[Feature] Loveparade-Drama: Wut und Trauer in Duisburg nach der Massenpanik

25. Juli 2010 | by TechFieber.de

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Am Tag nach der Katastrophe mit 19 Toten bei der Loveparade in Duisburg ist es ruhig geworden am Tunnel zum Veranstaltungsgelände. Die Polizei sperrt die mehrere hundert Meter lange Unterführung zum ehemaligen Güterbahnhof ab. Einige Anwohner und Bürger sind an den Tunnel gekommen, um sich den Ort des tragischen Unglücks anzuschauen. Auf dem Bürgersteig stehen einige Kerzen, daneben liegt ein Blumenstrauß.

Ihre Trauer, Wut und Enttäuschung können die Bürger kaum verhehlen. Dass der Hauptzugang zu der Loveparade durch dieses «Nadelöhr» führte, können und wollen viele auch am Sonntag nicht verstehen: «So viel Blödheit kann ich nicht begreifen», sagt Richard Hatenkerl. Der Duisburger blickt in den Tunnel und ist außer sich. «Mein Bruder war mit seiner Freundin auf dem Gelände. Wenn sich die Massenpanik nur fünf Minuten früher ereignet hätte, wäre er jetzt wohl tot.» Dass die Polizei den Zugang zum Festivalgelände angesichts der Menschenmassen nicht rechtzeitig abgesperrt hat, ist ihm unbegreiflich. «Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.»

Mit den Tränen kämpft die Anwohnerin Britta Kordel. «Schon wir als Anwohner gehen ungern durch den Tunnel», berichtet sie. Am Samstag habe sie von ihrer Wohnung aus beobachtet, wie ab Mittag immer mehr Menschen durch die Unterführung gehen wollten. «Die Leute haben von hinten geschubst und gedrängelt», sagt sie. Die Sicherheitskräfte hätten die Menschen nicht in den Tunnel hineinlassen dürfen. Dass es zu einer solchen Katastrophe kam, überrascht sie aber nicht. «Alle Duisburger haben gesagt, das darf hier nicht stattfinden», betont sie.

Joe aus Südbaden ist einer der wenigen Besucher der Loveparade, die sich zu dieser morgendlichen Stunde noch am Gelände aufhalten. Dass die Techno-Veranstaltung derart aus dem Ruder läuft, ist für ihn eine Überraschung. «Dass so etwas passiert, konnte keiner wissen», meint er. Schließlich hätten die Macher der Loveparade Erfahrung gehabt und solche Veranstaltungen auch schon in Essen und Dortmund organisiert. Es sei ein Fehler gewesen, den Hauptzugang für die Besucher durch diesen Tunnel zu führen. Auch auf dem Festivalgelände selbst sei es «eng» gewesen.

Der Technofan hofft nun, dass trotz des Dramas die Loveparade weiter stattfinden wird. «Die Veranstaltung wird weitergehen. Vielleicht legt man bei der nächsten Feier eine Schweigeminute ein», erklärt er. Ob die Loveparade allerdings wie geplant 2011 in Gelsenkirchen stattfinden wird, scheint angesichts der Ereignisse fraglich.

Auch am Duisburger Hauptbahnhof, unweit der Unglücksstelle gelegen, ist die Stimmung am Sonntagmorgen beklemmend. Einige Besucher der Loveparade schlafen noch auf Alufolien am Boden, andere stehen in Gruppen zusammen und diskutieren mit halblauter Stimme. «Wir wollten doch nur Party machen», sagt der 21-jährige Urs, der mit Freunden aus Basel angereist war. Die Verkäuferin in der Bahnhofs-Buchhandlung sieht das Ende des Techno-Events gekommen. «Diese Katastrophe wird immer mit der Loveparade und mit Duisburg verbunden bleiben.»

«Vielleicht war das alles doch eine Nummer zu groß für Duisburg», vermutet eine Flugbegleiterin, die auf ihren Zug wartet. Im Bahnhof sind Eltern mit den Fotos ihrer Kinder unterwegs, die seit Samstagabend vermisst werden. Mit Journalisten sprechen wollen sie nicht.

tf/jas/ddp/dts

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Kommentare (4)

  1. Simone says:

    Ich war selbst auf der Loveparade. Gott sei Dank sind wir da nicht mehr durchgekommen, da alles gesperrt war. Keiner wusste, was los war. Erst viel später hat man erfahren, was passiert war. Wir haben es durch eine Freundin erfahren, die wir zufällig getroffen haben und waren schockiert. Das gesamte Ausmaß wurde uns erst zu Hause durch die mediale Berichterstattung bewusst. DFort wo man uns nicht durchgelassen hat, war alles voll Polizei und es wurden lautsprecheransagen gemacht, dass hier niemand den restlichen Tag durchkommen werde. Gründe wurden nicht genannt, was durchaus besser war, sonst hätte das bestimmt in einer neuen Panik geendet. Man sah nur noch Rettungswagen, Feuerwehr und Polizei. Meines Erachtens war schon der gesamte Weg zum Veranstaltungsgelände ziemlich eingezäunt; es gab keien Ausweichmöglickeiten. Nahe des Bahnhofes gab es ebenfalls Gerangel an einer dort befindlichen U-Bahnstation, so dass wir schon an dieser Stelle ein komisches Gefühl hatten.
    Ich habe mehrere Loveparades erlebt u.a. in Berlin und Dortmund, nie ist so etwas passiert. Schlimm ist, dass die Schuld hin- und hergeschoben wird. Es war abzusehen, dass es zu Komplikationen kommen würde, allein als bekannt wurde, auf welchem Gelände das ganze stattfinden sollte. Das hätte niemals genehmigt werden dürfen. Es gab auch an den Bussen des Schienenersatzverkehrs Probleme. Dort gerieten wir auch in eine Enge, wurden förmlich von der Menge in den Bus gepresst. Diese Menge war klein und hatte dennoch eine enorme Kraft. Nicht auszudenken, was diese Menschenmasse im Tunnel für eine Kraft gehabt haben muss. Meine Gedanken sind bei den Opfern und Verletzten, sowie deren Angehörigen.

  2. Corinna_2010 says:

    Ich bin auch sehr erschüttet über das was in Duisburg passiert ist. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

    ABER die LOVEPARADE muss weiter gehen in BERLIN oder Nürnburgring, wenn es dort groß genug ist.

  3. Mathias says:

    Wie konnte so etwas geschehen.

    Warum haben die Verantwortlichen nicht den Mut,zu erklären das sie Mist gebaut haben.
    Es sind 20 Besucher Gestorben und so viele meschen verletzt.

    Noch nicht einmal der Oberbürgemeister hat den Mut
    Er ist es doch gewesen der am Samstag Morgen diese Veranstaltung frei gegeben hat.

    Von allen gibt es keine Richtige Stellungnahme.
    Mann verweist immer darauf , das die Untersuchung laufe,und mann erst mal abwarten müsse.
    Ich sage dazu purre Feigheit.
    Hier versucht jeder seine Haut zuretten.

    Der OB hat versagt, und sollte dazu stehen. und zurück treten

    Meine Gedanken sin bei den Opfern und Verletzten, sowie bei den Angehörigen.

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