[Feature] Manager-Gehälter bei DAX-Konzernen steigen an – Krise zum Trotz. Spitzenreiter Ackermann

Der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat sich nach einjähriger Pause wieder als Spitzenverdiener unter den Vorstandsvorsitzenden der 30 DAX-Unternehmen zurückgemeldet. Im vergangenen Jahr erhielt der Manager Direktvergütungen in Höhe von rund 9,4 Millionen Euro, während seine Bezüge 2008 noch bei 1,15 Millionen Euro lagen. Dies geht aus einer am Dienstag im Frankfurt am Main veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Towers Watson hervor.

Auf den Plätzen dahinter rangieren Jürgen Großmann vom Energiekonzern RWE und Peter Löscher von Siemens mit Bezügen von etwas mehr als sieben Millionen Euro. An letzter Stelle liegt der Vorstandsvorsitzende der teilverstaatlichten Commerzbank, Martin Blessing, mit Direktbezügen von 500 000 Euro. Die durchschnittliche Vergütung der Vorstandschefs habe 2009 bei rund 4,1 Millionen Euro gelegen.

Der Grund für Ackermanns Spitzenverdienst innerhalb der Krise ist auch Ausdruck des Geschäftserfolgs der Deutschen Bank, die ihr Ergebnis pro Aktie im Vergleich zum Jahr 2008 um mehr als 15 Euro steigern konnte. Den Daten zufolge erhielt der Bankmanager allein etwa 6,7 Millionen Euro für die Erreichung langfristiger Erfolgsziele. Im Geschäftsjahr 2008 hatte der Konzern noch entsprechende Vorgaben verpasst, womit gleichzeitig die Vorstandsbezüge nach unten gingen. «Der Anteil dieser Longterm Incentives an der Gesamtvergütung ist bei den DAX-Unternehmen im vergangenen Jahr gestiegen», betont Towers Watson-Experte Michael Kramarsch. Die Form der langfristigen variablen Vergütung habe 2009 insgesamt 22 Prozent der Gesamtvergütung ausgemacht. 2008 betrug dieser Anteil noch 19 Prozent.

Generell sei zu erkennen, dass die Vergütungsstrukturen derzeit «massiv umgebaut» werden, verweist der Leiter des Bereichs Executive Compensation Deutschland, Joachim Kayser, auf die geänderten Vergütungsstrukturen. Wegen der Krise hätten Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden die Anforderung für Vorstandsvergütungen verschärft. «Die deutschen Vorgaben orientieren sich besonders an der Überprüfung der Angemessenheit sowie am nachhaltigen und langfristigen Erfolg der Unternehmen», fügt Kramarsch hinzu. Beispielsweise seien sogenannte Jahreserfolgsvergütungen für die Konzernchefs, die bereits 2008 ganzjährig im Amt waren, um neun Prozent gesunken.

Im Schnitt erhielten im Geschäftsjahr 2009 die Vorstandsmitglieder der DAX-Unternehmen laut Towers Watson aber höhere Direktbezüge. Die Vergütung ohne Altersversorgung sei um zehn Prozent auf etwa 3,64 Millionen Euro gestiegen, weisen die Zahlen aus. Dies Entwicklung der Vorstandsbezüge befinde sich allerdings «noch immer deutlich unter den europäischen Vergleichswerten», betont Kramarsch. Bei dem im Euro Stoxx 50 gelisteten Konzernen liege die durchschnittliche Vergütung bei 5,33 Millionen Euro.

«Die Welt» (Dienstagausgabe) berichtete ferner unter Berufung auf eine Auswertung der Geschäftsberichte von 29 der 30 DAX-Konzerne, dass die durchschnittliche Pro-Kopf-Vergütung aller Vorstandsmitglieder von 2,305 Millionen im Jahr 2008 auf 2,288 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken sei. 2007 seien es noch 2,805 Millionen Euro gewesen.

Das «Handelsblatt» konstatiert in seiner Onlineausgabe: «Wer denkt, dass die Bezüge im Krisenjahr spürbar gesunken sind, irrt». Die Spitzenverdiener hätten das Jahr ohne größere finanzielle Schäden überstanden, wenngleich es Topmanager gegeben habe, die wegen schlechter Unternehmenszahlen etwa auf Boni verzichten mussten.

tf/mei/ddp

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