Internet-Zeitung: Beißende Kritik ohne Tabus bei “e-novine”

28. Juli 2010 | by TechFieber.de

Beißende Kritik e-novine«Die andere Zeitung» nennt sie sich selbst. Die Internetzeitung «e-novine» mischt die Medien-Szene Serbiens kräftig auf.

Beißende Kritik ohne Tabus – an Regierung und Opposition gleichermaßen. Provozierende Fotomontagen und starke Meinungsartikel ohne die klassische Trennung von Nachricht und Kommentar. «

Die Satire ist ein legitimes Mittel der Kommunikation mit den Lesern», rechtfertigt Chefredakteur Petar Lukovic den Ansatz.

«Wir wussten nicht mehr, was wir lesen sollten und haben vor zwei Jahren unsere eigene Zeitung gegründet», beschreibt Direktor Branislav Jelic die Beweggründe. Das Land sei von einer gefährlichen Selbstzufriedenheit gelähmt: «Es herrscht breite Übereinstimmung, dass die heutige Regierung das Beste ist, was uns passieren konnte», schimpft Jelic. Die Zeitungen würden von den politisch und wirtschaftlich Mächtigen beherrscht. «Wir zielen auf die fünf Prozent der Bevölkerung die noch rational agieren», beschreibt er die Zielgruppe.

Fundamentalopposition ist denn auch die Marschrichtung. Politiker- Sprachhülsen werden schonungslos lächerlich gemacht. In den Texten, die auch prominente Intellektuelle beisteuern, wird behauptet, die heutige Politik sei die Fortsetzung der nationalistischen Politik des inzwischen gestorbenen Autokraten Slobodan Milosevic. Sie komme allerdings in einem demokratischen Mäntelchen daher.

Lieblingsgegner der Zeitung ist Staatspräsident Boris Tadic, der «ein System privater Freunde installiert» habe, die die staatlichen Institutionen ersetzten. Das Staatsoberhaupt erscheint in «e-novine» als selbstverliebter Beau, dem nur das eigene Fortkommen, nicht aber sein Heimatland wichtig sei. Tadic findet sich auf einer Fotomontage lächerlich gemacht: Halbnackt im tiefen Urwald, wo er den Eingeborenen seine zentrale Botschaft «Kosovo ist Serbien» überbringt, während ihm die tiefen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme Serbiens «wurscht» sind.

Außenminister Vuk Jeremic spricht aus der Sicht von «e-novine» als Tadic-Ziehsohn schon mal vor lauter Mickey-Mouse-Figuren oder tritt als serbischer Bauer beim Volkstanz an. Zur Illustration der angeblich missglückten Investition von Fiat in Serbien wird anstatt schmucker Autos «die Realität» in Form eines an Kinderspielzeug erinnernden knalligen Kugelautos gezeigt.

Die Dauerkritik ist offensichtlich auch die Ursache, dass die neue Zeitung seit langem mit einem Bein im finanziellen Ruin steht. Die drei wichtigsten Mitarbeiter des Staatschefs kontrollierten «99 Prozent des Marktes für Medienwerbung», behauptet Direktor Jelic. Sie verhinderten, dass die Zeitung, die täglich von 17 000 Menschen angeklickt wird, nennenswert Werbung akquirieren könne: «Politischen Druck gibt es nicht, aber es ist viel eleganter, uns finanziell auszutrocknen.»

Immer wieder werden die Leser zu Spenden aufgerufen, und rund 1000 Menschen haben auch Geld überwiesen. Diese Einmalzahlungen reichen aber bei weitem nicht. Die neun Mitarbeiter erhalten in der Regel nur den Mindestlohn von monatlich 185 Euro, wenn überhaupt, beschreibt Jelic die Misere. Immerhin sei seine Zeitung das einzige Medium, das jeweils ein Viertel seiner Leser in den Nachbarländern finde. Nach all den Bürgerkriegen sei es doch erstaunlich, «dass wir als serbische Zeitung Geld von Albanern und Muslimen bekommen».

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