Dell findet China zu unsicher

Anlässlich des Google-Teilrückzugs aus China kommen weitere Probleme mit der grössten Diktatur dieses Planeten ans Tageslicht. So berichtet aktuell die Hindustan Times, dass der Indische Premier Minister Manmohan Singh über ein Treffen mit dem Dell CEO folgendes berichtet: „Heute morgen traf ich den Chairman der Dell Corporation. Er informierte mich darüber, dass sein Unternehmen gegenwärtig Ausrüstung und Bauteile im Wert von 25 Milliarden US-Dollar von China bezieht. Dell wolle aber in eine sicherere Umgebung wechseln, mit einem wirtschaftsfreundlicheren Klima und grösserer Rechtssicherheit“.

Das ist nämlich die eigentliche Bedeutung des Google-Rückzugs. Sichtbar für alle ausländischen Investoren hat der Suchmaschinenriese damit demonstriert, dass die Selbstherrlichkeit und Unnachgiebigkeit der Zentralbürokratie in Bejing ein ernsthaftes Wirtschaftshindernis darstellt. Der anhaltende kalte Krieg Chinas gegen Google könnte der Anfang vom Ende für das chinesische Wirtschaftswunder sein.

Eine interessante Parallele aus der chinesischen Geschichte lehrt uns, dass im Jahr 1434 durch introvertierte Dekrete aus der Zentralbürokratie die vom damaligen Admiral Zheng He ausgebaute Flotte aufgegeben wurde, und damit die maritime Vorherrschaft über den indischen Ozean. In dieses Machtvakuum stiessen im selben Jahr die Europäer, was den Niedergang der chinesischen Stärke bedeutete. Auch heute ist die Stärke Chinas zugleich seine Schwäche.

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Update: Dell reagierte auf unsere Meldung mit folgenden Anmerkungen.

Michael Dell diskutierte tatsächlich mit Premier Singh über die Zukunft Indiens als Produktionsland für Computerhardware. Mr. Dell äusserte bei diesem Gespräch die Ansicht, Indien könne, die richtige Entwicklung vorausgesetzt, ebenfalls zu einem wichtigen Produktionsstandort werden, und verwies auf das Umsatzvolumen von 25 Milliarden US-Dollar mit chinesischen Lieferanten. Allerdings könne man heute nicht absehen, wo Dell in weiterer Zukunft Hardware beziehen werde, auch bestünden derzeit keine Pläne, das Einkaufsverhalten zu verändern.

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