Facebook greift Systemdaten von Android-Smartphones ab

Facebook greift Systemdaten von Smartphones ab

Facebooks Android-App sammelt heimlich Daten zum System des genutzten Smartphones. Nutzer können die Funktion nicht abstellen.

«Global Library Collector» sammelt über die Facebook App Daten  des Nutzers

Facebook ist nicht nur an persönlichen Nutzer-Informationen interessiert, sondern spioniert offenbar auch die Systemdaten seiner Nutzer aus. Die Android-App des sozialen Netzwerkes greift einer IT-Spezialistin aus Hongkong zufolge im Hintergrund regelmässig Systembibliotheken des Smartphones ab.

Diese Programminformationen werden demnach auf Facebook-Server hochgeladen und so in Listen abgelegt, dass sie mit der ID des Nutzer-Smartphones verknüpft sind. Die versteckte Sammel-Funktion der App nennt sich laut der App-Serurity-Expertin Jane Manchun Wong «Global Library Collector» (GLC).

Systeminformationen landen bei Facebook

Das soziale Netzwerk soll über die Funktion Dateien sämtlicher Systembibliotheken auf seine Server hochladen können. Gesammelt werden Metadaten – Systembibliotheken stellen Codes zur Verfügung, die unter anderem zur Ausführung von Programmen benötigt werden. Wong entdeckte, dass von ihrem Smartphone Daten zu bereits mehr als 2.000 Systembibliotheken abgegriffen wurden.

Unklar ist, wofür Facebook die GLC-Daten sammelt. Wong vermutet, dass sie Informationen zur Systemintegration bzw. -kompatibilität liefern – und im besten Fall Zwecken der Optimierung und Fehlerbehebung dienen.

Fehlende Transparenz der Facebook App

Nutzer haben allerdings keinerlei Möglichkeit, die Datensammelei zu unterbinden. Selbst wenn Facebook mit GLC darauf abzielen würde, dass die App besser laufe, wäre es das Mindeste, über die Funktion und die Art der gesammelten Daten zu informieren, kritisiert die IT-Fachfrau.

Idealerweise werde auch eine «Opt-out»-Option integriert. Damit können Nutzer selbst entscheiden, ob sie der Datensammelei zustimmen wollen oder nicht. Wong weist darauf hin, dass Google mit «Play Protect» und «SafetyNet» ähnliche Funktionen einsetze, Nutzer aber darüber aufkläre, zudem eine Deaktivierungsmöglichkeit biete sowie über eine Hilfeseite den Nutzen dieser Datensammlung darlege.

Facebook gerät nun zum wiederholten Mal wegen intransparenter Datensammelei in die Schlagzeilen. Die neuen Vorwürfe hat das Unternehmen bislang noch nicht kommentiert.

Privatsphäre besser schützen

Bislang sammelt der Social-Media-Riese selbst dann fleissig Daten, wenn Facebook-Nutzer sich abseits der Seiten des sozialen Netzwerks über einen Facebook-Login auf Webseiten bewegen und Inhalte anklicken oder eine App nutzen. Diese Tracking-Daten, die dadurch bei Facebook landen, sollen Nutzer des sozialen Netzwerks künftig über die Funktion «Clear History» entfernen können, wie der Konzern Ende letzten Monats angekündigt hat.

Versprochen hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg das neue Privatsphäre-Tool bereits im Mai 2018 in Folge des massiven Drucks nach dem grossen Datenskandal um «Cambridge Analytica».

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