[Cebit] Cebit 2012 startet mit grossen Visionen

[Cebit] Cebit 2012 startet mit grossen Visionen

Morgens halb zehn auf der Cebit. Die brasilianische Trommelgruppe versucht, die ersten Besucherströme aufzurütteln. Bei manch‘ Einem klappt das so gut, wie das Wiederbeleben einer Moorleiche. Nur die Asiaten halten, vielleicht wegen der Zeitverschiebung, bei dieser Lebensfreude schon mit.

Über unzählige Flughäfen, provinzielle Bahnhöfe, hannoveranischen Haltestellen sind sie angereist. Insgesamt 400.000 Gäste werden in fünf Messetagen erwartet. Damit verdoppelt Hannover fast seine Bevölkerungszahl. Die wenigen Hotels, vor allem aber die bigotten bis kitschigen Privatunterkünfte sind ausgebucht.

Doch alle Unwegsamkeiten scheinen am sonnigen, ersten Cebit-Tag vergessen. Die brasilianische Gruppe trommelt ihre Lebensfreude der größten Messe für IT- und Kommunikationstechnologie ein. Bei Angela Merkel ist diese Freude schon am Vorabend angekommen. In ihrer Eröffnungsrede zur Cebit betonte die Bundeskanzlerin, wie sehr sie sich diesmal auf den Rundgang freut, wie „stolz“ sie ist, dass Brasilien Partnerland ist.

Warum die Bundeskanzlerin das auch sein kann, das zählte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff in ihrer Vorrede auf.

Schon vor der Feier hatte die Brasilianerin die Polizisten rund um die Feier im Kuppelsaal nervös gemacht. „Abmarsch jetzt!“, musste ein blau Uniformierter einen Taxifahrer anschreien, der seinen Fahrgast bequem vor dem roten Teppich der Ehrengäste absetzt, auf dem die Ordnungshüter wohl demnächst Rousseffs Ankunft erwarten.

Zwei australische Journalisten lachen über die panischen Polizisten. Down Under scheint man eher gelassen mit Massen, Polit- und IT-Prominenz umzugehen. Die gemeinen Eröffnungsgäste erwartet im Foyer des Kuppelsaals ein anderer, roter Teppich. Vor dem VIP-Empfang tummelt sich Menschen in feinem Zwirn, einige Frauen mit sichbar operiertem Gesicht, ein Mann mit ebensolcher Nase.

Bezaubernd bei der Feier das künstlerische Rahmenprogramm. Natürlich sprechen auch der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister und Bitcom-Präsident Dieter Kempf. Auf Knien bedankt sich die brasiliansiche Musikgruppe für die Einladung. Der Sänger spricht zwar nicht viel Englisch, „but I speak communication“.

So feiert sich die Innovationsbranche und huldigt Wirtschaftsleistung, Wachstum sowie dem Zusammenwachsen der Welt. Der deutschen Kanzlerin kommt die Eröffnungfeier auch in puncto Gemeinschaftswährung recht. Gemäß dem Messe-Thema „Managing Trust“ wirbt sie für Vertrauen in die EU und den Euro. Headsets nuscheln den ausländischen Feiergästen die Simultan-Übersetzungen ins Ohr.

Schließlich überrascht man die Kanzlerin mit einem Small-Talk live zu André Kuiper, Astronaut der Internationalen Raumstation ISS. Doch vor allem hallt die visionslastige Rede des Google-Vorsitzenden Eric Schmidt über die Zukunft 2020 nach. Es ist eine Zukunft, in der jeder über das Internet mit jedem überall verbunden ist. In der es keine digitale Klassengesellschaft gibt. Und in der Vertrauen und Kontrolle über die Solidarität im Netz funktioniert. Darüber, wer das Netz kontrolliert, spricht Schmidt nicht.

Am Ende bleibt ein Saal, in dem fleißige Hände hunderte Stühle stapeln, Namensschilder von den Sitzen auf den Parkettboden fallen, fast endlos Übersetzungs-Headsets überm Saalgeländer aufgereiht werden. Die Cebit ist eröffnet. Jetzt auch für die Messebesucher.

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