[Medien] ZDF-Intendant Schächter plädiert für Qualitäts-Journalismus

10. November 2009 | by TechFieber.de

Medien nicht den Bankern überlassen, fordert der amtierende ZDF-Intendant Markus Schächter. Kleinen Budgets und Witschaftskrise und Werbeflaute zum Trotz wirbt Schächter heute in Mainz für Qualitäts-Journalismus.

Denn der ZDF-Chef befürchtet keinesfalls zu Unrecht einen reinen Kostenwettbewerb im Journalismus. Die weltweite Wirtschaftskrise habe der Medienbranche «dramatische Rückgänge» bei den Werbeeinnahmen beschert, sagte Schächter zum Auftakt des 14. Mainzer Mediendisputs am Dienstag im ZDF-Sendezentrum.

Inzwischen werde «offen gefragt, was Qualitätsjournalismus noch kosten darf, damit er sich rechnet», sagte Schächter. «Wir dürfen die Medien nicht der Finanzwirtschaft überlassen.»

«Wenn der Rotstift Chefredakteur wird», sei das «von hoher gesellschaftlicher Brisanz», sagte Schächter. Unabhängige, kritische Medien seien «systemrelevant für das Funktionieren unserer Demokratie». Die Gesellschaft müsse deshalb auch erkennen, dass «Qualität nicht zum Nulltarif zu haben» sei.

Beim Mainzer Mediendisput debattieren mehrere hundert Journalisten in diesem Jahr über den Wert von Journalismus und den Einfluss des Mediums Internet. Erwartet wurde hierzu unter anderen der Chef der Rundfunkkommission der Länder, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD).

Der freie Journalist Tom Schimmeck warnte vor einer Dumpinggesellschaft im Journalismus. Während die Verleger nach immer mehr Gewinn gierten, sänken die Honorare für Freie stetig und drohten der Branche Entlassungswellen in ungekanntem Ausmaß. Allein in diesem Jahr müsse aktuellen Prognosen zufolge jeder 20. Festangestellte gehen. Angesichts dieses Drucks verkämen Recherche, Nachfragen und Nachhaken zunehmend zum Luxus. Wer das als Freier noch tue, sei «ökonomisch betrachtet ein Vollidiot». Den Verlegern riet er, auf Qualität zu setzen: «Qualität bleibt ein Kaufkriterium.» (tf/arei/ddp)

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