[Feature] Medizin 2.0: Hightech im OP bei der weltgrößten Medizin-Fachmesse Medica

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Es ist gerade mal 400 Gramm schwer und kann im Notfall lebensrettende Informationen geben: Mit dem mobilen Ultraschall-Gerät, das in eine Kitteltasche passt, kann beispielsweise der Notarzt schon «vor Ort» eine Diagnose vornehmen und feststellen, ob der Patient etwa an einer inneren Blutung leidet. «Von einer schnellen Diagnose kann die Entscheidung abhängen, einen Rettungshubschrauber anzufordern oder nicht», erläutert Heiko Dudwiesus von der Herstellerfirma GE Healthcare.

Das kleine Ultraschallgerät ist eine von vielen Neuheiten, die von Mittwoch bis Samstag auf der weltgrößten Medizinfachmesse Medica in Düsseldorf vorgestellt werden. Zu der Messe mit rund 4.400 Ausstellern aus mehr als 60 Ländern werden mehr als 130.000 Fachbesucher erwartet. Die fortschreitende Miniaturisierung von technischen Geräten ist dabei ebenso Trend wie die Verbesserung von Operations- und Hygienebedingungen.

Hybrid-OP macht Herzklappen-Eingriffe günstiger

«Effizienz im Operationssaal ist ein wichtiges Thema», sagt Medica-Sprecher Martin-Ulf Koch. Dafür steht auf der diesjährigen Medica exemplarisch der Begriff «Hybrid», den man bislang vor allem aus der Automobiltechnik für eine kombinierte Antriebstechnik etwa aus Erdgas und herkömmlichem Kraftstoff kennt. Im Hybrid-OP ist damit das Zusammenspiel von zwei verschiedenen medizinischen Disziplinen gemeint.

Konkret macht der Hybrid-OP die Kombination von Herzchirurgie und Kardiologie möglich. Davon sollen künftig ältere Menschen mit Herzproblemen profitieren, denn Operationen am offenen Herzen gelten bei Peatienten ab 75 Jahren als hoch riskant. Eine der häufigsten altersbedingen Herzkrankheiten, die Schwächung der Herzklappen, ist aber auch minimal-invasiv – also ohne Eingriff am offenen Herzen – behandelbar.

So können inzwischen künstliche Herzklappen mit einem in der Leiste eingeführten Katheder zum Ziel gebracht werden. Für den Zugang zum Herzen, um die neuen Klappen zu verankern, ist dann nur noch ein kleiner Schnitt an der linken Seite des Brustkorbs notwendig. Dafür aber braucht es die Zusammenarbeit des Kardiologen, der den Katheder setzt, und des Herzchirurgen. Im Hybrid-OP sei dies nun möglich, sagen die Hersteller. Damit werde die Herzklappen-OP billiger und könne mehr Menschen zugute kommen.

Krankenhäuser schrecken vor größeren Investitionen zurück

Damit aber neue OP-Verfahren und medizinischen Geräte ihre Effizienz unter Beweis stellen können, müssen sie zunächst von den Krankenhäusern gekauft werden – in Zeiten klammer Kassen im Gesundheitswesen schrecken aber viele Kliniken ebenso wie Arztpraxen vor größeren Investitionen zurück.

Die Medizintechnik-Branchenverbände Spectaris und ZVEI warnen vor diesem Hintergrund bereits vor einer «einseitigen Kostendebatte» und beklagen fehlende Investitionen. Auf rund eine Milliarde Euro jährlich beziffert eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie das Einsparpotenzial durch den konsequenten Einsatz neuer Technik und besserer Organisation in Arztpraxen und Krankenhäusern.

«Gerade in unserem Heimatmarkt werden innovative Produkte noch viel zu wenig genutzt», stellt der Leiter des ZVEI-Kompetenzzentrums Gesundheitstechnik, Hans-Peter Bursig, fest. Doch werde nicht zuletzt die demografische Entwicklung hin zu einem wachsenden Bevölkerungsanteil älterer und alter Menschen die medizintechnischen Anforderungen im Gesundheitswesen künftig weiter erhöhen.

mei/dapd / Foto: Brykmantra/cc

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