Google Loon: Mobiles Internet via Heissluftballon in Kenia

Google Loon: Mobiles Internet über Heissluftballon in Kenia

Die Google-Schwesterfirma Loon will entlegene Gebiete mithilfe von solarbetriebenen Gasballons mit Internetzugang versorgen. Zunächst soll damit in Bergregionen in Kenia Breitband-Internet über LTE bereitgestellt werden.

Um schwer erreichbare und wenig erschlossene Gebiete mit Internetzugang versorgen zu können, hat das Google-Projekt «Loon» Internet-Ballons entwickelt, die die notwendige Technik als schwebende Mobilfunkstationen über die Luft bereitstellen. In Afrika wird nun ein erster kommerzieller Testlauf mit Loon-Ballons gestartet, wie amerikanische und britische Medien berichten.

Die mit Helium gefüllten Ballons sollen ein Breitband-Netz errichten, über das Nutzer in kenianischen Bergdörfern ins Internet gelangen können – die Daten werden per LTE-Mobilfunk (4G) übertragen. Angeboten werde das mobile Internet in den nächsten Wochen von Telkom Kenya, dem drittgrössten Telekommunikationsanbieter des Landes. Die kenianische Luftfahrtbehörde wolle in diesem Monat die Zulassung erteilen.

google Loon Kenia heissluftballon

Netzwerk über den Wolken: Google Loon Kenia

Bislang sind die Internet-Ballons lediglich in nichtkommerziellen Projekten zu Praxiseinsätzen gekommen, etwa um in Katastrophengebieten wie 2017 in Peru durch Hochwasser zerstörte Mobilfunkmasten zur Verbesserung der Netzstabilität zu ersetzen. Auch im von Hurrikans zerstörten Puerto Rico sind vor knapp zwei Jahren 30 Goole Loon Ballons in die Luft befördert worden.

Die Ballons sind zwölf auf 15 Meter gross und haben neben der Mobilfunktechnik auch Solarzellen für die notwendige Stromversorgung an Bord. Sie können miteinander kommunizieren und bauen in einer Höhe von 20 Kilometern über der Erde autonom ein Netzwerk auf. In dieser Höhe, im Bereich der Stratosphäre, wird der Flugverkehr nicht gestört und kommt es kaum zu Wettereinflüssen.

Google Loon ist Spin-off der „Abteilung X“

Ein Google-Algorithmus sorgt dafür, dass sich die Heliumballons selbsttätig auf- und ab bewegen können, um ihre Position zu justieren. Über ein Kontrollzentrum kann jeder Ballon zu einer bestimmten Position dirigiert werden – dazu wird die Schwebehöhe so eingestellt, dass die Windrichtung der Luftschicht passend ist. Die Ballons haben nach Angaben des Herstellers eine durchschnittliche Lebensdauer von 100 Tagen.

Hervorgegangen ist Loon aus einem Projekt, das die Forschungsabteilung «X» des Google-Mutterkonzerns Alphabet startete und 2013 mit ersten Ballons über Neuseeland testete. Im Sommer vergangenen Jahres wurde Loon als eigenständiges Unternehmen ausgelagert.

Netzbetreiber abwartend wg. Google Loon

Die Ausgründung wurde früheren X-Spin-offs entsprechend als Schritt in Richtung von einer Markteinführung und Kommerzialisierung gedeutet. Auf anderen Kontinenten aber geben sich Netzbetreiber den Medienberichten zufolge noch zurückhaltend und wollen zunächst den kommerziellen Einsatz in Kenia abwarten, bevor sie eine Installation von Loon-Ballons eventuell in Betracht ziehen würden.

Die Alphabet-Forschungsabteilung Google Loon hatte zur Internetanbindung entlegener Gebiete zunächst auch mit Solardrohnen experimentiert. Große Flugzeuge mit Spannweiten von 50 Metern sollten mit Solarzellen ausgestattet über längere Zeiträume in großer Höhe segeln können. Die Entwicklung wurde jedoch 2017 eingestellt.

Facebook testet andere Technologien

Auch Facebook hat bereits an autonomen Solar-Flugzeugen getüftelt, um das Internet in abgelegene Gebiete zu bringen. Das Tech-Unternehmen wollte selbstfliegende Ultraleicht-Flugzeuge bauen, die wochenlang in der Höhe kreisen können. Das sogenannte Projekt «Aquila» brachte 2016 die erste Drohne in die Luft wurde jedoch zwei Jahre später wieder beendet.

Der Social-Network-Riese kündigte jedoch an, mit Partnern wie Airbus die Möglichkeiten der Konnektivität von «High Altitude Platform Stations» (HAPS) weiter ausbauen zu wollen.

Fotos: Google Loon

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