Mobile | Smartphone kills Kompakt-Kamera – Einsteiger-Knipsen sterben aus

 Mobile | Smartphone kills Kompakt-Kamera - Einsteiger-Knipsen sterben

Aktuelle Smartphone-Kameras kommen an die Qualität günstiger Kompaktkameras heran. Vielen Nutzern reicht das. Einstiegs-Kompakte werden deshalb aussterben, glauben Experten. Doch für besondere Anlässe darf es weiter eine bessere Kompakte sein.

Einst war die Kompaktkamera fester Bestandteil jedes Haushaltes. Doch inzwischen verdrängt das Smartphone als Universalinstrument zumindest die einfacheren «Knipsen». Der Kauf günstiger Kompakter lohnt kaum mehr, sagen Experten.

«Die Unterschiede zwischen einer günstigen Kompakten und der Funktion eines aktuellen Smartphones sind nicht groß», sagt Thomas Hoffmann von der Zeitschrift «c’t Digitale Fotografie». Die Sensoren seien ähnlich klein, was zu vergleichbarem Bildrauschen führe. Der größte Vorteil Kompakter sei noch ihr optisches Zoom – und je nach Modell ein Plus an Einstellmöglichkeiten.

Urs Tillmanns schätzt Kompaktkameras grundsätzlich als weitwinkeltüchtiger ein und zieht den klassischen Auslöseknopf ergonomisch betrachtet dem Tippen auf dem Touchscreen vor. Außerdem lägen die leichten Smartphones nicht so gut in der Hand wie eine Kamera, was das Verwackeln begünstigen könne, sagt der Herausgeber des Schweizer Online-Fotomagazins «Fotointern.ch». Und auch er hält den Qualitätsvorteil eines optischen Zooms für wichtig: «Bei Kompaktkameras erfolgt die Bildwinkelveränderung beim Zoomen durch eine optische Veränderung der Brennweite, wobei immer die ganze Sensorgröße genutzt wird.»

Smartphones arbeiteten dagegen mit reinen Digitalzooms, die bei der Bildwinkelveränderung nur noch einen Teil des Sensors ausnutzen. Das führt zu einem Auflösungsverlust, der zwar oft durch sogenannte Interpolations-Verfahren ansatzweise korrigiert wird, erklärt Tillmanns. Dabei entstünden aber wiederum störende Artefakte.

«Der größte Vorteil des Smartphones ist wohl, dass der Nutzer es immer für Schnappschüsse dabei hat», sagt Thomas Hoffmann. Hinzu komme, dass die Bilder direkt in soziale Netzwerke, Cloud-Speicher oder zu Fotodiensten hochgeladen werden können. Trotzdem sollte man nicht vergessen, Bilder auch auf einer Festplatte zu sichern und die Vertrauenswürdigkeit von Internetdiensten zu hinterfragen.

Sowohl bei Kompaktkameras als auch bei Smartphones werden die Fotodateien ins JPEG-Format heruntergerechnet. Allerdings sei die Komprimierung bei Smartphones oft sehr viel größer, was stärkere Kompressionsartefakte zur Folge habe, erklärt Urs Tillmanns.

Selbst für Schnappschüsse setzt der Hamburger Fotograf André Lützen lieber auf eine Kompaktkamera als auf sein Smartphone. «Auch wenn ich das Handy immer dabei habe, nutze ich es kaum zum Fotografieren», sagt er. Zum einen seien Handys in der Regel weniger lichtstark als Kameras. Und: «Bei Kompaktkameras habe ich außerdem mehr Einstellungsmöglichkeiten.» Dazu gehöre etwa die Blendenautomatik. Zum anderen sei der Gebrauch eine Frage der Gewohnheit: «Ich nutze das Handy vorwiegend zum Telefonieren und nicht als Multimediagerät», sagt Lützen.

Dennoch scheint die Zukunft zumindest in der kompakten Einstiegskamera-Klasse alles andere als rosig. «Den meisten Nutzern reichen die Bilder der Handys aus», sagt Thomas Hoffmann. Günstige Kompakte werde es bald nicht mehr geben.

«Die Hersteller bekommen die Konkurrenz der Smartphones wirtschaftlich zu spüren», sagt Urs Tillmanns. «Die preislich günstigen und technisch schwächer ausgestatteten Kompakten sind faktisch bereits verschwunden.» Der Trend gehe dahin, dass sich nur noch besser ausgestattete und teurere Modelle am Markt halten könnten.

«Die Kamerahersteller bemühen sich, mit neuen Eigenschaften den Leistungsumfang zu verbessern und bieten Features an, die in den Smartphones noch fehlen», glaubt auch Urs Tillmanns.

Das sind neben größeren Sensoren etwa höhere Auflösungen beim eingebauten Display oder qualitativ höherwertige sowie mitunter wasserdichte Gehäuse, zählt Thomas Hoffmann auf. Einige Hersteller rüsten ihre Kameras sogar mit Android-Betriebssystem oder dem schellen LTE-Mobilfunk aus.

«Die besten Empfehlung mag wohl sein, beide Systeme zu nutzen», sagt Tillmanns. «Das Smartphone als «fotografisches Notizbuch» und eine kompakte Mittelklassekamera dann, wenn es wirklich darauf ankommt.» Viele Smartphone-Fotografen würden letztlich zu besonderen Anlässen doch auf eine «richtige» Kamera umsteigen, etwa auf Reisen, um die Entwicklung des Nachwuchses zu dokumentieren oder um bei Feiern zu fotografieren. «Die meisten entdecken dann die Fotowelt neu.»

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