[Feature] IT-Sicherheit: Smartphones sind lohnenswerte Ziele für Cyber-Kriminelle

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Aktuelle Smartphones bieten einen ähnlichen Funktionsumfang wie kleine Computer. «Sie besitzen eine Rechenkapazität, wie sie vor 20 Jahren kein Desktopcomputer hatte», sagt der Wirtschaftsinformatiker Key Pousttchi von der Universität Magdeburg. Damit müssten Nutzer in puncto Sicherheit aber auch dieselben Maßstäbe anlegen wie bei ihrem PC oder Notebook.

Anfang Februar richtete Pousttchi unter dem Namen «Mobile Communcations» (MCTA 2010) eine Konferenz über potenzielle Zugangsmöglichkeiten durch Kriminelle aus. Seiner Ansicht nach können zwei Faktoren die Sicherheit der mobilen Geräte beeinträchtigen: die Technik und die Nutzer selbst.

Ein Schwachpunkt sind beispielsweise die Bluetooth-Headsets, wie man sie zum Telefonieren im Auto nutzt. «Viele Headsets haben werkseitig dieselbe PIN, die man nicht verändern kann», sagt Pousttchi. Angreifer könnten mit einer ganz einfachen Ausrüstung dem Headset vorgaukeln, sie seien das Handy und es als Mikrofon nutzen. Damit seien potenziell alle Gespräche in der Nähe eines Headsets abhörbar. «Bluetoothfunktionen sollte man deshalb nur nutzen, wenn man sie braucht», rät der Experte. Ansonsten sollte man Bluetooth im Menü des Handys unbedingt auf «nicht sichtbar» schalten.

Abhören über das Handy kann man seinen Nutzer nur, wenn das Gerät eingeschaltet ist. «Wenn es aus ist, ist es aus, und es kann einen auch keiner mehr orten», sagt Pousttchi. «Manche Geräte haben die Funktion, sich zu einer bestimmten Uhrzeit abzuschalten. Das sollte man nutzen.»

Analog zum herkömmlichen Computer werden Viren und Trojaner eine immer größere Gefahr für das mobile Endgerät, wenn man mit ihm unterwegs ins Internet geht. Deswegen sollte der Nutzer auf der Homepage des Herstellers regelmäßig das Betriebssystem auf den neuesten Stand bringen – üblicherweise indem er das Handy mit dem USB-Kabel an den PC anschließt und die Daten lädt.

«Außerdem sollte man einen Virenscanner auf dem Handy haben», rät Key Pousttchi. Bisher sei das eher die Ausnahme als die Regel. Für den Experten ist das nicht ganz unverständlich: «Schließlich sind die Geräte nicht besonders schnell, es können nicht viele Anwendungen parallel laufen und der ständige Virencheck geht auf die Nerven. Wenn man keine Datenflatrate hat, kann das regelmäßige Online-Update auch ins Geld gehen.» Dennoch: Je ähnlicher das Telefon dem PC werde, je genauer müsse man auf die Sicherheit achten.

Die Nutzer selbst stellen nach Ansicht des Experten aber noch immer die größte Schwachstelle für die Sicherheit des Handys dar. Man sollte aufpassen, welche Informationen man öffentlich in Gesprächen preisgibt. Mehr als einmal habe er in der Bahn vertrauliche Informationen etwa über geplante Entlassungen mitgehört, sagt der Informatiker.

«Dass ein eingeschaltetes Handy irgendwo liegenbleibt, passiert viel öfter als ein krimineller Angriff», warnt er. Aus diesem Grund sollte man auch niemals Passwörter im Handy speichern. «Besser ist es, sich einen prägnanten Satz zu merken, der große und kleine Buchstaben sowie Sonderzeichen enthält. Aus den ersten Buchstaben setzt man das Passwort zusammen, das dann nicht zu erraten ist und das man nirgends abspeichern muss.»

Mobile Sicherheit im Überblick

Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass in Deutschland spätestens in drei Jahren mehr Smartphones als PCs verkauft werden. Für das laufende Jahr rechnen die Experten des Verbandes bei Smartphones mit einem Absatzplus von 47 Prozent auf 8,2 Millionen Geräte.

Mit einfacher, zum Teil frei verfügbarer Software, können selbst technisch Unbedarfte auf Smartphones zugreifen und die gespeicherten Daten ausspionieren. Sogenannte Spy-Software bieten Onlineshops bereits für unter 100 Euro an. Damit können SMS und E-Mails gelesen und der Standort eines mobilen Endgerätes geortet werden.

Antivirensoftware für Mobiltelefone gibt es zum Teil kostenlos zum Download, beispielsweise das weit verbreitete antivir in einer Version für Handys (avira.com).

tf/mei/ddp
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