Ausgechattet: Online-Dino AOL verkauft Instant-Messaging-Dienst ICQ nach Russland

AOl ICQ RusslandDer amerikanische Internet-Pionier AOL hat den Chat-Dienst ICQ nachRussland verkauft. Für knapp 188 Millionen Dollar schlug Digital SkyTechnologies (DST) zu, nach eigenen Angaben die größte Internet- Firma inOsteuropa. ICQ habe ein gutes neues Zuhause gefunden, sagte AOL-Chef TimArmstrong am Mittwoch in New York. DST ist unter anderem am Online-NetzwerkFacebook beteiligt. Für die Nutzer soll sich erstmal nichts ändern. ICQ hatseine Wurzeln 1996 in Israel, ist mittlerweile aber in 16 Sprachen verfügbar.Mehr als 32 Millionen Menschen chatten monatlich über den Dienst. NebenRussland, der Tschechei und Israel ist Deutschland einer der größten Märkte.

AOL befindet sich nach der Loslösung von Time Warner im Umbruch.Die harten Einschnitte zahlen sich langsam aus. Nach einem Minigewinn am Endedes vergangenen Jahres verdiente der Internet-Pionier im ersten Quartal untermStrich wieder 35 Millionen Dollar. „AOL macht Fortschritte“, sagte KonzernchefArmstrong. Dem Unternehmen kommt auch der angesprungene Werbemarkt zugute.

AOL ist erst seit Mitte Dezember wieder eigenständig. Im ersten Quartal 2009- noch beim damaligen Mutterkonzern – hatte das Unternehmen 83 Millionen Dollarverdient. Doch in der Wirtschaftskrise brachen die Anzeigen weg und flüchtetendie Nutzer. Der Umsatz sank um 23 Prozent auf 664 Millionen Dollar. AOL begegnetdem rückläufigen Geschäft mit Einsparungen. Die Kosten gingen bereits deutlichzurück. Im November hatte AOL angekündigt, rund 2500 Stellen und damit einDrittel aller Arbeitsplätze zu streichen. Aus Deutschland hat sich dasUnternehmen ganz zurückgezogen.

Das teuer eingekaufte soziale Netzwerk Bebo steht auf der Kippe. AOL prüfederzeit die Möglichkeiten, hieß es, inklusive eines Verkaufs oder einerSchließung. AOL hatte die Website vor zwei Jahren für 850 Millionen Dollarübernommen. Bebo hat inzwischen aber Millionen Mitglieder an Konkurrenten wieMySpace oder Facebook verloren.

Die vor 25 Jahren gegründete AOL hatte sich auf dem Höhepunkt derInternet-Euphorie mit dem Medienkonzern Time Warner zusammengeschlossen. Als diesogenannte Dotcom-Blase platzte, geriet die 100 Milliarden Dollar schwere Ehe ineine Krise. AOL wurde zu einer Randsparte des Konzerns degradiert. Letztlichentschied sich Time Warner für die Scheidung.

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