Zensur-Vorwürfe gegen Tiktok Musik Netzwerk

Tiktok Musik Netzwerk

Das boomende Social-Media-Musik-Netzwerk Tiktok muss sich spätestens seit den Protesten in Hongkong massive Zensur-Vorwürfe gefallen lassen. Das zum chinesischen Tech-Unternehmen Bytedance gehörende soziale Netzwerk, das mit seinen kurzen Playback-Videos weltweit populär ist, hat die Vorwürfe bislang zurückgewiesen und seine Unabhängigkeit betont. Inhalte etwa zu den Hongkonger Protesten würden nicht aus Tiktok entfernt.

Einem Bericht des «Guardian» zufolge aber sind die Moderatoren des sozialen Netzwerks offenbar gezielt angehalten, Inhalte, die der chinesischen Regierung missfallen, von der Plattform zu verbannen. Dies gehe aus internen Dokumenten hervor, die der britischen Zeitung zugespielt wurden.

Bei «Verstössen» löschen oder Sichtbarkeit einschränken

Demnach werde in den Richtlinien der chinesischen Social-Media-Plattform festgelegt, dass Videos verboten seien, in denen der Tiananmen-Platz, Tibets Unabhängigkeit oder die verbotene religiöse Grupppierung Falun Gong erwähnt würden.

Für Peking unbequeme Inhalte müssen dem Bericht zufolge nicht automatisch gelöscht werden – die Regeln für Moderatoren sehen zwei Kategorien vor. Verbotene Inhalte, die als «Verstoss» gegen die Richtlinien eingestuft werden, sind demnach komplett von Tiktok Zensur zu verbannen.

Bei weniger schwerwiegenden Verstössen sollen Videos zwar nicht gelöscht werden, aber nur noch eingeschränkt sichtbar gemacht werden («visible to self»).

Nutzer würden in einem solchen Fall völlig im Dunkeln tappen und nicht nachvollziehen können, ob ein gepostetes Video zensiert wurde oder ob es keine Beachtung erhalte, weil es unattraktiv sei.

Nur „staatskonforme Inhalte“ bei Tiktok Musik Netzwerk

Grundsätzlich seien die Vorgaben für verbotene Inhalte recht allgemein gehalten. Kritik am sozialistischen System Chinas beispielsweise falle unter ein allgemeines Verbot von «Kritik/Angriffen gegen Grundsätze und gesellschaftliche Systeme eines Landes, etwa konstitutionelle Monarchie, Monarchie, parlamentarisches System, Gewaltenteilung, Sozialismus usw.»

Auf der Verbotsliste würden allerdings auch 20 Personen in der Kategorie «ausländische Staatsführer oder umstrittene Personen» geführt, darunter etwa Kim Jong-un, Wladimir Putin, Donald Trump, Barack Obama oder auch Mahatma Gandhi.

Gegenüber dem «Guardian» erklärte Bytedance, dass die zitierten Dokumente veraltet seien und seit Mai, also vor dem Start der Proteste in Hongkong, keine Gültigkeit mehr hätten. Die aktuellen Richtlinien würden nicht auf Länder oder Themen verweisen. Man würde nun einen anderen Ansatz verfolgen und auf «lokale Moderatoren» und entsprechende Richtlinien der jeweiligen Länder setzen.

Tiktok Zensur-Vorwürfe seit Hongkonger Protesten

Zensur-Kritik war aufgekommen, weil sich etwa unter Hashtags wie #hongkong oder #hongkongprotests keinerlei Inhalte zu den Demonstrationen in der ehemaligen britischen Kronkolonie finden liessen, bei denen für Meinungsfreiheit und Demokratie gekämpft wird.

Tiktok ist aus dem Video-Sharing-Dienst Musical.ly hervorgegangen und zählte bereits im Frühjahr dieses Jahres etwa eine halbe Milliarde Nutzer. Es erfreut sich insbesondere unter jungen Nutzern grosser Beliebtheit in mehr als 150 Ländern. Der Musical.ly-Nachfolger gilt als die sich am schnellsten ausbreitende mobile App weltweit.

Die App wurde von einem Startup mit Sitz in Shanghai und Los Angeles entwickelt und 2017 von Bytedance aus Peking übernommen. Die Tech-Firma Bytedance bezeichnet sich selbst als Künstliches-Intelligenz-Unternehmen und steckt smarte Algorithmen und maschinelles Lernen in Tiktok und seine anderen Social-Media-Plattformen.

Foto: Screenshot TikTok

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