Streaming | Fernsehen auf Abruf: Die Erfolgsstory von Netflix

6. März 2015 | by Torsten Könekamp

Fernsehen auf Abruf - Report:  Die Erfolgsstory von Netflix

Der beliebte Schauspieler Kevin Spacey, der gerade in Deutschland die Goldene Kamera gewonnen hat, fasste die Zukunft des Fernsehens einmal in zwei Sätze zusammen: „Gebt den Leuten, was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, in der sie es wollen, und das zu einem vernünftigen Preis. Dann werden sie es lieber kaufen wollen, als es zu stehlen.“ Spacey weiß, wovon er spricht, immerhin ist er der Produzent und Hauptdarsteller der preisgekrönten Politserie „House of Cards“. Diese lief zunächst exklusiv beim Onlinedienst Netflix, der den amerikanischen Fernsehmarkt revolutionierte. Demnächst startet auch in Deutschland die dritte Staffel der Kultserie.

Der Streaming-Anbieter Netflix ist eine Internet-Videothek, in der Kunden zu einem festen Monatspreis Zugriff auf Serie und Filme haben (allein ungefähr 75.000 Titel in den USA) – und diese anschauen können, wann und wo sie wollen. Der Dienst macht die Videothek überflüssig, streamt alles übers Internet auf den Fernseher oder andere mobile Geräte. Zusätzlich gibt’s spannende, innovative Eigenproduktionen wie z.B. „Orange is the New Black“, „Fargo”, Better Call Saul“ und demnächst die Serie „Bloodline“.

Fernsehen auf Abruf - Report:  Die Erfolgsstory von Netflix

Erfolgsstory Die Expansion nach Deutschland und andere europäische Länder zahlt sich für die US-Onlinevideothek Netflix aus. Wie erfolgreich das Streaming-Portal arbeitet, zeigen aktuelle Zahlen. Dank eines kräftigen Zuwachses im internationalen Business stieg der Nettogewinn im vierten Quartal 2014 um 72 Prozent auf 83,4 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Dollar zu. Im Schlussquartal 2014 gewann der Streaming-Service 2,43 Millionen neue Kunden außerhalb der USA und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Börsianer. Mit weiteren 1,9 Millionen neuen Nutzern im amerikanischen Heimatmarkt kam Netflix zuletzt insgesamt auf über 57,4 Millionen Kunden – Tendenz steigend.

Damit rüttelt Netflix am Geschäftsmodell der Kabel- und Bezahlfernsehbranche. Der Dienst konkurriert hierzulande u.a. mit der ProSiebenSat.1-Tochter Maxdome, dem Dienst Watchever des französischen Medienriesen Vivendi und dem Amazon-Online-Streamingangebot Prime Instant Video. Wie beliebt der Videodienst allein in den USA ist, zeigt eine erstaunliche Zahl: Zu Spitzenzeiten ist Netflix allein für ein Drittel des gesamten Internet-Datenverkehrs verantwortlich. Und immer mehr Zuschauer gehen mit ihren internetfähigen Fernsehern online. 72 Prozent nutzen regelmäßig die Mediatheken der Sender. Fast zwei Drittel schauen Youtube-Videos auf dem Fernseher und jeder zweite guckt Filme aus kostenpflichtigen Online-Videotheken. Der Clou: Das klappt nicht nur mit Smart-TVs, sondern auch mit Computern, Spielekonsolen, Tablets und Smartphones. Und dank Chromcast von Google, Fire TV von Amazon oder Apple TV kann man auch ältere Fernseher zum Smart-TV aufrüsten.

Fernsehen auf Abruf - Report:  Die Erfolgsstory von Netflix

Neue Top-Serien bei Netflix

Weltweit bekanntgeworden ist Netflix mit selbst produzierten Serien wie dem Gefängnisdrama „Orange is the New Black“ oder „House of Cards“, in der Schauspieler Kevin Spacey die Rolle eines skrupellosen Machtpolitikers in Washington spielt.

Was man sich unbedingt anschauen muss:„Better Call Saul“: Der schmierige Anwalt aus der amerikanischen Serie „Breaking Bad“ ist Kult und hat viele Fans. Deswegen hat die Nebenfigur Saul Goodman jetzt eine eigene Show bekommen. Hauptdarsteller Bob Odenkirk (51) wurde auf der Berlinale gefeiert.

Better Call Saul„, Spin-off der Überserie „Breaking Bad“, widmet sich der Vorgeschichte des Anwalts Saul Goodman, hier noch unter dem Namen Jimmy McGill tätig. „Es ist wie ein verrückter Traum“, erklärte der Schauspieler Bob Odenkirk – „und ich mag diese Figur!“. Ermimt den verschrobenen Anwalt wunderbar und genial wie eh und je und wickelt den Zuschauer mit seinen zwielichtigen Methoden ebenso schnell um den Finger wie im Original.

Im Interview erklärte Bob Odenkirk auf die Frage: Wieviel der Kultserie „Breaking Bad“ steckt nun in „Better call Saul“?: Sehr wenig. Mit Vince Gilligan und Peter Gould haben zwar die gleichen Autoren geschrieben. Und die beiden sind wirklich sehr gut darin, eine bestimmte Tonart anzuschlagen und Spannung zu erzeugen. Aber während „Breaking Bad“ von einem krebskranken Vater handelt, der sehr schnell sehr viel Geld für seine Familie verdienen muss, geht es diesmal um eine Person und ihre Ziele, vor allem um seinen Wunsch, die Anerkennung seines Bruders zu gewinnen.“

Die Serie „Better Call Saul“ beginnt mit einem in Schwarz-weiß gedrehten Blick in die Gegenwart von Saul Goodman Die Handlung spielt sechs Jahre vor „Breaking Bad“. Saul Goodman heißt zu diesem Zeitpunkt noch James „Jimmy“ McGill, doch optisch sieht er seinem späteren Ich bereits zum Verwechseln ähnlich: Das Haarteil sitzt wie immer schlecht über der Halbglatze, der Anzug ist zwei Nummern zu groß, die Krawatte hängt schlaff herunter wie eine Fahne, die schon lange keinen Wind mehr gesehen hat: Ein Loser, der eine verbeulte Schrottkarre fährt und potenzielle Mandanten im Diner trifft, weil sein Büro angeblich gestrichen wird – in Wahrheit liegt das im Heizraum eines Nagelstudios hinter wummernden Waschmaschinen. Seine Nummer verteilt er auf Streichholzschachteln statt Visitenkarten. Eine verkrachte Existenz: Er muss vor Gericht Jungs verteidigen, die sich am Kopf einer Leiche vergangen haben. Später versucht er, mit zwei Skatern ein krummes Ding zu drehen und gerät an den Gangster Tuco, der auch in „Breaking Bad“ vorkommt. Mehr sollte man nicht verraten. Die Serie lohnt sich wirklich.

Fernsehen auf Abruf - Report:  Die Erfolgsstory von Netflix

Ausblick:

Und ab dem 20.März kommt die Netflix-Produktion „Bloodline„: Schauplatz ist die idyllische Inselkette Florida Keys vor der Atlantikküste der USA. Hier kommen vier Geschwister zum Familienfest zusammen, der älteste Sohn sorgt für Unruhe innerhalb des Gefüges. Immer wieder erfährt der Zuschauer durch Rück- und Vorausblenden von Schatten der Vergangenheit und Dramen der näheren Zukunft, in der Gegenwart brodelt es in flirrender Hitze unaufhaltsam. Während Berlinale-Besucher bereits die Chance hatten, die erste Episode von „Bloodline“ zu sehen, müssen Netflix-Kunden sich noch bis zum 20. März gedulden, bis sie in den Genuss der neuen Serie kommen. Immerhin gibts schon einen ausführlichen Trailer…..

+ Link: Netflix.de | Fotos: Netflix

Mehr bei TechFieber zum Thema: , ,

Kommentare (3)

  1. […] Wie erfolgreich sich allein das Streaming-Portal Netflix entwickelt, zeigen aktuelle Zahlen. Dank eines Zuwachses im internationalen Business stieg der Nettogewinn im vierten Quartal 2014 um 72 Prozent auf 83,4 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Dollar zu. Netflix gewann zuletzt 2,43 Millionen neue Kunden außerhalb der USA und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Börsianer. Mit weiteren 1,9 Millionen neuen Nutzern in den USA kommt Netflix bereits auf über 57,4 Millionen Kunden – Tendenz steigend. […]

  2. […] Netflix-”Originals” künftig auch aus Germania: Glaubt man Reed Hastings, seines Zeichens Erfinder und Vorstandschef der boomenden Video-Streaming-Plattform Netflix, will sich das Unternehmen aus dem Silicon Valley künftig weiter internationalisieren und verstärkt außerhalb der USA TV-Serien produzieren lassen – darunter auch in Deutschland. […]

  3. […] Experten sagen: Nein. Im Gegenteil – man müsse der neuen Konkurrenz sogar dankbar sein. Die Online-Videothek Netflix hat der TV-Welt sogar eher wertvolle Impulse […]

Antwort schreiben