ZDF-Intendant Markus Schächter empört über Äußerungen von Brender

nikolaus brender zdf

ZDF-Intendant Markus Schächter hat die Äußerungen des scheidenden Chefredakteurs Nikolaus Brender über die Einflussnahme der Politik auf den Sender scharf kritisiert. Schächter wies Brenders Darstellung am Montag als «in der Sache falsch und in der Form maßlos und inakzeptabel» zurück.

Brender hatte in einem «Spiegel»-Interview unter anderem gesagt, es gebe im Sender ein internes «Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen». Er sprach von «Inoffiziellen Mitarbeitern» der Parteien, «wirklich vergleichbar mit den IM der DDR».

Schächter sagte, Brender dürfe aus seiner Enttäuschung über die Ablehnung seiner Vertragsverlängerung im ZDF-Verwaltungsrat nicht die eigenen Redaktionskollegen in dieser Weise ohrfeigen und ihre Arbeit mit solchen Verdächtigungen belasten. «Die ZDF-Redaktionen sind unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Einflüsterungen», sagte er. Wer etwas anderes behaupte, müsse dies belegen und, wenn er wie Brender in den vergangenen zehn Jahren in der Verantwortung stehe, abstellen.

«Man kann nicht gegen Diffamierungen zu Felde ziehen, indem man seine eigenen Mitstreiter diffamiert», kritisierte Schächter. Er bedaure sehr, dass sich sein Geschäftsleitungskollege wenige Wochen vor seinem Abschied in dieser Weise ins Abseits stelle, indem er seine langjährigen Kollegen vor den Kopf stoße.

ZDF-Fernsehratsmitglied Hugo Diederich hatte bereits am Wochenende kritisiert, die Äußerung lasse jedes Geschichtsbewusstsein vermissen. «Es ist unverantwortlich, dass Herr Brender als ZDF-Führungskraft seine Redakteure mit der Geheimpolizei der SED-Diktatur vergleicht», sagte Diederich, der stellvertretender Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus ist.

Ende November hatte sich die Unions-Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat durchgesetzt, Brenders Vertrag nicht zu verlängern. Der Vertrag von Brender, der seit April 2000 im Amt ist, endet Ende März. Sein Nachfolger wird der Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, Peter Frey.

tf/mei/ddp
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