[Video] [E-Cars] Testfahrt: Cruisen mit dem Volvo V60 Diesel-Plug-in Hybrid beim „Challenge Bibendum“

31. Mai 2011 | by TechFieber.de

testfahrt volvo v60 diesel plug-in-hybrid

Bibendum? Wie, wo, was? Yep, ihr lest ganz richtig, Bibendum steht da. Und ihr wisst sogar, was das ist: das Alias des knuddeligen Michelin-Männchens. Dem ollen Gummi-Kerl, der seit Jahrzehnten als Werbe-Testimonial, wie das ja zu neudeutsch heißt, für den französischen Reifenhersteller aus seinen mächtigen weißen Pneu-Ringen grinst.
Michelin wiederum hat mit dem „Challenge Bibendum“ im Jahr 1998 einen interessanten Event für grüne Autos ins Leben gerufen, der nun in diesem Jahr zum elften Mal in Berlin gastierte. Vier Tage lang drehte sich auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafen Tempelfeld alles um saubere, sichere und vernetzte Lösungen im Straßenverkehr und einen effizienten Ressourcen-Einsatz.

Zwei- und Dreiräder, Autos, Busse oder Lastwagen gaben sich ihr Stelldichein und reihten sich in eine Parade elektrisch angetriebener Fahrzeuge von Tempelhof zum Brandenburger Tor ein. Interessierte durften selbst ans Steuer oder auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, um erste Probefahr-Eindrücke mit den innovativen E-Cars zu sammeln. Insgesamt über 75 Aussteller samt 270 Fahrzeugen sowie 6.000 Teilnehmer kamen zu dem Happening zusammen – so viel Elektromobilität war noch nie zu sehen in der Preußen-Kapitale.

Schweden-Stahl mit Öko-Appeal

Mit von der Partie auch der kultige schwedische Autobauer Volvo (auf dessen Einladung ich beim „Challenge Bibendum“ teilnahm) mit seinen neuesten Eco-Autos und Plug-in-Hybriden. Namentlich sind das der Volvo V60 Diesel-Plug-in-Hybrid, der Volvo C30 Electric sowie der Volvo V50 DRIVe.
Letzterem, ein klassischer (und in Berlin angesichts der geradezu erdrückenden E-Car-Konkurrenz nicht als sonderlich spektakulär auffallender) „Clean-Diesel“ mit 1,6-Liter-Turbodiesel und Bremsenergie-Rückgewinnung, konnte ich zumindest über die schnittige Karosserie tätscheln. Und ihn natürlich fotografieren – siehe Foto-Gallerie unten.

Die beiden anderen Öko-Schweden, die laut Volvo „kurz vor der Serienreife“ stehen, bin ich dagegen gefahren. Den C30 Electric auf dem Beifahrersitz und im einigermaßen geräumigen Fond. Den V60 Diesel-Plug-in-Hybrid selbst am Steuer auf der „E-Rennstrecke“ am Ex-Airport – siehe Video oben.

testfahrt volvo v60 diesel plug-in-hybrid

Nix für schwache Nerven: Mit dem C30 Electric und fast leerer Batterie im Stau

Zuerst aber zum Volvo C30 Electric. Der schnieke Olivgrüne fährt mit seinen 111 PS (82 kW) nicht nur voll elektrisch und damit CO2-frei, sondern auch superflüsterleise und extraflott – der Schwede schafft eine Beschleunigung von 0 auf 50 km/h in 4,0 Sekunden.

Davon konnte ich mich bei unserer gut zweistündigen Fahrt im Berliner Verkehrschaos mit Volvo-Managerin Annelie Gustavsson aus dem C30-Electric-Entwicklungsteam ausgiebig vergewissern. Denn unsere E-Test-Fahrt zur Eco-Auto-Parade am Brandenburger Tor verlief etwas nervenaufreibend – schließlich standen wir mit fast leerer Batterie die meisten Zeit eingekeilt im Stau.

Vollständig aufgeladen soll der C30 laut Volvo eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern haben. Die Lithium-Ionen-Batterien werden über eine normale 230-Volt-Steckdose aufgeladen. Mit einem 10-Ampere-Anschluss dauert der Ladeprozess des Akkus rund zehn Stunden, bei einem 16-Ampere-Anschluss sechs bis acht Stunden.

Aufgrund des Zeitdrucks vor der Parade und der hohen Testrunden-Auslastung des C30 auf dem Rollfeld war leider nicht mehr so viel Zeit in Tempelhof. Ergo: Wir starteten mit nur minimal geladenem Akku.

Auch wenn die gute Annelie ihre Nervosität skandinavisch charmant überspielen konnte, waren die schweißnassen Händen nicht zu übersehen. Vor allem als es zum Foto-Shooting auf eine Rampe vor dem Brandenburger Tor gehen sollte – typischer Fall von „DeadBatteryAnxiety“, würde ich sagen. Daran, dass nicht nur Smartphones und MP3-Musik-Dudelmaschine uns ohne „Saft“ mächtig dumm aussehen lassen können, werden wir uns im anrollenden E-Mobilitäts-Zeitalter wohl gewöhnen müssen.

Testfahrt mit dem V60 Diesel-Plug-in-Hybrid

Und dann eben der neue Volvo V60 Diesel-Plug-in-Hybrid, der Ende 2012 auf den Markt kommen soll. Ein echter „Eco-Luxus-Schlitten“, wie Volvo-Entwicklungs-Ingenieur Karl-Johan Ekman mit einem Augenzwinkern sagt.

Der attraktive mattweiße Sportkombi, der unter anderem in Berlin beim „Challenge Bibendum“ auch mit dem „Design Award“ in der Kategorie „Serienfahrzeuge mit Verbrennungsmotor“ ausgezeichnet wurde und garantiert auch meinen drei Minis auf der Rückbank ausreichend Platz bieten und gefallen dürfte, hat satte 215 PS unter der Haube – plus 70 PS vom Elektromotor an der Hinterachse.

Ich persönlich finde das deutlich übermotorisiert und habe Mühe zu verstehen, wie PS-Protzerei und das damit verbundene Gewicht von knapp zwei Tonnen mit Öko-Appeal zusammenpassen und welche Käuferschicht angesprochen wird.

Laut Volvo-Produktmanagern sei es nun mal „entscheidend“, dass man auch im Premium-Segment umweltfreundliche Autos mit „unverfälschtem Fahrvergnügen“ samt allem Komfort anbieten kann, um im E-Car-Markt zu punkten. Und schließlich soll die Technik aus dem Highend-PKW später auch in kleineren – sprich günstigeren – Volvo-Pkws verbaut werden.

Preis noch unbekannt

Apropos günstig: Das wird der V60 Diesel-Plug-in-Hybrid auf gar keinen Fall sein. „So viel innovative Technik hat ihren Preis“, sagt Karl-Johan Ekman. Doch der Volvo-Manager weigert sich eisern, einen Preis für das Öko-Kombi-Geschoss zu nennen. Das V60-Einsteigermodell schlägt mit rund 40.000 Euro zu Buche. Es bleibt zu erwarten, dass der Preis des V60 Diesel-Plug-in-Hybrids deutlich über dieser Schwelle liegen dürfte.

Interessanterweise wird in „Volvoianer“-Kreisen als Antwort auf Fragen nach eventuell überzogener Motorisierung immer wieder davon gesprochen, dass man eben viel „Power“ brauche, um komfortabel einen Anhänger (insbesondere Pferde-Trailer!) zu ziehen. Mir war offen gesagt nicht klar, dass Volvo-Fahrer anscheinend besonders gerne Vierbeiner durch die Gegend kutschieren.

testfahrt volvo v60 diesel plug-in-hybrid

Wie viel seiner 215 plus 70 Pferdchen der V60 tatsächlich auf die Straße bringen kann, zeigt sich auf der Tempelhof-Teststrecke – wohlgemerkt bei der ersten „offiziellen Testfahrt“ überhaupt wie der Göteborger Autobauer immer wieder betont. Rundum macht der V60 eine Menge Spaß und kein ganz so schlechtes Gewissen beim Cruisen, denn der Diesel-Plug-in-Hybrid soll im „Hybrid“-Modus nur 1,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen. Und was die Fahrdynamik und den Fahrkomfort betrifft, hinterlässt der Vorserien-Wagen durchaus schon einen serienreifen Eindruck.

Nicht zu unrecht ist Hersteller Volvo stolz darauf, dass der V60 Diesel-Plug-in-Hybrid mit gleich drei Antriebstechniken ausgestattet ist: Zur Wahl stehen zum einen die oben erwähnte Standardeinstellung „Hybrid“, zum anderen der „Elektro-only“-Modus namens „Pure“ sowie der „Power“-Modus. Den bevorzugten Fahrmodus wählt der Fahrer ganz einfach per Knopfdruck aus.
Im Power-Modus stellt das Fahrzeug die größtmögliche Leistung bereit. Diesel- und Elektromotor kommen auf 215 PS/158 kW (Dieselmotor) plus 70 PS (Elektromotor) und ein maximales Drehmoment von 440 Nm plus 200 Nm. Auf die Teststrecke übersetzt bedeutet dies eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 6,9 Sekunden und damit Fahrspaß pur.

Im „Hybrid“-Modus interagieren Diesel- und Elektromotor und schaffen eine gelungene Balance zwischen Fahrvergnügen und geringen Emissionen – der CO2-Ausstoß liegt dann gemäß Volvo bei 49 g/km (EU kombiniert), der entsprechende Dieselverbrauch bei 1,9 Liter pro 100 Kilometer und die Reichweite des V60 erhöht sich somit auf bis zu 1.200 Kilometer.

Für Puristen: 50 Kilometer Reichweite im Nur-Strom-Betrieb

Der dritte Modus „Pure“ funktionierte bei meinem V60-Vorserien-Testwagen bedauerlicherweise nicht. In diesem Fahrprogramm düst der Diesel-Plug-in-Hybrid als reines Elektrofahrzeug durch die Gegend. Laut Hersteller kommt der Wagen im „puren“ Strom-Betrieb auf eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern und arbeitet völlig emissionsfrei. „Wohlgemerkt, sofern der Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen wurde“, wie der neben mich auf den Beifahrersitz verbannte Volvo-Testfahrer Anders Hedebjörn zu verstehen gibt.

testfahrt volvo v60 diesel plug-in-hybrid

Hedebjörn muss sich mitunter auch darum kümmern, dass ich nicht zu viele Schlangelinien fahre. Denn vor uns lehnt sich ein wagemutiger Fotograf aus dem offenen Kofferraum eines vorausfahrenden zweiten V60-Kombis, um Action-Shots von unserer Probefahrt zu machen. Verständlicherweise gibt das Adrenalin pur. Nicht nur für den unerschrockenen (aber selbstverständlich mit speziellen Gurten gesicherten) PR-Knipser. Sondern auch für mich.

Obwohl. Am Abend nach der Testfahrt steht mir dann fast noch mehr Schweiß auf der Stirn in einem Öko-Auto: Bei der Fahrt durchs nächtliche Berlin in einem Tesla Roadster mit dem lieben Kollegen Marc Kudling von wattgehtab.

Einfach irre, wie der über 100.000 Euro teure E-Flitzer aus dem Silicon Valley an der Ampel losspurtet. Danke, Marc ;)

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