Computerwinzling reloaded: Raspberry Pi mausert sich zum Multimedia-PC

Der Mini-PC der Raspberry Pi Foundation geht in die nächste Runde: Die vierte Generation des erschwinglichen Multimedia-Computers nennt sich «Pi 4», ist deutlich schneller und erweitert die Einsatzmöglichkeiten des Kleinstrechners enorm. Der nur 31 Euro teure PC-Mini dürfte zum Verkaufshit avancieren – nicht nur bei Geeks.

Winzig, günstig und populär

Die gemeinnützige Raspberry Pi Foundation hat ihren populären Mini-Computer weiterentwickelt. Die neue Version des «Raspberry Pi», der vor sieben Jahren in Form einer handflächengrossen Platine das Licht der Tech-Welt erblickt hat, ist immer noch winzig und unschlagbar günstig, nimmt es nun aber vollständig mit einem herkömmlichen Desktop-Rechner auf.
Das jüngste Modell nennt sich «Raspberry Pi 4» und wird zu einem Preis ab 31 Euro angeboten. Es ist die vierte Generation des als Minimal-PC entwickelten Computers, der gern an Schulen oder Universitäten zum Einsatz kommt und insbesondere auch unter Hobby-Bastlern und Entwicklern längst Kultstatus hat.

Der Raspberry Pi 4 mausert sich zum Multimedia-PC

Vom Bastlerrechner zum Desktop-PC

Der neueste Einplatinenrechner legt einen regelrechten Leistungssprung hin: Laut der britischen Stiftung hinter dem Projekt hat sich die Prozessorleistung des Raspberry Pi 4 im Vergleich zum Vorgängermodell verdreifacht, die Multimedia-Leistung sogar vervierfacht.

Die etwa kreditkartengrosse Platine ist top ausgestattet und enthält als Herzstück mit dem BCM2711 einen flotten System-on-a-Chip von Broadcom mit vier Cortex-A72-Rechnerkernen. An Bord sind wahlweise ein, zwei oder vier Gigabyte Arbeitsspeicher. Die Grafikleistung wurde per OpenGL ES 3.0 verbessert, so dass der Computerwinzling nun Inhalte in 4K (Ultra HD) darstellen kann.

Pi 4: Kreditkartengrosser Rechner mit flotter Leistung

Neben vier USB-Anschlüssen, zwei davon für schnelle USB 3.0-Konnektivität, wurde ein zweiter HDMI-Anschluss ergänzt. So können nun gleichzeitig zwei unabhängige 4K-Monitore angeschlossen werden.

Der Hersteller betont, dass das winzige Gerät nun zum ersten Mal den «vollständigen Funktionsumfang eines traditionellen Computers» biete – vom «superschnellen File-Sharing bis hin zum Multi-Tab-Surfen und fortschrittlicher Video- und Foto-Bearbeitung».

Minimal-PC ohne Gehäuse und Zubehör

Der Rechner kann als eigenständiger Desktop-Computer verwendet werden und ist in seiner ursprünglichen Form ohne Gehäuse oder sonstiges Zubehör zu haben. Er wird entsprechend auch gerne als Bastelcomputer verwendet.

Sprich: als Universal-Basis für die Entwicklung von Prototypen, das Experimentieren mit Produktdesigns und dem Selberbauen von Displays, Robotern oder anderen Geräten oder Kits, für die der Kleinstcomputer etwa als Server dienen und die Funksteuerung von Sensoren ermöglichen kann.

Zu den bekanntesten Raspberry-Pi-Projekten zählt beispielsweise eine Mini-Version des Mars-Rovers der Nasa.

Erschwinglich und leicht zu bedienen – Der Pi 4

Entwickelt hat das erste Modell des Minimalstrechners der britische Spieleentwickler David Braben, der unter anderem als Erschaffer des sehr frühen Weltraumspiels «Elite» und dessen Nachfolger «Frontier» in Erinnerung geblieben ist.

Er verfolgte mit seinem Projekt den Plan, einen Computer zu entwickeln, den sich nicht nur jeder leisten kann, sondern der auch leicht zu bedienen ist und zum Basteln animiert: Insbesondere sollten Schüler und Studenten mit dem erschwinglichen Rechner die Möglichkeit haben, sich Programmierkenntnisse anzueignen.

Entsprechend kam der erste kommerzielle Raspberry Pi im Februar 2012 zu einem erstaunlichen Preis von 35 Dollar heraus – und war so gefragt, dass die Shop-Webseiten unter dem Käuferansturm zusammenbrachen.

Vom Start weg programmieren

Zur Markteinführung punktete der preislich unschlagbare Mini-Platinenrechner auch mit seinen technischen Daten, die mit denen eines typischen Smartphones der Zeit vergleichbar waren: einem 700 MHz ARM11 Prozessor mit 128 MB RAM, Linux als Betriebssystem und OpenGL ES 2.0 als Grafikschnittstelle für eine 1080p Bildschirmdarstellung auf einem Monitor per HDMI-Anschluss.

Auch ein USB-Anschluss für Keyboard und Maus fehlte nicht, seitlich fand eine SD-Karte zum Speichern von Daten Platz. Vom Start weg liess sich mit dem Winzling programmieren und auch allerlei anderes bewerkstelligen – etwa E-Mailen, im Web surfen oder soziale Netzwerke nutzen.

Raspberry Pi hängt C64 ab

Knapp ein Jahr später hatte sich das Computerchen bereits über ein Million Mal verkauft. Sein Einsatz als Übungsplattform für Entwickler in der Forschung oder für Ausbildungszwecke haben zu einer enormen Verbreitung geführt.

Inzwischen ist die Bastler-Community um Raspberry Pi riesig. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich mehr als 12,5 Millionen der Winzig-Computer verkauft. Damit hat Raspberry Pi sogar den legendären Commodore 64 (C64) überholt. Unter den meistverkauften Computerplattformen der Welt liegen damit nur PCs und Macs noch weiter vorne.

Pi mit Maus und Tastatur

Das jüngste Modell des Bastelrechners flankiert der Hersteller zum ersten Mal auch mit einem zusätzlichen «Desktop Set», also sämtlichem Zubehör, das gebraucht wird, um einen Desktop-Computer zu ersetzen. Dazu gehören eine eigene Maus und Tastatur, eine SD-Karte, die Stromversorgung sowie Kabel und Gehäuse.

Die Peripherie-Geräte, die es neben Schwarz und Grau auch in Weiß mit Himbeerfarbe gibt, sind auch einzeln zu kaufen und preislich sehr günstig. Die Tastatur etwa kostet rund 18 Euro, die Maus geht für rund acht Euro über den Ladentisch.

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