Computer-Erfinder: 100 Jahre Konrad Zuse – Interview mit Sohn Horst Zuse

21. Juni 2010 | by TechFieber.de

konrad zuse

Wer etwas über Konrad Zuse, den Computer-Pionier erfahren will, stößt im Internet schnell auf seinen Sohn Horst Zuse. Der 64 Jahre alte Berliner verwaltet das Erbe des Erfinders. Der Informatik-Fachmann arbeitet an der Technischen Universität Berlin als Privatdozent.

Ihr in Fachkreisen prominenter Vater wäre am 22. Juni 100 Jahre alt geworden. Wie viele Interview-Anfragen haben sie schon bekommen?

Zuse: «So 50 in etwa. Ich habe aufgehört zu zählen. Es sind viele gewesen und es hört nicht auf. Hinzu kommen noch Mails.» Sie kommen kaum noch zu ihrem eigentlichen Job?

Zuse: «So ist es. Es ist total verrückt.» Und sind Sie froh, wenn der Rummel vorbei ist?

Zuse: «Es ist natürlich sehr anstrengend. Und ich habe gerade eigentlich auch andere interessante Projekte. Aber sagen wir es mal so: Er hat’s auch verdient. Er hat ja einen guten Job gemacht. Und irgendeiner aus der Familie muss jetzt dafür geradestehen.»

Sie können sein Lebenswerk als Fachmann aber auch gut erklären, oder?

Zuse: «Ich haben den Vorteil, dass ich das alles verstehe. Mein Intelligenzquotient reicht dazu bei weitem aus. Und ich bin der älteste Sohn. An irgendeinen müssen sich die Leute nun mal halten.»

Sie haben eben «guter Job» gesagt. Klingt das nicht ein bisschen lapidar für eine so weitreichende Erfindung?

Zuse: «Na ja, ein guter Job ist ein guter Job. Es ist nicht bös‘ gemeint. Er hat wirklich tolle Arbeit geleistet – mit vielen Visionen, viel Kreativität und Besessenheit. Es ist schon toll, wie viele Institutionen jetzt aufstehen und sich mit dem Thema beschäftigen. Und nächstes Jahr haben wir noch ein Jubiläum, da wird der Z3 – einer seiner wegweisenden Computer – 70 Jahre alt. Einen Nachbau werden wir am 26. Juni in Hünfeld präsentieren.»

Bei aller Ehre: Weltbekannt ist ihr Vater irgendwie nicht. Wieso?

Zuse: «Das hat sich in Deutschland ganz kräftig geändert. Wenn ich meine Kreditkarte zücke oder ein Taxi telefonisch bestelle, wird gefragt: ”Sind Sie etwa der Zuse?” Das Erstaunen ist groß, dass es diese direkte Linie gibt. Wir waren fünf Kinder, jetzt sind es noch drei und ich bin der Älteste, der das Erbe meines Vaters vertritt.»

Der Job ihres Vaters hat auf Sie abgefärbt.

Zuse: «Als er seine Firma 1949 in Osthessen gegründet hat, durfte ich häufig mit zur Arbeit. Ich war ein interessierter Junge. An den Mann vom Teilelager gab’s die Anordnung meines Vaters: ”Alles, was nicht gebraucht wird, bitte einpacken. Das nehme ich mit für meinen Sohn.” Das war viel Zeug. Aber schlechtere Bauteile waren noch gut genug für mich. Mit den Teilen habe ich meine Märklin-Eisenbahn gesteuert. Das hat mich geformt, daher mein Faible für Elektrotechnik.»

Trotz der Erfindung: Reich ist ihr Vater nicht geworden, nicht wahr?

Zuse: «Er ist nicht reich geworden. Er war aber auch nie arm, immer dazwischen, immer im Mittelstand. Da befinde ich mich auch und fühle mich eigentlich ganz wohl.»

Jörn Perske/dpa / Foto dpa

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