[Datenschutz] Ortungsdaten-Studie: Standortbezogene Daten, eine mehr als zwiespältige Angelegenheit

22. Juni 2012 | by Dieter Jirmann

datenschutz

Dass man nicht nur bei der mobilen Internet-und Telefon-Nutzung, sondern auch mit alltäglichen Handlungen wie dem Bezahlen mit einer Geld- oder Kreditkarte oder dem Öffnen einer Tür mit einem Chip-Schlüssel ständig Informationen darüber liefert, wo man sich befindet, ist den wenigsten Nutzern dieser Technologien bewusst.

Eine problematische Situation, wie das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-SWISS in einer neuen Studie feststellt – vor allem die Politik müsse hier aktiv werden.

Die Studie „Lokalisiert und identifiziert. Wie Ortungstechnologien unser Leben verändert“, die TA-SWISS jetzt vorgestellt hat, will aber die Erfassung von Ortungsdaten nicht einfach verdammen. Schliesslich dienten die neuen Technologien auch als Antriebskräfte für innovative Business-Modelle und Dienstleistungen, und etwa bei Rettungsdiensten und Verkehrssystemen könnten die Bürger von der Aufzeichnung von Positionsdaten profitieren.

Allerdings müsse dabei einiges juristisch geklärt und für die Endnutzer transparent gemacht werden. So fordern die Autoren der Studie, dass sich die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung für die Durchsetzung datenschutzrechtlicher Prinzipien auch auf internationaler Ebene stark machen müssten. Dazu gehört auch die Zertifizierung von Software-Programmen, die den Datenschutz gewährleisten. Gleichzeitig solle auch sichergestellt werden, dass die Positionsdaten nicht ewig aufbewahrt, sondern nach einer gewissen Zeit gelöscht werden.

Die Empfehlungen konzentrieren sich aber nicht allein auf den Datenschutz. Dort, wo die Positionsdaten von öffentlichen Einrichtungen im Dienste des Bürgers genutzt werden, solle die dafür erforderliche Infrastruktur auch entsprechend geschützt werden, um im Krisenfall auch tatsächlich zur Verfügung zu stehen.

Und schliesslich wird eine bessere Aufklärung vor allem bei Jugendlichen angeregt – dort sei das Bewusstsein darüber, welche Profile sich durch das Zusammentragen der verschiedensten Positionsdaten gewinnen lassen, noch wenig ausgeprägt.

Studien-Mitautorin Michaela Wölk vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung sieht in den Ortungstechnologien auch Chancen für öffentliche Einrichtungen, ihre Angebote für den Bürger zu verbessern: „Das beginnt bei trivialen Lösungen wie der Meldung von ausgefallenen Strassenlaternen samt Positionsadten an die zuständigen Stellen und geht bis bin zu komplexen Verkehrslösungen“.

Dabei unterstreicht Wölk insbesondere die Wichtigkeit zertifizierter Programme, da Datenschutz und Transparenz immer wichtigere Themen geworden seien. Dass dies wohl nicht allen Unternehmen, die auf privater Basis Location-Services anbieten, gefällt, zeige auch ein Trend, die Server auf denen die Daten gespeichert werden, in Länder zu verlagern, in denen die gesetzlichen Bestimmungen lax sind, wenn sie nicht ohnehin in den USA stehen.

Zum Thema:

Foto: dkalo via Flickr/cc

Mehr bei TechFieber zum Thema: ,

Antwort schreiben