[Feature] 25 Jahre Computer-Messe Cebit: Commodore statt Apple – Erstes Amiga-Modell war Renner bei CeBIT-Premiere 1986

10. Dezember 2010 | by TechFieber.de

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Zumindest was den Andrang betrifft, steht die jüngste CeBIT ihrer Premiere in nichts nach: 334.400 Besucher zog es im März 1986 an sechs Tagen zum ersten eigenständigen «Centrum der Büro- und Informationstechnik» in Hannover – 2010 kamen an insgesamt fünf Tagen 334.000 Menschen zu der Messe. Kein Wunder: Was in diesem Jahr für einen Großteil der Besucher das iPad war, war 1986 der Commodore Amiga. Der Heimcomputer stellte die damals gängigen Modelle von IBM, Apple oder Atari mit einigen besonderen Eigenschaften in den Schatten. Aber auch andere Neuheiten verblüfften: Bildtelefone, Videokonferenzen und die erste ISDN-Anlage.

Zu vermehrten Schlagzeilen verhalf der ersten CeBIT vor mehr als 24 Jahren allerdings ein trauriges Ereignis: Computerpionier Heinz Nixdorf starb auf der Messe an einem Herzinfarkt. Der Unternehmer hatte die CeBIT schon zu einem Tendsetter gemacht, als sie noch gar nicht so hieß: Das «Centrum der Büro- und Informationstechnik» war schon 1950 Teil der Industriemesse Hannover. In der sogenannten Büromaschinenhalle wurde 1968 der Nixdorf 820 als erster Bürocomputer vorgestellt: Hauptbestandteile waren ein 12-Bit-Parallelrechenwerk, ein Magnetkernspeicher, eine integrierte Tastatur, eine Schreibmaschine für die Datenausgabe und ein Lochkartenleser.

«Das allergrößte Ding»

1986 war die Technik schon Meilen weiter: Der Commodore Amiga, im Sommer 1985 bereits in New York mit großem Tamtam präsentiert, hatte in Deutschland wenige Tage vor der CeBIT in der Alten Oper in Frankfurt am Main Premiere. Moderator Frank Elstner stellte den Rechner dort einem breiten Publikum als «das allergrößte Ding» vor: «Man hält es nicht für möglich, was aus dieser Kiste alles raus kommt.» Ein Fachkollege erklärte die Besonderheiten. Dazu zählte vor allem das 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk, das «700 bis 800 Schreibmaschinenseiten» fassen konnte. Ein analoger RGB-Bildschirm könne 4.096 Farben intensiv darstellen, hieß es.

Besonders war auch das «Rollkugeleingabegerät» – heute als Maus bekannt. Das Gerät helfe, «sehr benutzerfreundlich» mit Amiga umzugehen, «ganz ohne Tastatur». Außerdem könne der, der den damals vergleichsweise günstigen Rechner zu Hause stehen hatte, «sämtliche Drucker-, Ton- und Videotypen» daran anschließen.

Auf der CeBIT konnten Computernerds den Amiga dann aus einigem Abstand bestaunen – anfassen war verboten. Einer der Bewunderer war übrigens der damals für seinen Sieg in Wimbledon gefeierte 18 Jahre alte Tennisspieler Boris Becker.

Videokonferenzen und ISDN

Gefeiert wurde aber auch die Zusammenführung verschiedener Fernmeldedienste wie Fernschreiben, Fax und Telefon in ein einheitliches digitales Netz, heute als ISDN geläufig. Die Bundespost hatte sich 1979 entschieden, die bis dahin analogen deutschen Telefonnetz zu digitalisieren, auf der CeBIT wurden sieben Jahre später die ersten Anlagen und Systeme vorgestellt. 1989 begann der offizielle Betrieb: Die Bundespost war damit europaweit Vorreiter für ISDN.

Möglich wurden in den 80ern auch Pressekonferenzen mit Teilnehmern aus der ganzen Welt, bei denen sich die Gesprächspartner nicht nur hören, sondern auch sehen konnten. In Hannover konnten sich die Besucher 1986 erstmals ein Bild dieser Videokonferenzen machen.

was/dapd

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Comment (1)

  1. Robert Koch says:

    Bin ganz angenehm überrascht, wie alt diese Technologien sind, das wusste ich nicht, sehr interessant vor allem, danke schön

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