Handy-King in der Krise: Neuer Nokia-Chef soll endlich Smartphone-Sektor pushen

20. Juli 2010 | by TechFieber.de

nokia ceo olli-pekka kallasvuoNeue Besen kehren gut: Ein neuer Chef soll es nun also richten beim mehr und mehr abstürzenden Handy-König Nokia – laut dem „Wall Street Journal“ steht der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia unmittelbar davor, den aktuellen Konzern-Chef Olli-Pekka Kallasvuo (Foto oben) zu ersetzen.

Mindestens zwei Kandidaten aus den USA seien bereits angesprochen worden, der Nokia-Aufsichtsrat strebe eine Entscheidung bis Ende des Monats an, berichtete das „Wall Street Journal“ am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen.

Nokia hat Probleme bei den boomenden und lukrativen Smartphones, den Computer-Handys mit mobilem Internet-Zugang. Der finnische Konzern ist zwar immer noch größter Smartphone-Hersteller mit einem Marktanteil von zuletzt knapp 40 Prozent. Die Initiative in dem Bereich haben jedoch Apple mit seinem iPhone und Google mit dem Betriebssystem Android an sich gerissen. Nokias Versuche, das Steuer herumzureißen, blieben bisher wenig erfolgreich.

Der aktuelle Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo steht seit 2006 an der Spitze des weltgrößten Handy-Herstellers. Der Zeitung zufolge hat ein Chef eines großen US-Technologiekonzerns Nokia abgesagt, weil er nicht nach Finnland ziehen wollte. Auch ein weiterer Manager aus den USA sei bereit für den Job interviewt worden, hieß es. Der Aufsichtsrat mache ernst mit einem Wechsel.

Die Smartphones sind ein schnell wachsender Markt. Wichtiger noch, es ist nach einhelliger Meinung von Experten der wichtigste Zukunftsbereich. Im Moment geht es um die Eroberung von Neuland. Bisher nutzen weitaus die meisten Menschen einfache Handys, bei denen Nokia sehr stark ist. Doch die Computer-Telefone sind rapide auf dem Vormarsch. Zu Jahresbeginn war etwa jedes sechste verkaufte Handy ein Smartphone, Branchenbeobachter rechnen jedoch damit, dass bereits in wenigen Jahren zumindest in der westlichen Welt mehr Smartphones als herkömmliche Telefone – und auch mehr als Computer – verkauft werden. Zu Nokias Problemen kommt hinzu, dass die Finnen im wichtigen US-Markt kaum vertreten sind.

Verliert Nokia den Anschluss, läuft die langjährige Nummer eins Gefahr, mit der Zeit vor allem auf die Märkte der Entwicklungsländer reduziert zu werden. Dort wächst die Zahl der Mobilfunknutzer zwar explosionsartig – man kann aber vor allem günstige Handys verkaufen, mit denen man weniger Gewinn macht. Hingegen sind Smartphones ein überaus profitables Geschäft. Schon heute macht Apple nach Berechnungen von Experten mit Mobiltelefonen mehr Gewinn als Nokia – muss dafür aber deutlich weniger Geräte verkaufen.

Noch vor wenigen Jahren hielt Nokia zwei Drittel des damals noch kleinen Smartphone-Marktes. Mit der wachsenden Popularität der High-Tech-Handys schwand jedoch der Marktanteil der Finnen. Bei mobilen E-Mail-Diensten sind die BlackBerry-Handys von Research in Motion stark. Apple veränderte das Geschäft mit dem Start seines iPhone 2007 mit einem Fokus auf Software und eine einfache Bedienung. Die Stärke von Android ist die Vielzahl der Hersteller, die Telefone mit dem offenen Betriebssystem anbieten.

Nokia versuchte in den vergangenen Jahren immer wieder, bei Smartphones mit der Konkurrenz mitzuhalten. Ähnlich wie bei Apple gibt es zum Beispiel einen Musikdienst und eine Software-Plattform. Doch die Popularität der Dienste und Geräte von Nokia hielt sich in Grenzen. Im Juni musste der Konzern seine Gewinnprognose senken – wegen der Schwächen im Smartphone-Bereich.

Nokia hofft nun auf das neue Smartphone N8, eine neue Version des Betriebssystems Symbian und eine Kooperation mit dem weltgrößten Chiphersteller Intel mit dem zusammen das neue Betriebssystem MeeGo entwickelt wird. Mit MeeGo hoffen die Partner, eine Plattform für alle möglichen Arten mobiler Geräte etablieren zu können.

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Comment (1)

  1. […] von Nokia überhaupt nicht, weshalb diese beschlossen haben sollen, Nokia CEO Olli-Pekka Kallasvuo abzulösen. Zumindest wird in der Wirtschaftpresse darüber berichtet, dass inzwischen mehrere Gespräche mit […]

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