[Web] E-Commerce mit Tücken: Schnäppchen aus dem Internet entpuppen sich oft als Fälschungen

10. Mai 2011 | by TechFieber.de

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Schnäppchenjagd im Internet ist beliebt – in den Päckchen aus Übersee stecken jedoch oft Fälschungen. Plagiate von Uhren oder Handtaschen tun den Unternehmen weh, gefälschte Bremsscheiben oder Heizlüfter können auch den Käufern gefährlich werden.

Hinter einer rostigen Metalltür ist sie versteckt: Die Asservatenkammer im Zollamt Hannover. In Kisten und Kartons lagern hier beschlagnahmte Fundstücke aus mehreren hundert geöffneten Paketen der vergangenen Jahre: gefälschte Stiefel von Chanel, Rolex-Armbanduhren aus Plastik und sogar nachgemachte Bremsscheiben. Alles Plagiate, die meist aus Fernost kommen und nicht an ihre Empfänger ausgehändigt werden dürfen.

Neu ist, dass sich die Fälscher immer häufiger auf Technisches konzentrieren: Rund zehn Prozent aller Plagiate, die der Zoll in Deutschland sicher stellt, sind inzwischen Elektrogeräte.

«In den vergangenen Jahren hat vor allem die Fälschung von technischen Produkten zugenommen», hat Jürgen Bollmann, Zollbeamter in der Poststellte, beobachtet. «Besonders beliebt sind Plagiate vom iPhone von Apple.» Die Kopien sehen dann genau so aus wie das Handy, doch als Logo gebe es nur einen Viertel-Apfel – und auch das Innenleben sei weniger hochwertig.

Rund 70 Fälschungen sind im vergangenen Jahr in Hannover angekommen. «Ein Großteil kam über private Bestellungen bei Ebay zu uns», sagt Kristina Heinrich vom Hauptzollamt. Der Internethandel sei inzwischen ein Paradies für Schnäppchenjäger. Die vermeintlichen Preisknaller entpuppten sich jedoch meist als Reinfall. «Vom Aussehen sind viele gefälschte Produkte zwar den Originalen sehr ähnlich», sagt Bollmann. «Aber die Materialien und die Verarbeitungen sind oft nicht besonders gut.»

Besonders heikel werden Plagiate, wenn es nicht nur um gefälschte Kleidungsstücke oder Taschen geht, sondern um Gebrauchsgegenstände. Die Asiaten bieten inzwischen nicht nur die klassischen Uhren und Handtaschen als Fälschungan, sondern auch Heizlüfter und Bremsscheiben.

«So etwas kann sehr gefährlich werden», meint Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Denn wie schnell explodiere ein Heizlüfter oder versagten Bremsscheiben. Vor allem um die Weihnachtszeit kommen immer wieder Menschen in die Verbraucherzentrale, die vermuten, gefälschtes Kinderspielzeug im Internet gekauft zu haben. Ahrens Rat: «Da hilft nur sich genau über den Verkäufer im Netz zu informieren.» Hilfreich sei es das Impressum zu lesen und auf ein Nutzerprofil zu surfen.

Nicht nur Verkäufern, auch Käufern solcher Waren drohe eine Geldstrafe, sagt Zollbeamter Bollmann. In seltenen Fällen auch ein Gerichtsverfahren, wenn davon auszugehen ist, dass die Besteller wussten, dass sie Fälschungen kaufen. «Da reagieren die Unternehmen aber sehr unterschiedlich.»

Plagiate auf Webseiten zu erkennen sei nicht immer leicht, meint Verbraucherschützerin Ahrens. Die Alarmglocken der Surfer sollten bei zwei Anzeichen angehen. «Wenn ich ein Zertifikat über die Echtheit des Produktes vom Händler per E-Mail fordere und er reagiert nicht: Finger davon lassen!», sagt Ahrens. Rechtschreibfehler auf Produkten und Verpackungen seien ein untrügliches Zeichen für eine Fälschung: «Buchstabendreher sind immer ein Hinweis auf Stümperei.»

Die sicherste Methode den Produktpiraten auf die Spur zu kommen, sei jedoch der Preis: «Bei absoluten Schnäppchen gibt es immer einen Haken.» Sonst erwartet den Adressaten möglicherweise ein Besuch beim Zollamt – wie eine Hannoveranerin, die zwei Louis-Vuitton-Handtaschen für 150 Euro bestellt hat. «Riechen Sie mal», sagt Bollmann. «Penetranter Plastikgeruch.»

Pressemitteilung zu Produktpiraterie

Liste des Zolls: Firmen mit Antrag auf Grenzbeschlagnahme


Foto: Fake iPod aus China / doctorow via FlickR/cc

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