[Loveparade] Landesregierung macht Veranstalter für Katastrophe verantwortlich – Warnung schon 2009

28. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Die nordrhein-westfälische Landesregierung hält einem Pressebericht zufolge den Veranstalter für die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg für verantwortlich. Der Massenpanik am Samstag, bei der 20 Menschen ums Leben kamen und mehr als 500 verletzt wurden, seien verschiedene Fehleinschätzungen vorausgegangen, schreibt die «Süddeutsche Zeitung» (Mittwochausgabe). Wie die Staatsanwaltschaft Duisburg mitteilte, ermittelt sie in dem Fall gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach plädiert derweil dafür, die Genehmigung von Großveranstaltungen wie in Duisburg von der Zustimmung übergeordneter Behörden abhängig zu machen.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) will an diesem Mittwoch einen vorläufigen Bericht veröffentlichen, wonach sich der Veranstalter, die Lopavent GmbH um den Fitnessunternehmer Rainer Schaller, mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt habe. Zudem habe der Veranstalter weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt und Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Nach Informationen der Zeitung kommen die Sicherheitsbehörden zu der Einschätzung, dass der Veranstalter von völlig falschen Berechnungen ausging, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen würden.

Einziger Zugang zum Gelände war eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten; dort entstand die Massenpanik, bei der 20 Menschen ums Leben kamen. Die vorläufige Ursachenanalyse der Behörden kommt zu dem Schluss, dass sich die Besucher nach Betreten des Festivalgeländes nicht wie erwartet schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt haben. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.

Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Problematik hingewiesen, hieß es in Polizeikreisen. Der Veranstalter habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: «Wir haben da unsere Erfahrungen.»

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), fordert derweil bundesweit bessere Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen. Er plädierte dafür, bei der Genehmigung solcher Veranstaltungen wie in Duisburg auch übergeordnete Behörden einzuschaltet. «Wenn wir eine solche Zentralisierung vornehmen sollten, dann könnte eine Kommune gegen das Votum des Landes oder der Bezirksregierung kaum eine Genehmigung erteilen.»

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl empfahl, «bei Veranstaltungen mit mehr als 100 000 Teilnehmern sollten die Kommunen eine höhere Ebene einschalten».

Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt. «Auf allen Schreiben stand der Briefkopf »Oberbürgermeister«», sagte ein Ermittler dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Mittwochausgabe). Sauerland hatte am Dienstag bestritten, im Vorfeld entsprechende Warnungen erhalten zu haben.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, weist Berichte über Fehler der Polizei zurück und fordert erneut den Rücktritt der politisch Verantwortlichen in Duisburg. «Der Oberbürgermeister und die politisch Verantwortlichen waren geradezu besessen von der Idee, die Loveparade in Duisburg zu veranstalten, dass sie die Warnsignale entweder nicht wahrgenommen oder beiseite geschoben haben», sagte Wendt. Er selbst habe bereits vor einem Jahr gewarnt, dass die Stadt Duisburg ungeeignet sei, da sie zu eng für eine solche Veranstaltung ist. «Damals hat man mich als Spaßbremse und Sicherheitsfanatiker verspottet«, klagte Wendt.

(Weitere Quellen: Bosbach, Uhl in »Kölner Stadt-Anzeiger«; Bosbach auch in »Rheinische Post«; Wendt in »Passauer Neue Presse“:

tf/war/ddp

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