[IFA] Auftakt-Veranstaltung im Smart-Spagat

2. September 2012 | by Holger Froehlich

Miss Ifa 2012

Die Zukunft des Fernsehens ist smart – da sind sich Veranstalter und Gäste der ifa-Auftakt-Veranstaltung einig. Die Diskussion zwischen Programm-Machern und Geräte-Herstellern im Roten Rathaus in Berlin offenbarte den Konflikt: Wem gehört der Bildschirm?

Die Botschaft der fünf Vorträge blieb ähnlich nebulös wie der Titel der Veranstaltung: „Die Zukunft des Fernsehens ist smart.“ Erfolgsmeldungen wechselten sich ab mit Hoffnungen. Zum einen schaut der Deutsche – PCs, Tablets und Smartphones zum Trotz – täglich so viel fern wie nie zuvor. Zum anderen kauft er innovative Produkte, noch bevor sie wirklich nutzbar sind. So kommt es, dass bereits jeder fünfte Haushalt über einen smarten Fernseher verfügt – sie müssen sie nur noch nutzen.

Doch mit dem Einstecken des Fernsehers ist es nicht getan. In erster Linie sind die Hersteller gefragt. Das fängt mit dem red button auf den neuen Fernbedienungen an, mit dem der Zuschauer aus der alten Rundfunk-Welt ins digitale Angebot springen kann. Dem mittlerweile dritten roten Knopf nach An/Aus und Aufnahme, wie der ZDF-Produktions-Direktor und gelernte Mechaniker Andreas Bereczky zu bedenken gab. „Hier sind die Ingenieure gefragt.“ Vor allem aber auf den Portalen, die häufig nach dem trial-and-error-Prinzip erst eine Unmenge an Angeboten bereitstellen, um später jene zu löschen, die nicht genutzt wurden.

Bei aller Einigkeit und Zuversicht wurde der Ton allerdings schärfer, als es um die Frage ging, wer wieviel vom Werbe-Kuchen bekommen soll. „Wem gehört der Bildschirm?“, fragte Moderator Werner Lauff. „Wenn unser Programm läuft, gehört der Bilschirm uns“, sagte Andreas Bereczky. Das heißt: kein Twitter, kein Facebook, kein Youtube ohne Genehmigung.

Auch Jürgen Doetz vom Verband der deutschen Werbewirtschaft fand klare Worte: Er werde nicht tolerieren, dass er künftig wertvolles Werbevolk an die neuen Konkurrenten aus dem Internet abgeben soll, während er seit alters her strengen staatlichen Regulationen unterliege. „Wir stehen mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Zukunft“, beschrieb Doetz den schmerzhaften Smart-Spagat.

Wer erfolgreich in der smarten Zukunft sein will, muss mit Angeboten überzeugen, schloss Bereczky. „Frieden mit der digitalen Welt wird es nie geben.“

Mehr bei TechFieber zum Thema: , ,

Antwort schreiben