[business] Feature: Juristisches Nachspiel des IKB-Desaster

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Justiz will IKB-Desaster klären – Ex-Vorstandssprecher der Bank steht ab Dienstag vor dem Landgericht Düsseldorf –Von ddp-Korrespondent Frank Bretschneider–=

Düsseldorf (ddp). Die Beinahe-Pleite der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB vor zweieinhalb Jahren hat jetzt ein juristisches Nachspiel. Der frühere Vorstandssprecher Stefan Ortseifen muss sich ab Dienstag (16. März, 10.00 Uhr) vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 59-Jährigen Börsenmanipulation und Untreue vor.

Die IKB war im Sommer 2007 die erste deutsche Bank, die in den Sog der schon damals aufkeimenden US-Immobilienkrise geraten war. Im Zentrum der Anklage steht eine Pressemitteilung der Bank vom 20. Juli 2007. Darin hatte der Vorstand dargelegt, das die Bank keine Probleme mit ihren Anlagen auf dem US-Hypothekenmarkt habe. Die so beruhigten Anleger investierten daraufhin wieder in Aktien der Bank.

Doch schon eine Woche später gab es ein böses Erwachen, denn das Gegenteil war der Fall. Die IKB stand wegen eben dieser Anlagen kurz vor der Insolvenz. Der Kurs ihrer Aktie rutschte in den Keller – zum schweren Nachsehen der Anleger und Investoren. Nur mit einem rund zehn Milliarden Euro schweren Darlehen ihrer damaligen Hauptaktionärin, der staatlichen Förderbank KfW, sowie des Bundes und privater Banken konnte ein Kollaps der IKB vehindert werden.

Ortseifen warf nach dem Desaster Ende Juli 2007 das Handtuch. Ein Jahr später, im August 2008, übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die ehemals solide Mittelstandsbank – für nur rund 100 Millionen Euro. Doch damit waren die milliardenschweren Stützungen nicht vorbei. Ende 2008 griff der Bankenrettungsfonds SoFFin der IKB mit Garantien in Höhe von fünf Milliarden Euro erstmals unter die Arme. Im August 2009 wurden die Staatsgarantien um weitere sieben Milliarden Euro auf insgesamt zwölf Milliarden Euro angehoben.

Der zweite Anklagepunkt, dem sich Ortseifen vor Gericht stellen muss, betrifft den Vorwurf der Untreue. Der Manager soll laut Staatsanwaltschaft unter anderem den Ausbau seiner Dienstvilla der IKB in Rechnung gestellt haben. Auf diese Weise soll der Bank ein Schaden von rund 120 000 Euro entstanden sein. Insgesamt drohen Ortseifen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess gegen ihn wird von der Richterin Brigitte Koppenhöfer geführt, die bereits das Mannesmann-Verfahren geleitet hat.

Für die IKB scheint ist die Krise unterdessen noch nicht ausgestanden. Zwar konnten die Staatsgarantien jüngst auf zehn Milliarden Euro gesenkt werden, weil sich die Kundeneinlagen verbessert haben. Doch befindet sich das Kreditinstitut immer noch tief in den roten Zahlen. Mindestens bis 2011 geht der Vorstand noch von Belastungen aus den Folgen der US-Immobilienkrise aus.

Mit der Aufarbeitung der IKB-Krise ist im Rahmen einer Sonderprüfung seit 2009 auch ein externer Gutachter beschäftigt. Er soll untersuchen, ob Vorstand und Aufsichtsrat durch Pflichtverletzungen zu dem Desaster beitrugen. Neu-Eigentümer Lone Star hatte den Gutachter zwar zunächst abgesetzt. Doch konnten IKB-Kleinaktionäre dessen Wiedereinsetzung mit einer Klage vor dem Düsseldorfer Landgericht erzwingen. Ein Eilantrag der IKB gegen die Sonderprüfung war vom Gericht im Februar zurückgewiesen worden.

ddp/fbr/muc

tf/mei/ddp

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