Fake-Videos: Kalifornien verbietet Deepfakes

Dank künstlicher Intelligenz wird es immer einfacher, selbst Videos so zu manipulieren, dass sie täuschend echt wirken und falsche Inhalte vorgaukeln. Entsprechend wächst die Sorge, dass derartige Fälschungen, sogenannte Deepfakes, zur Beeinflussung von Wahlen missbraucht und in sozialen Netzwerken in Umlauf gebracht werden.

In den USA prescht Kalifornien nun dagegen vor und will sich angesichts der im nächsten Jahr anstehenden US-Präsidentschaftswahl mit schärferen Gesetzen wappnen: Der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA verbietet die Verbreitung manipulierter Video- oder Audioaufnahmen von Politikern.

Verbot von irreführenden Inhalten

Zuletzt war unter anderem ein verfälschtes Video der US-Oppositionschefin Nancy Pelosi verbreitet worden, das die demokratische Gegenspielerin von Präsident Donald Trump verwirrt oder gar betrunken erscheinen liess.

Das neue Gesetz, das Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom gerade rechtskräftig gemacht hat, stellt derartiges Vorgehen unter Strafe. Es verbietet die Verbreitung von Videos, Bildern oder Audioaufnahmen, die Politiker mit falschen Äusserungen oder Handlungen irreführend darstellen, um Wähler zu täuschen oder einen Kandidaten zu diskreditieren. Dieses Verbot gilt 60 Tage im Vorfeld von Wahlen.

Satire erlaubt: Deepfake Verbot im „Golden State“

Ausgenommen davon sind Nachrichtenmedien oder satirische Inhalte, wenn deutlich erkennbar gemacht wird, dass es sich nicht um wirkliche Äusserungen oder Handlungen handelt. Das Gesetz bezieht sich nicht nur auf «Deepfakes», sondern auf alle Möglichkeiten, Video- oder Audioaufnahmen zu manipulieren.

So ist auch Material wie das Fake-Video von Pelosi eingeschlossen, bei dem der falsche Eindruck durch Manipulation der Wiedergabe-Geschwindigkeit erzielt wurde. Bei Deepfake-Videos werden mithilfe von künstlicher Intelligenz etwa Gesichter oder Wörter ausgetauscht oder weitere Bildinhalte eingefügt.

Der kalifornische Fake-Video-Vorstoss stösst nicht nur auf Zustimmung: Das neue Gesetz sei gut gemeint, werde irreführende Politik-Videos aber nicht verhindern, kritisiert etwa die amerikanische Bürgerrechtsorganisation ACLU. Vielmehr werde es zu noch mehr Verwirrung, schwierigen Auseinandersetzungen vor Gericht und Unterdrückung der freien Meinungsäusserung führen.

Porno-Fakes strafbar

Derweil werden verfälschte Videos vor allem auch in Umlauf gebracht, um Personen zu diskreditieren, indem sie in pornografischem Umfeld dargestellt werden. Auch dagegen geht Kalifornien mit einem neuen Gesetz vor und macht die Verbreitung verfälschter Pornovideos strafbar.

Opfer von Porno-Fakes waren in der Vergangenheit insbesondere prominente Frauen. Allerdings sind auch immer wieder sogenannte Rache-Pornos aufgetaucht, mit denen Ex-Partner verleumdet werden sollen. Dabei wird in der Regel in einem kurzen Clip das Gesicht einer Pornodarstellerin ausgetauscht.

Gewaltiger Anstieg von Deepfake-Videos

Einer Studie des niederländischen Unternehmens Deeptrace zufolge hat die Anzahl von Deepfake-Inhalten im Netz seit letztem Jahr stark zugenommen Die Analysten entdeckten mehr als 14.600 Deepfake-Videos – im Dezember 2018 zählten sie rund 8.000. Die meisten Fälschungen sind demnach jedoch nicht politischer, sondern pornografischer Natur. 96 Prozent der tiefenmanipulierten Fälschungen sollen Porno- Inhalte zeigen.

Der Anstieg sei beunruhigend und der fortschreitenden Technik geschuldet. Auch ohne umfassende Expertise könnten Inhalte inzwischen einfach manipuliert werden.

Foto: Deepfake Screenshot Buzzfeed

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