Sprachassistenten: Apple, Google und Amazon bessern nach

Apple, Google und Amazon haben zur Verbesserung ihrer digitalen Sprachassistenten Mitschnitte von Mitarbeiten oder auch von externen Dienstleistern abhören lassen. Apple bessert nun nach und holt sich als erster Hersteller vorab das Einverständnis der Nutzer.

Bei Apple soll künftig um Erlaubnis gefragt werden

Die gängige Praxis der grossen Tech-Konzerne, Aufnahmen von Sprachassistenten teilweise von Menschen abhören zu lassen, ist auf breite Kritik gestossen. Mitunter enthielten die Audio-Aufzeichnungen private Gespräche durch ungewollte Aktivierungen, zudem waren Nutzer der jeweiligen Dienste nicht klar über den Einsatz menschlicher Hörer zur Auswertung eines Teils der Mitschnitte informiert. Apple, Google und Amazon begründen ihr bisheriges Vorgehen mit Qualitätsverbesserungen.

Apple hat nach dem Bekanntwerden das Abhören von Siri-Aufzeichnungen Anfang des Monats vorläufig gestoppt. Nun hat der iPhone-Konzern angekündigt, Nutzer des Sprachassistenzsystems künftig um Erlaubnis zu bitten, bevor die Mitschnitte der Sprachkommandos zur Auswertung durch Mitarbeiter genutzt werden.

Änderung der Sprachassistent Siri-Richtlinien

Siri-Nutzer sollen sich ab Herbst entscheiden können, ob sie Audio-Stichproben für den «Grading» genannten «Qualitätsauswertungsprozesses» zur Verfügung stellen möchten. Diese Option soll durch Software-Updates integriert werden. Die Mitschnitte sollen künftig überdies nur noch von Apple-Mitarbeitern abgehört werden.

Letzten Monat war durch einen Bericht des britischen «Guardian» bekanntgeworden, dass der iPhone-Hersteller verschiedene Vertragspartner damit beauftragt hat, über Siri aufgezeichnete Audio-Mitschnitte systematisch abzuhören. Dabei wurde auch publik, dass die Spracherkennung des Apple-Systems immer wieder auch private Gespräche bei ungewollter Aktivierung erfasst. Das Problem soll insbesondere auf der Apple Watch und dem Homepod-Lautsprecher auftreten.

Später berichtete der «Irish Examiner», dass bei einem Apple-Dienstleister in Irland Angestellte jeweils bis zu tausend Audio-Mitschnitte täglich abgehört hätten – auch darunter teilweise intime Details.

Keine standardmässige Speicherung von Audioaufnahmen mehr

Neben der neuen Wahlmöglichkeit ab Herbst verspricht Apple nun auch, Audioaufzeichnungen von Siri-Interaktionen nicht mehr standardisiert zu speichern. Zur Verbesserung von Siri sollen jedoch weiterhin computergenerierte Transkripte verwendet werden.

Der kalifornische Konzern betont, dass Siri Daten während der Verarbeitung von Anfragen nicht über die Apple-ID oder Telefonnummer mit der Identität des Nutzers verknüpfe, sondern eine zufällige Kennung aus einer lange Folge an Buchstaben und Zahlen verwende, die einem einzelnen Gerät zugeordnet sei.

Als weitere Sicherheits-Massnahme werde die Verknüpfung von Geräteinformation und Zufallskennung nach sechs Monaten getrennt, so Apple.

Auswertung des Sprachassistent: Auslagerung an Vertragspartner

Apple ist dabei nicht das einzige Unternehmen, das Audiodaten – wenn auch anonymisiert – an Dienstleister weitergibt. Auch beim Rivale Google, der das Abhören von Google-Assistant-Mitschnitten vorerst in der EU für insgesamt drei Monate aussetzt, sind externe Dienstleister am Lauschen. Wie das US-Online-Magazin «Vice» berichtet, haben Vertragspartner des Suchmaschinen-Riesen Audio-Schnipsel des Google Assistant wiederum an Freiberufler weitergegeben – Bewerbungen für den Job sollen online erfolgt sein.

Die Freelancer sollen von zu Hause aus gearbeitet und Transkriptionen von deutschsprachigen Sprachaufnahmen erstellt haben. Dem Bericht zufolge waren unter den Sprach-Fragmenten häufig gesprochene Anfragen für die Google-Suche und oft der Aktivierungssatz «OK, Google» zu hören. Manche Mitschnitte hätten sich jedoch nach Textnachrichten angehört, die statt zu tippen ins Smartphone gesprochen werden. Manchmal sei es sogar möglich gewesen, aus mehreren Audio-Schnipsel auf eine vollständige Privat-Unterhaltung zu schliessen.

Auch bei Google sollen die einzelnen Audio-Aufnahmen zwar nicht mit einem Nutzerkonto in Verbindung gebracht werden können, aber die Ausgestaltung der Mithörpraxis war bis zu den jüngsten Enthüllungen sicher nur den wenigsten Nutzern bewusst.

Google hat die Audio-Auswertung in der EU zunächst bis Ende Oktober gestoppt. Facebook pausiert die Erstellung von Abschriften – auch das soziale Netzwerk soll die Transkribierung von Audio-Clips an hunderte externe Vertragspartner ausgelagert haben.

Bei Amazon können Alexa-Nutzer seit Anfang des Monats über eine neue Funktion, das Abhören unterbinden.

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