[Update] Loveparade: 137 Beschwerden zur „Bild“-Berichterstattung beim Deutschen Presserat

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Beim Deutschen Presserat in Berlin sind inzwischen 140 Beschwerden zur Berichterstattung über die Massenpanik bei der Loveparade eingegangen. Bis auf drei Ausnahmen wenden sich die Schreiben gegen das Boulevardblatt „Bild“ sowie dessen Internetauftritt Bild.de

Von ingesamt 140 Beschwerden sind bis auf drei Ausnahmen alle gegen das Springer-Boulevardblatt „Bild“ sowie den Online-Dienst Bild.de gerichtet. Dies berichtet der Medienfachdienst HORIZONT.NET.

Der Großverlag Axel Springer ließ mittlerweile gegenüber dem Branchendienst „Kress“ verlauten, dass dem Unternehmen von Beschwerden bislang nichts bekannt sei.

[Update 13:05 Uhr] Dabei sollen laut der Nachrichtenagentur ddp bereits am Montag 113 Beschwerden beim Deutschen Presserat gegen die Aufmachung vom Wochenende eingegangen.

Die Leser sehen den Angaben zufolge Verstöße gegen Ziffer 11 des Pressekodex. Dieser besagt unter anderem, dass die Presse auf eine «unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid» verzichtet. Betroffen ist auch Ziffer 8 zu Persönlichkeitsrechten. «Bild.de» hatte unter anderem am Samstag Fotos von nur notdürftig mit Tüchern zugedeckten Leichen veröffentlicht.

Ein Sprecher der Axel Springer AG hatte die Berichterstattung am Montag auf ddp-Anfrage verteidigt: «Wie alle Medien berichtet auch ‚Bild‘ – aus unserer Sicht angemessen und verhältnismäßig – über die tragischen, schockierenden Ereignisse während der Loveparade.»

Insgesamt erhielt der Presserat bis Dienstagmittag 140 Beschwerden. Jeweils eine richtete sich gegen «Spiegel Online», die «Rheinzeitung» und die «Hamburger Morgenpost». Die nächste Sitzung des Beschwerdeausschusses findet im September statt.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief indes zu sachlicher Berichterstattung auf. «Die Informations- und Chronistenpflicht gilt auch für Boulevardzeitungen», sagte die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. Es gelte, publizistische Grundsätze einzuhalten. «Dazu zählt, dass die Presse auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt, Brutalität und Leid verzichtet.»

Wer diesen Grundsatz missachte, beschädige die Glaubwürdigkeit der Medien nachhaltig. «Gerade bei derart tragischen Ereignissen müssen Medien ihrer besonderen Verantwortung nachkommen», sagte Kaiser. «Es ist pietätlos gegenüber Opfern und Angehörigen, gezielt die Sensationslust zu bedienen.»

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tf/war

>> Alle Artikel zum „Schwerpunkt Loveparade“ bei TechFieber

3 Comments

  1. giselamuenste 27. Juli 2010
  2. giselamuenste 27. Juli 2010
  3. giselamuenster 27. Juli 2010

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