[Loveparade] Round-up: Massive Mängel beim Sicherheitskonzept auf Loveparade – Gelände nur für 250.000 Raver freigegeben

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Die Mängel beim Sicherheitskonzept der Duisburger Loveparade sind offenbar noch größer gewesen als bislang vermutet. So war das Party-Gelände am alten Güterbahnhof nach Informationen von «Spiegel Online» nur für eine Viertelmillion Menschen freigegeben. Das geht aus einem Verwaltungsdokument hervor, aus dem die Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins zitierte. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlangte am Montag, deutschlandweit alle Großveranstaltungen noch einmal auf den Sicherheitsaspekt zu überprüfen. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen, Frank Richter, forderte eine bessere Ausbildung von Ordnern bei Großveranstaltungen wie der Loveparade.

Bei einer Massenpanik auf der Loveparade waren am Samstagabend 19 Besucher ums Leben gekommen. Laut Polizei wurden 342 Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Wie «Spiegel Online» berichtete, hat der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung in dem betreffenden Verwaltungsdokument die Organisatoren von der Vorschrift befreit, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig verzichten die Beamten auf Feuerwehrpläne. Dafür hätten sie den Ausrichtern der Party vorgegeben: «Die maximale Personenzahl, die sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten darf, wird (…) auf 250.000 Personen begrenzt.» Die Veranstalter des Festes hatten noch wenige Stunden vor dem Unglück von etwa 1,4 Millionen erwarteten Teilnehmern gesprochen.

Wie «Spiegel Online» weiter erfuhr, seien inzwischen bei der Bundespolizei sämtliche Unterlagen zur Love Parade – Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten – von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht worden.

Der GdP-Vorsitzende Richter sagte unterdessen, es reiche nicht, jemandem nur eine Binde umzulegen und zu sagen: «Du bist jetzt Ordner». Auch er monierte, das Gelände, auf dem die Loveparade in Duisburg stattfand, sei für eine solche Veranstaltung gar nicht ausgerichtet gewesen. Die GdP habe zwar darauf hingewiesen. Für die Sicherheit seien jedoch der Veranstalter und die Genehmigungsbehörde, nicht die Polizei zuständig gewesen.

Bayerns Innenminister Herrmann sagte, bei allen größeren Veranstaltungen müsse jetzt noch einmal überprüft werden, ob das jeweilige Sicherheitskonzept so gut sei wie es «nach menschlicher Vorausschau möglich ist». Theoretisch könne immer eine Massenpanik durch Unglücke oder irrationales Verhalten der Besucher auftreten. Dies müsse aber vom Veranstalter einkalkuliert werden. Beim Münchner Oktoberfest beispielsweise gebe es für einen solchen Fall ausgereifte Konzepte.

Bei der Sicherheit dürften auf keinen Fall Abstriche gemacht werden, forderte Herrmann. Die Behörden dürften sich von den Veranstaltern niemals mit dem Argument unter Druck setzen lassen, wie bedeutend eine Veranstaltung sei und wie viele Menschen diese anziehe.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) lehnte bei der Suche nach den Schuldigen für das Unglück «Schnellverurteilungen» ab. Das Ermittlungsverfahren werde jetzt alle Details klären, sagte er. Er wolle keine «Ferndiagnosen» machen, zeigte sich aber sicher, dass «alles aufgeklärt wird, weil man Konsequenzen für die Zukunft ziehen muss». Bei solchen Großveranstaltungen gebe es jedoch immer ein «Restrisiko».

(Weitere Quellen: Richter und Körting im ZDF-»Morgenmagazin“; Herrmann im Deutschlandradio Kultur)

tf/ati/ddp

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Kommentare (7)

  1. Mona says:

    dieser Schaller , der Polizeidirektor und alle anderen haben doch echt nicht alle Latten am Zaun ! Mein Gott wo bleibt in diesem Land eigentlich endlich mal einer der sich den Dingen stellt wie sie sind und der für getroffene Entscheidungen… auch mal die Verantwortung übernimmt ?????
    ..ich fass es nicht ! Überall das selbe !
    ich bin selbst Mutter , meine Tochter ist erst 13 und zum Glück noch zu klein, mein Sohn allerdings wird bald 19 , besucht alle Festivals die es gibt,
    zum GLÜCK ist er aber gerade im Urlaub….. liegt zufrieden am Strand….. meiner Tochter …hab ich erklärt, warum Mütter manchmal fragend auf dem handy anrufen ob denn alles o.k. ist…..
    sie ist auch ziemlich schockiert………

    Die Love Parade an sich ist doch schön, für die jungen Leute, hat sich eben aus ner Subkultur so entwickelt… die Jahre in Berlin, da war es vollkommen OFFEN und es gab nie solche Unfälle.
    Berlin hat sie nur „gesperrt“ weil die Kosten an Müllbeseitigung durch über 1 Mio. Menschen zu hoch wurden.

    warum in so eine Ministadt (im Vergleich zu den Vorjahresveranstaltungen, so so eine Massenmega party nunmal hingehört und Fluchtmöglichkeiten bietet ) es geht halt immer nur ums Geld………Buisness as usuall ..
    lassen se dann halt noch mehr rein…macht ja nix ….. :-/ um 15 uhr waren schon alle EINGÄNGE DICHT !
    und warum haben denn andere große Städte im Ruhgebiet wohl vorher abgesagt, sie könnten das nicht durchführen, weil die Sicherheitsmaßnahmen nicht gewährleistet werden könnten !!!!!!!!

    und es isst unfassbar schade für alle jungen Menschen , die nun auch nicht mehr so frei und unbefangen in und zu Veranstaltungen gehen können und werden…. da fängt das Bewußtsein des Erwachswerdens an…

    in Gedanken bei den Eltern …. und hoffe das die weiteren Schwerverletzen ganz bald wieder ganz gesund werden !!!!
    es hätten unsere sein können….

    und sie kamen um die Liebe zu feieren..R.I.P.
    (siehe Angabe Website)

  2. […] TechFieber Network (Blog) […]

  3. Renee says:

    Ich stimme dir 100% zu, liebe Mona. Die Love Parade war immer ein tolles Ereignis, was nach meiner Ansicht nur nach Berlin gehört. In der heutigen Welt ist es natürlich traurig, dass sich Berlin nur wegen der hohen Müllbeseitigungskosten verweigert hat die Love Parade weiterhin auszuführen.

    Ich hatte mir am Samstag Morgen noch selbst überlegt nach Duisburg zu fahren und mal wieder richtig zu fahren, aber irgendetwas hat mich zögern lassen. Heute bin ich froh, nicht gefahren zu sein.

    In Gedanken bin ich bei den Familien und Freunden, die ihre Kinder und Freunde verloren haben und hoffe, dass die im Krankenhaus sind bald wieder gesund sind.

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