[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

In einem Buchladen zu stöbern gefällt mir. Ich sehe mir die Titel der Bücher an und versuche mir vorzustellen, welche Geschichte sich hinter den Deckeln verbirgt. Wahllos nehme ich Werke aus den Regalen, fahre mit dem Finger über den Namen des Autors und lese die ersten Zeilen. Andere verlieren sich in Modegeschäften, ich mich in Bücherläden.

Deshalb hatte ich beschlossen dieses Jahr die Frankfurter Buchmesse – die weltweit größte – zu erkunden. Ich stellte es mir wie ein Paradies vor: 7.300 Aussteller aus 100 Ländern und alles Rund ums Buch. Ich schlenderte durch Gänge und Hallen, auf der Suche nach Anzeichen von E-Books.

An einem Stand sah ich einen Bildschirm, auf dem in einer Schleife Werbung für digitale Reclam-Hefte lief. Diese kleinen Büchlein erinnern mich an die Schullektüre, die sich seit 30 Jahren nicht geändert hat. Das spannendste Drama und die schönste Liebesgeschichte wird durch das Reclam-Layout zerstört – denn schon bei dem Anblick des gelben Bands mit den fast durchsichtigen Seiten, verschwindet augenblicklich die Lust darin zu blättern. Wahrscheinlich war die Erfindung des digitalen Buches das Beste, was dem Verlag passieren konnte, denn in digitaler Form würde selbst ich Leseratte mir solch ein verhasstes gelbes Heftchen kaufen.

Aber auch andere bekannte Verlage lassen immer mehr Bücher digitalisieren. Praktisch jeder Bestseller erscheint von Anfang an in gedruckter und elektronischer Form. Per Dalheimer, Geschäftsführer des Onlineshops eBook.de, schätzt, dass knapp die Hälfte der aktuellen deutschsprachigen Bücher auch als Cyber-Lesestoff gekauft werden können. Die Auswahl an älteren Büchern oder unbekannteren Autoren jedoch ist noch gering – aber stetig steigend.

[Buchmesse] Dem E-Book Hype zum Trotz: Ich bleibe Buchrücken-Abstauber

Laut Studien der Medien-Marktforscher Media Control wurden im ersten Halbjahr 2012 rund sechs Millionen Bücher kostenpflichtig heruntergeladen. Es bleibt wohl kein Zweifel mehr: Das E-Book hat sich neben dem gedruckten Wort etabliert und lässt sich nicht mehr verdrängen.

Dennoch: Mich hat die Digitalisierung nicht so ganz überzeugt. Ich hatte zwar offen gestanden noch keinen E-Reader in der Hand, aber die Vorstellung, nicht nur den ganzen Tag im Büro auf einen Bildschirm starren zu müssen, sondern auch noch Abends, finde ich schrecklich. Ab Montag darf (muss) ich mich eine Woche mit einem Elektro-Buch-Reader von Amazon beschäftigen, vielleicht kann ich ihm was abgewinnen.

Zwar verstehe ich, dass diese „Revolution“ gewisse Vorteile für die Verlage hat: eine billigere Produktion und keine Fehlschätzungen mehr bei der Druckauflage. Aber wie grausam wäre es, wenn sich jeder Küchen-Autor (durch die geringere Publikationskosten) selbst verlegen und sein Werk als digitalen Schmöker herausbringen könnte.

5 Comments

  1. shadaik 13. Oktober 2012
  2. GeorgF 13. Oktober 2012
  3. Daniela 25. Oktober 2012
  4. Daniela 25. Oktober 2012
  5. Susi 30. Oktober 2012

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