[Update] Zoff in China spitzt sich zu: Google leitet chinesische Google-Seite nun nach Hongkong um

Google china
Der Zoff im Reich der Mitte spitzt sich für den kalifornischen Web-Riesen Google immer weiter zu: Der Internet-Konzern aus dem Silicon Valley leitet die chinesische Google-Seite jetzt nach Hongkong um. Dies bedeutet, dass der chinesische Suchmaschinen-Dienst von Google derzeit automatisch auf google.com.hk umgeleitet wird. Sprich die Suchanfragen werden auf die Google-Seite für Hongkong weitergereicht – im Gegensatz zur Hauptseite google.cn werden dort in Such-Ergebnissen politisch heikle Treffer nicht herausgefiltert.

Schon seit mehreren Tagen halten sich Spekulationen und Gerüchte, dass Google die offizielle chinesische Internet-Site unter der Domain google.cn bis Anfang April 2010 komplett aus dem Netz nehmen wird.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, will sich Google allerdings nicht komplett aus dem Geschäft in China zurückziehen. Andere Dienste sollen demzufolge weiter betrieben werden.

Die chinesische Regierung reagierte empört auf dieEntscheidung und sprach von „unerhörten Anschuldigungen wie auch Verhalten“.

Google habe „seine schriftlich gegebenen Zusagen“ nicht eingehalten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur am Dienstagmorgen (Ortszeit) einen für das Internet zuständigen Behördenvertreter. „Das ist vollkommen falsch“, fügte der namentlich nicht genannte Sprecher hinzu.

RÜCKZUG IN KAUF NEHMEN

Der US-Konzern hatte im Januar nach einem breit angelegten Hacker-Angriff angekündigt, Pekings Zensur-Anforderungen nicht mehr befolgen zu wollen und notfalls auch einen Rückzug aus China in Kauf zu nehmen.

Die kommunistischen Regierung verlangt von westlichen Internet- Unternehmen, dass sie zum Beispiel Informationen über Tibet oder die blutige Niederschlagung der Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 herausfiltern. Die chinesische Regierung hatte unmissverständlich gewarnt, dass Google mit Konsequenzen rechnen müsse, falls der Konzern auf die vorgeschriebene Zensur verzichtet.

KEIN FREIER INTERNET-ZUGANG

In der Volksrepublik China gibt es bis auf die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao keinen freien Zugang zum Internet. Google betrachte die Umleitung in die ehemalige britische Kolonie als völlig legale Lösung, betonte Chefjustiziar David Drummond in einem Blog-Eintrag am Montag. Google hoffe, dass Chinas Regierung den Schritt respektieren werde. „Obwohl wir uns bewusst sind, dass sie den Zugang zu unseren Diensten jederzeit blockieren kann“, schrieb Drummond.

Google hatte seine Haltung zu der von Peking verordneten Zensur nach dem Hackerangriff auf seinen Email-Dienst GMail Ende vergangenen Jahres überdacht. Die Attacke sei nach China zurückverfolgt worden, hatte es geheißen. Das Unternehmen beharrt nun auf seinem neuen Kurs, weltweit entschiedener gegen Zensur vorgehen zu wollen. China hatte Google zuletzt vorgeworfen, den Streit zu politisieren.

LUKRATIVER MARKT

Der chinesische Internet-Markt gilt als äußerst lukrativ und zukunftsträchtig. Google, mit Abstand der weltweite Marktführer bei Suchmaschinen und Internet-Werbung, hat in ihm jedoch einen schweren Stand. Das Unternehmen startete in China relativ spät und liegt deutlich hinter dem chinesischen Konkurrenten Baidu.com zurück.

Google wolle andere Aktivitäten in China wie sein Forschungszentrum weiterbetreiben, schrieb Drummond. Schon in den vergangenen Wochen waren aus dem Unternehmen jedoch Zweifel laut geworden, ob die chinesischen Behörden das zulassen werden.

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