Samsung vor PR-Gau: Klage gegen Journalisten wegen Glosse

13. Mai 2010 | by Fritz Effenberger

Der britische, derzeit in Südkorea lebende Journalist und Autor Michael Breen machte in einem Artikel in der Korea Times Spässe über den Grosskonzern Samsung, seine Führungsetage und die in der Vergangenheit zahlreich aufgedeckten Korruptionsskandale von siemens’schen Ausmassen. Reaktion des Unternehmens? Eine Klage wegen Beleidigung und üble Nachrede. Auf die Anregung, er möge sich doch wenigstens entschuldigen, entgegnete Breen, er wisse nicht, bei wem und wofür er sich entschuldigen solle. „Und überhaupt“ wird er wörtlich zitiert“, „seit wann haben die Reichen und Mächtigen darüber zu entscheiden, was lustig ist?“ Die Zeitung hat sich vom Artikel distanziert, worauf hin der Konzern seine Vorwürfe gegen sie fallen liess. Samsung hält die Klage gegen Breen aufrecht und will einen Schadenersatz von einer Million USD erstreiten; der Rest der Welt holt sich schon mal Popcorn, wartet auf den Streisand-Effekt und sieht dabei zu, wie sich einer der bedeutendsten Elektronikhersteller dieses Planeten unnötig in ein PR-Desaster manöveriert.

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Comment (1)

  1. Karl says:

    Das wird bitterböse in die Hose gehen, wenn Samsung das wirklich durchzieht.
    Einerseits ist die Reaktion zwar teils verständlich, bedenkt man die Gefahr des Gesichtsverlusts, den direkte (selbst berechtigte) Kritik in Asien mit sich bringt, andererseits aber ist das selbstmörderisch aus PR-Sicht. Hat man denn bei Samsung keine PR-Berater, keine Social Media Experten? Oder haben die in den streng hirarchischen Strukturen nur nichts zu melden, wenn der CEO erst mal sauer ist? Hat man von Nestlés Fehlern in der Greenpeace-Sache nichts gelernt?

    Wie auch immer:
    Es scheint in Korea ein Gestz zu geben, das üble Nachrede selbst dann unter Strafe stellt, wenn sie der Wahrheit entspricht. Insofern hat Breen schlechte Karten, wenn Lee Kun-Hee sich nicht wieder einkriegt.

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