Doch nicht nur die Effizienz liegt höher. Bei der Auslegung des X6 Hybrid mussten sich die Ingenieure mit einem Mehrgewicht von etwa 250 Kilo beschäftigen. Das Fahrwerk wurde dementsprechend neu abgestimmt, um dem Allradler die sportliche Straßenlage zu bewahren.

Ein mächtiger Powerdome auf der Motorhaube ist das optische Erkennungsmerkmal der Hybrid-Version des X6. BMW hat ihm außerdem eine besonders umfangreiche Serienausstattung verpasst: Metalliclackierung, Nappa-Leder, schlüsselloser Zugang, Komfortsitze und 20-Zoll-Räder sind im Preis von 102 900 Euro enthalten. Damit übertrifft der Hybrid den nicht ganz so luxuriös bestückten X6 50i mit dem 4,4-Liter-V8 um satte 26 000 Euro. Wer den scheut, aber dennoch einen verbrauchsgünstigen BMW X6 fahren will, kann auf den 286 PS starken Dreiliter-Sechszylinder-Diesel zurückgreifen. Der belastet das Konto mit 39 000 Euro weniger als sein Hybrid-Bruder. Und der Verbrauch liegt laut BMW im Durchschnitt bei nur 8,3 Litern. Allerdings schafft es der Selbstzünder nicht, ohne einen Tropfen Kraftstoff über die Straßen zu gleiten. Es sei denn, es geht bergab. [ddp/nom/mhi ]

Posted on Nov. 25, 2009 in Green, MotorBlog News

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