Kinderporno-Dilemma: Selbst Löschung von Kinderpornos im Internet ist unwirksam, so Experten

X Das Löschen von Kinderporno-Seiten bringt ebenso wie das Sperren aus Sicht des Medienrechtlers Thomas Hoeren nichts im Kampf gegen Pädophilie im Internet. «Wir haben es mit einer hoch kriminalisierten Szene zu tun.

Ist eine Seite gesperrt oder gelöscht, gibt es woanders schon ein neues Angebot», sagte der Leiter des Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Universität Münster in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Ein effektiverer Weg, «der Szene das Agieren zumindest etwas schwerer zu machen», sei die Sperrung der Kreditkarten.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte am Dienstag bekräftigt, weiter das Löschen von Kinderporno- Seiten im Internet anzustreben – anders als die EU-Kommission, die das Sperren fordert.

Diese Diskussion sei eine Scheindebatte, sagte Professor Hoeren, der Mitherausgeber der Zeitschrift «Multimedia und Recht» sowie Richter am Oberlandesgericht Düsseldorf ist. «Die Anbieter von Kinderpornografie im Internet handeln heutzutage mit versteckten Passwörtern oder mit Links zu speziellen Servern, die Außenstehende kaum nachverfolgen können. Wer die kaufen will, um Zugang zu bekommen, braucht nur seine Kreditkarten-Daten anzugeben.»

Zur Sperrung von strafrechtlich relevanten Internetseiten oder auch der sogenannten IP-Adresse eines Computers sagte Hoeren: «Das bringt nichts. Es gibt leider sehr einfache Wege, dennoch Zugriff auf die gesperrten Inhalte zu bekommen. So schnell sich die Gesetze oder politischen Vorstöße ändern, so schnell ändert auch die Szene ihr Vorgehen.»

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