[Light+Building] Ambitioniert: Nano-Wissenschaftler will die Welt verbessern

15. April 2012 | by Arwen Möller

[Light+Building] Wissenschaftler will zur Weltleitmesse die Welt verändern

Gelassen schlendern die Fachbesucher von Halle zu Halle. Über den Speedwalks dudelt Pop der 80er-Jahre. Die Light+Building kommt an ihrem ersten Tag trotz Weltleitmesse leichtfüßig daher.

Vielleicht rührt der Eindruck daher, das Bundeswirtschaftminister Philipp Rösler kurzfristig abgesagt hat. Er muss in Nordrheinwestfalen mit FDP-Kollege Christian Lindner zum Frühshoppen. So greift der FDP-Chef seiner kränkelnden Partei im Wahlkampfauftakt unter die Arme.

Der feierlichen Eröffnung der Light+Building hat seine Abwesenheit nicht geschadet. Sein parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Hans-Joachim Otto hat ihn entsprechend vertreten: Die Messe für eröffnet erklärt und dem Plasma-Nano-Wissenschaftler Kostya Ostrikov den zum ersten Mal ausgeschriebenen Building Future Award verliehen.

Doch bevor es zu diesem Highlight kommt, begrüßt als Hausherr der Messe-Geschäftsführer Wolfgang Marzin seine Gäste. Dann beschwört ZVEI-Präsident Friedhelm Loh den Industiestandort Deutschland mit seinen letzjährig 49 Milliarden Forschungsgeldern und 60.000 angemeldeten Patenten. Für weitere Energieeffizienz appelliert der Lobbyist an die Politiker: „Helfen sie uns!“

Auch der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Markus Frank bläst mit seinem Grußwort ins wirtschaftliche wie nachhaltige Horn. Dabei stellt er stolz die Energiefreundlichkeit seiner Stadt vor: „Frankfurt baut nur noch Passivhäuser.“

Mindestens ebenso begeistert ist der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier von seinem Bundesland und der Messe Frankfurt, deren Miteigentümer das Land ist. Doch vor allem dem Frankfurter Flughafen komme eine Schlüsselfunktion für die bundesstaatliche Zukunft zu, so Bouffier.

Damit die Energiewende gelinge, brauche es „Mut, Maß und Mitte.“ Die innovative Forschung des Preisträger Kostya Ostrikov sei dafür das beste Beispiel. Mit spitzbübischem Charm wirbt der Ministerpräsident beim australischen Nano-Wissenschaftler dann für den Forschungsstandort Hessen.

Und gibt einen Vorgeschmack auf den Knaller, der dann kommt: Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, die über die gesamte Eröffnungsfeier ganz in Weiß als wahrer Lichtblick die Grußworte der dunkel gekleideten Herren moderierte, entlockt dem eingefleischten Hessen Privates: Denn im Hause Bouffier ist in puncto Klimaschutz zwar gedämmt, verglast und einen gute Heizung eingebaut. Doch die Smartphone-Steuerung fehle noch, meint der Ministerpräsident: „Dafür ist meine Frau zuständig.“ Lachen von Moderatorin und Gästen.

Und die Heiterkeit steigt weiter. Nachdem Judith Rakers dem überrumpelten Volker Bouffier auch noch seine Praxis des morgenlichen Heiß-Kalt-Duschens, des Standby- und Fahrrad-Modus sowie seine Lust an Überseefrüchten entlockt hat, gesteht der Ministerpräsidenten der Moderatorin: Sie habe es geschafft, dass er über Privates spricht.

Hans-Joachim Otto glättet mit seinem politischen Ernst und ersten Wahlkampfanklängen die humorvolle Stimmung. Bis er den entscheidenden Satz sagt: „Hiermit erkläre ich die Light+Building für eröffnet.“ Seiner Laudation auf den Preisträger Kostya Ostrikov folgen seine Worte.

Ob der deutsch- oder der englischsprachige Teil – seine Dankesrede, sein Appell war der Höhepunkt der Eröffnungsfeier. Denn der australische Preisträger mit den ukrainischen Wurzeln beweist mit seinen verständlichen Erklärungen nicht nur seinen Ruf als der Pionier im Bereich der Nano-Wissenschaft gerecht.

Humorvoll stellt er fest: Wenn man einmal wisse, wie man Plasma produziere, dann sei es „really, really easy“. Ihm zumindest ist diese Spezial-Forschung so leicht gefallen, dass sich dank dessen Solarzellen mit nachhaltigen Verfahren und ohne giftige Gase und Schwermetalle herstellen lassen.

Und: Kostya Ostrikov nimmt seine Auszeichnung – den Building Future Award – wörtlich. Als Preisträger appelliert er an die zahlreich erschienenen Gäste der Eröffnungsfeier: „Wir sind alle Einwohner dieses Planeten.“ Um die vielfältigen Probleme auf diesem Planeten zu lösen und eine Zukunft aufzubauen, sollten wir daher „denken und handeln, bevor es zu spät ist“. Alles uns möglich lieber heute als morgen tun.

Dann ist die Feier vorbei. Judith Rakers moderiert ab. Schon fliehen Politiker, Lobbyisten und Gefolge zum Messerundgang. Volker Bouffier lobt hier die weltweite Spitze der Philips LED-Birne, fragt dort nach Siemens Intelligenz. Man lacht, schafft acht der 2.353 Hersteller aus 50 Ländern, die ihre Neuheiten noch bis Freitag, 20. April 2012 präsentieren.

Erste Gesichter dagegen bei den Sicherheitsleuten. Die Besucher kommen für sie manchmal zu nah an ihre Schützlinge heran. Doch gegen Mittag ist auch der Spuk vorbei. Der Messebetrieb schlendert weiter. Montag ist der zweite Messetag. Vielleicht kommt dann der große „run“.

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Eine Gesamtübersicht aller Artikel zur Light+Building bei TechFieber gibt es hier. Eine Übersicht aller Kurzporträts aus der Reihe People@Light+Building findet ihr hier. Und wer noch mehr zur Messe und dem Profil der Light+Building wissen möchte, findet diese Info hier.

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