[Loveparade] Portrait: Der Organisator der Loveparade Rainer Schaller ist Geschäftsführer von Deutschlands größter Fitnesskette McFit

26. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Rainer Schaller wirkte am Sonntag fassungslos. Nach der Massenpanik mit 19 Toten und Hunderten Verletzten in Duisburg am Tag zuvor zeigte sich der Loveparade-Geschäftsführer tief betroffen und sagte: «Worte reichen nicht aus, um das Maß meiner Erschütterung zu erklären.» Als Veranstalter des Großevents steht Schaller nun in der Kritik. Im Juni hatte er für die Loveparade «wieder eine Zuschauerzahl im Millionenbereich» angekündigt, am Samstag rechnete er mit 1,4 Millionen.

Neben den zuständigen Behörden wird auch Schaller vorgeworfen, sich über Sicherheitsbedenken hinweggesetzt und sogar Druck auf die Stadt ausgeübt zu haben. Medienberichten zufolge wurde das Gelände am Duisburger Güterbahnhof nur für 250 000 Menschen freigegeben. Schaller ließ bislang viele Fragen offen und versprach eine «lückenlose Aufklärung der Tragödie».

Seit 2006 ist Schaller Geschäftsführer des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Neun Jahre zuvor gründete der heute 41-jährige Unternehmer die Fitnesskette McFit, der Konzern ist heute mit rund 800 000 Mitgliedern die größte Fitnesskette Deutschlands.

Schaller ist ein Macher. Einer, der sich als «Malocher» versteht. Sein Werdegang begann bodenständig, später bezifferte er seine unternehmerische Risikobereitschaft in einem «Handelsblatt»-Interview auf «hundert Prozent», bescheinigte sich «unternehmerisches Verrücktsein» und einen ehrlichen Kaufmann-Charakter.

Nach der Mittleren Reife lernte Schaller im fränkischen Schlüsselfeld nahe Bamberg den Beruf des Einzelhandelskaufmanns beim Lebensmittelhändler Edeka. Mit 22 eröffnete er seine erste eigene Filiale, wie zuvor schon der Großvater und die Mutter. Drei weitere folgten, ehe Schaller die Lust verlor, zwei Filialen verkaufte, in Würzburg eine Möbelhalle zum Fitnessstudio ausbaute und McFit gründete. Eine Edeka-Filiale in seinem Heimatort ist bis heute in seinem Besitz.

Trotz der bald darauf rasanten Expansion über das ganze Land war die Loveparade für McFit als Aushängeschild wohl überlebenswichtig. Das Unternehmen schrammte jahrelang am Bankrott vorbei, wie Schaller einmal zugab. Zwei Millionen Euro sollen ihn die Rechte an der Loveparade 2006 gekostet haben, geschätzte drei Millionen investierte er jährlich in die Ausrichtung.

Der Einstieg bei der Loveparade war eine Marketingstrategie. Das Event versprach einen immensen Werbeeffekt, um «mit einem relativ kleinen Budget einen hohen Bekanntheitsgrad erzielen» zu können, wie Schaller sagte. Seine Fitnesskette wurde Hauptsponsor der Loveparade Metropole Ruhr 2007-2011.

McFit hat heute rund 130 Filialen und expandiert über die deutschen Grenzen hinaus. Im vergangenen Jahr eröffneten Studios auf Mallorca, in Wien, Graz und Klagenfurt. In knapp 60 deutschen Städten sucht das Unternehmen derzeit nach Mietflächen für weitere Studios. Auch die Expansion in den Osten Europas ist geplant. Die Loveparade diente als ideales Instrument, die Marke McFit im Ausland bekannt zu machen. In Live-Übertragungen prangte das Unternehmenslogo auf zahlreichen Werbeflächen.

Als sich die Planungen für die Austragung der Parade 2007 in Berlin verzögerten, zog Schaller mit der Großveranstaltung ins Ruhrgebiet. Für den Unternehmer schien sich ein Kreis zu schließen: Drei hier Ende der 90er Jahre eröffnete McFit-Filialen bezeichnete Schaller einst als «Grundstein für den Erfolg».

Die Parade in Essen zog 1,2 Millionen Besucher an und wurde 2008 in Dortmund mit 1,6 Millionen noch übertroffen. Als die Veranstaltung im vergangenen Jahr in Bochum ausfiel, weil die vorhandene Infrastruktur dort für die Bewältigung der erwarteten Besuchermassen nicht ausreichte, bezeichnete Schaller dies als «Schlag ins Gesicht».

Neben der Loveparade bewirbt McFit viele ProSieben-Events wie die «Stock Car Crash Challange» oder das «TV total Turmspringen» von Stefan Raab. Dabei zeigt das Unternehmen auch soziales Engagement: Beim Fußballspiel der McFit Allstars um Comedian Oliver Pocher kamen im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro für «Ein Herz für Kinder» zusammen. Auch kleinere Aktionen werden unterstützt, etwa eine Charity zugunsten krebskranker Kinder.

Auf dem Loveparade-Organisator muss indes Druck gelastet haben. Die Übernahme des Events bezeichnete Schaller einmal als «Himmelfahrtskommando». Ein Misserfolg, eine neuerliche Absage gar, hätte womöglich auch negativ auf die Marke McFit gewirkt.

Schaller, der in Berlin mit Kollegen in einer WG wohnt und die Wochenenden bei seiner Freundin in Franken verbringt, wollte die Loveparade «im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 zu einem Leuchtturm-Event machen und neue Wege mit dem Musik- und Bühnenprogramm gehen», das in den nächsten Wochen vorgestellt werden sollte. Seinen Geschäftssinn stellte Schaller nach der Tragödie zurück. Am Sonntag verkündete er das Aus für die Loveparade.

tf/war/ddp

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Kommentare (3)

  1. ralf says:

    ich habe einen unglaublichen hass auf herrn schaller!!!
    immer so viel geld wie möglich scheffeln.auch tote werden in kauf genommen. ein paar tausend euro mehr für die sicherheit der besucher(schaller hats doch!!!!!) dann wäre wahrscheinlich nichts passiert.
    aber das ist wohl zuviel verlangt.ich hoffe herr schaller wird zu einer sehr hohen gefängnisstrafe verurteilt und das er nie wieder ruhig schlafen kann.
    geld ist nicht alles.
    ich wünsche ihm alles schlechte der welt.

  2. kalliey says:

    Schaller hat sicher nicht angeordnet alle Ausgänge geschlossen zu halten.
    Die Polizei ist für die Sicherheit ebenso verantwortlich wie die eingesetzten Sicherheitskräfte die alle die Tore zugelassen haben und sich so der unterlassenen Hilfeleistung strafbar gemacht haben.

    Schaller ist der Geschäftsführer hat aber mit Sicherheit nicht mit Polizei, der Stadt und den Sicherheitsfirmen verhandelt, dafür hat die Lopaevent 40 Mitarbeiter.

    Und unterm Strich bringt keine Verurteilung die verstorbenen wieder ins Leben zurück, so schade es auch ist.

  3. tommy says:

    hey du Einstein, erkundige dich zu erst ob man mit der Love Parade Geld verdienen kann!Und außerdem wurde die Parade wieder belebt und für viele Menschen möglich gemacht die Parade wieder zu feiern.
    Jeder Raver schätzt es ganz anders, der z. B auch in den 90er auch schon gefeiert hat (du Anfänger Raver erst denken dann reden).

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