Mehr Suchmaschinen für Android Smartphones

Auf Geheiss der EU-Kommission muss Google alternative Suchanbieter auf Android-Handys anbieten. Die Plätze werden in einem umstrittenen Auktionsverfahren vergeben.

Die Internetsuche mit mobilen Android-Geräten soll vielfältiger werden: In Europa haben Nutzer von neuen Smartphones oder Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android ab März die Möglichkeit, bei der Inbetriebnahme des Geräts eine von mehreren Suchmaschinen als Standard-Dienst festzulegen.

Bisher wurde für die Suche im Internet automatisch die Google-Suche sowohl auf dem Startbildschirm als auch im Google-Webbrowser Chrome integriert. Künftig werden auf einem Auswahlbildschirm («choice screen») neben Googles Suchdienst weitere Suchanbieter vorgeschlagen.

Google vergibt die Plätze jedoch in einem umstrittenen Auktionsverfahren an die Suchmaschinen-Konkurrenz. Entsprechend ist nicht etwa die Popularität einer Suchmaschine ausschlaggebend – auf dem Auswahlbildschirm landet vielmehr, wer am meisten zahlt. Durchgesetzt haben sich dabei allen voran die amerikanischen Anbieter DuckDuckGo und info.com.

Alternativen zur Google-Suche

Der Anpassung des weltweit mit grossem Abstand dominierenden Mobil-Betriebssystems Android (2019: laut IDC 86,6 Prozent) ist ein Kartellverfahren der EU-Kommission vorausgegangen, die gegen den Internetriesen 2018 mit Strafzahlungen in Milliardenhöhe vorgegangen ist – weil dieser seine Marktdominanz durch Android ausnutzte, um die Vormachtstellung der Google-Suchmaschine zu festigen. Bemängelt wurde unter anderem, dass Smartphone-Hersteller die Apps für die Google-Suche und den Google-Webbrowser Chrome auf ihren Mobilgeräten vorinstallieren mussten, um Nutzern überhaupt Zugang zum Google Play Store bieten zu können.

Zur Umsetzung der EU-Forderungen hat Google bereits im Sommer letzten Jahres erste Änderungen vorgenommen. Seither werden Android-Nutzer im Play Store darauf hingewiesen, dass sie statt dem bereits installierten Chrome einen anderen Webbrowser und statt der integrierten Google-Suche einen anderen Suchdienst auswählen können.

Suchmaschine auswählen

Die neue Auswahlmöglichkeit ab März 2020 sieht vor, dass Nutzer bereits direkt beim Einrichten eines Android-Smartphones zwischen Google und drei weiteren Anbietern auswählen können. Die Neuerung gilt innerhalb der EU sowie für Liechtenstein, Island und Norwegen, also den 31 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). Die Auswahl variiert dabei von Land zu Land – Google führt die Auktion länderspezifisch durch. Die Schweiz ist von dieser Regelung nicht betroffen.

Durchweg in allen 31 EWR-Ländern sind als Suchanbieter nun die US-Firmen DuckDuckGo und info.com mit von der Partie. Auch das selbst in Fachkreisen kaum bekannte Internetunternehmen Privacywall mit Sitz in Puerto Rico ist stark vertreten und steht in knapp einem Dutzend Länder mit zur Auswahl, darunter etwa Irland, Slowenien oder Schweden.

Daneben haben in einigen Ländern die französische Suchmaschine Qwant (u.a. in Frankreich, Spanien oder Griechenland), das russisch-niederländische Yandex (etwa in Finnland oder Polen) oder auch das deutsche Webportal GMX (in Deutschland, Österreich und den Niederlanden) das Rennen gemacht. Microsofts Suchmaschine Bing sicherte sich einen einzigen Platz und ist auf der britischen Auswahlliste dabei.

Die Rangfolge der jeweils vier vorgeschlagenen Suchmaschinen auf dem Auswahlbildschirm basiert laut Google auf dem Zufallsprinzip.

Pro Nutzer fliesst Geld an Google

Verschiedene Anbieter wie beispielsweise die nachhaltige Suchmaschine Ecosia, die ihre Gewinne in die Aufforstung von Wäldern steckt und Mitglied der Organisation Fairsearch.org ist, haben an der Auktion von vornherein nicht teilgenommen und kritisieren Google für das Verfahren, bei dem ein Platz auf der Liste abhängig davon ist, wieviel Geld ein teilnehmendes Unternehmen bereit ist an Google für jeden Nutzer zu zahlen, von dem es zur Standard-Suche ausgewählt wird.

Die drei höchstbietenden Bewerber machen das Rennen, fällig wird dann für jeden gewonnenen Nutzer der Preis des viertplatzierten Bieters. Die Placierung in der Suchmaschinen-Auswahl hat Gültigkeit für vier Monate. Danach folgen die nächsten Bieterrunden und die Optionen können sich quartalsweise ändern – nur die Google-Suche bleibt kontinuierlich dabei.

Frei wählbar? Kritik an Umsetzung der EU-Vorgaben

Auch DuckDuckGo, das durch die Auktion nun zwar mit info.com die am häufigsten vorgeschlagene Such-Alternative sein wird, äusserte im Vorfeld der Auktion scharfe Kritik und sieht Google als Profiteur des Systems auf Kosten des Wettbewerbs. Die Betreiber der französischen Suchmaschine Qwant sprechen von einem völligen Missbrauch der marktbeherrschenden Position, da allein für das Einblenden von Alternativvorschlägen Geld verlangt würde. Ecosia-Chef Christian Kroll erklärte gegenüber BBC News, dass die Auktion im Widerspruch zum Sinn der Entscheidung der EU-Kommission vom Juli 2018 stehe.

Kritik wird an den Auktionsgewinnern teils selbst laut. Die amerikanische Suchmaschine info.com etwa ist in der Branche umstritten und wird kritisiert dafür, dass das Unternehmen keine eigene Websuche-Infrastruktur aufzuweisen hat, sondern lediglich per Webcrawler Ergebnisse anderer Dienste aggregiert und weiterverkauft. Darunter etwa von Google, Bing, Yahoo oder Yandex.

Hinter info.com steckt das kalifornische Metasuch-Unternehmen Infospace, einst hochfliegender Branchenliebling der Dotcom-Zeiten, der wiederum seit 2016 zu OpenMail gehört, das nun als System1 firmiert und mit Dogpile sowie WebCrawler zwei weitere – jedoch kaum bedeutende – Metasearch-Engines betreibt.

Kritiker monieren auch bei DuckDuckGo, dass es lediglich um einen Webcrawler zur Aggregierung von Suchergebnissen anderer Search-Engines handele. Der Suchdienst mit dem Entenlogo setzt bei der Websuche ebenfalls auf Ergebnisse von Bing, Yahoo oder Yandex. Allerdings hat sich das Unternehmen als privatsphärenfreundliche Suchmaschine einen gewissen Namen gemacht.

90 Prozent Marktanteil für Google Suche

Platzhirsch Google, der bei der Suche im Netz weltweit einen Marktanteil von rund 90 Prozent hält, bezeichnet die Auktion nichtsdestotrotz als eine «faire und objektive Methode, um zu bestimmen, welche Suchanbietern auf dem Auswahlscreen enthalten sind».

Die von Microsoft betriebene Suchmaschine Bing folgt als zweitgrösster Dienst mit einem Anteil von rund 5 Prozent, gefolgt von Yahoo mit weniger als 3 Prozent und Yandex mit weniger als 1 Prozent.

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