IFA | MotorBlog Talks: Connected Cars – Auf die „Flinc“e Tour: Navi verkuppelt Pendler

8. September 2013 | by Mathias Rittgerott

IFA | MotorBlog Talks: Connected Cars | Auf die „Flinc“e Tour: Navi verkuppelt Pendler

Nicht noch eine Mitfahrzentrale, möchte man stöhnen. Von A nach B bei freundlichen Menschen mitfahren, ist ein alter Hut. Das Modell funktionier jedoch nicht, will man von C nach B fahren. Das diesen Missstand zu beheben, gründete Benjamin Kirscher eine Firma, nannte sie Flinc und hat damit Erfolg. Das Konzept stellte er auf der „MotorBlog Talks“-Konferenz bei der IFA vor und hatte eine Neuigkeit dabei, die aufhorchen lässt: Navi-Riese Garmin arbeitet mit der 17-Mitarbeiter-Firma zusammen.

Was Flincs macht ist schnell erklärt: Das System sucht nicht nur in A nach Einstiegsmöglichkeiten, sondern auch in C, D, E, F und G. Überspitzt gesagt stöbert es vor zahlreichen Haustüren nach Reisewilligen. Bei der Suche entlang der Strecke hilft neuerdings Garmin: Das Navi informiert den Fahrer, wie weit der Umweg über C wäre, und ermuntert ihn sogar: „Fahr über C und nimm jemand mit!“ Das klappt selbst während der Fahrt. Auch mit BMWs DriveNow macht Flinc gemeinsame Sache. Carsharing meets Mitfahren.

Der Rest funktioniert vordergründig wie bei anderen Online-Fahrgemeinschaften. Über die Homepage – gern als App – wird Kontakt geknüpft, werden Sympathie und Zutrauen in die Fahrkünste eingeschätzt und schließlich die gemeinsame Reise abgesprochen. Diese Art des Verkuppelns berge kein Risiko, sagt Kirscher und spricht von „Vertrauen, das im Netzwerk entsteht“. Schließlich gibt der Mitreisende am Ende der Fahrt ein schlichtes Urteil ab: Würde ich bei diesem Fahrer ein zweites Mal mitfahren? Ja oder Nein?(Der Musikgeschmack des Fahrers mag da einfließen, wird jedoch nicht gesondert bewertet.)

Ein weiterer Clou bei Flinc: Fahrer und Mitfahrer zahlen keinen Cent Vermittlungsgebühr. Lediglich der abgesprochenen Obolus geht in bar von Hand zu Hand. Geld sackt Flinc bei Firmen ein.

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Arbeitgeber unterstützen mittels Flinc Fahrgemeinschaften ihrer pendelnden Beschäftigten. Die Überlegung dabei: Fahren Kollegen gemeinsam, reden sie über die Arbeit und steigern die Produktivität. Networking dank Flinc. Außerdem kann die Zahl der Parkplätze reduziert werden.

Selbst Dienstwagenflotten könnten schrumpfen, sagt Kirscher. Beschäftigte bekommen nur ein Auto, wenn sich keine Mitfahrgelegenheit ergibt. Denkbar sei sogar, Fremde in Firmenwagen mitzunehmen.

Der Preisbildung sind Grenzen gesetzt. Fahrer dürfen generell mit dem Angebot kein Geld verdienen, weil sonst die Mitfahrer den Versicherungsschutz verlieren. Vielen Fahrern sei das Geld egal, weiß Kirscher. „Die wollen einfach Gesellschaft haben.“

Gegen etablierte Mitfahrzentralen will Flinc nicht ankämpfen. „Wir bedienen die Kurzstrecke bis 60 Kilometer“, sagt Kirscher.

Welch Potential Mitfahrangebote haben, macht der Jungunternehmer mit zwei Zahlen klar: Täglich werden in Deutschland 160 Millionen Autofahrten unternommen, wobei zumeist drei Sitzplätze unbesetzt bleiben. Macht überschlagen 500.000.000 freie Sitze am Tag.

+ Link: flinc.org | Photos: Eric Vazzoler/Zeitenspiegel

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Die MotorBlog-Konferenz „MotorBlog Talks: Connected Cars” fand am 6. September 2013 im TecWatch Forum der IFA statt. Als Sprecher waren Experten von Ford, Daimler/Car2Go, TomTom, Flinc und Spotify eingeladen. Die Konferenz wurde mit freundlicher Unterstützung der Beuth Hochschule für Technik Berlin im Livestream übertragen. Die Aufzeichnung steht hier als Video on Demand zum Abrufen bereit.

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Comment (1)

  1. […] Manches ist gar unsichtbar, weil es sich um Soft- statt Hartware handelt. Da ist beispielsweise die Firma Flinc. Die Mitfahrzentrale vermittelt nicht nur Fahrten von A nach B, sondern auch von C nach B. Benjamin […]

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