[Business] Mehr Kontrolle: SPD und FDP fordern Konsequenzen für Rating-Agenturen

29. April 2010 | by TechFieber.de

Angesichts der europäischen Finanzkrise fordern SPD und FDP auch Konsequenzen für die Rating-Agenturen. Der Vize-Sprecher der parlamentarischen Linken in der SPD, Carsten Sieling, sagte, das Schicksal ganzer Länder und letztlich die Stabilität des Euro dürfe nicht «einzig und allein vom Urteil einer Rating-Agentur abhängen». Deshalb werde eine europäische Ratingagentur gebraucht, die frei von politischer Einflussnahme agieren könne, sagte er dem «Handelsblatt Online». Zudem müsse es die Einsicht geben, dass externes Rating in keinem Fall die eigene Risikoanalyse ersetzt.

Sieling sagte, nicht nur die Griechen hätten «gemogelt, auch die Ratingagenturen tragen mit ihrer aktuellen Bewertung maßgeblich zur Krise und deren Verschärfung bei». Er kritisierte, dass die Politik den Rating-Agenturen einen enormen Einfluss auf die Finanzmärkte übertragen habe, was sich jetzt räche.

Zuvor hatte sich Außenminister Guido Westerwelle (FDP) für eine unabhängige europäische Rating-Agentur ausgesprochen. Aus der Finanz- und Wirtschaftskrise müsse schnellstens die Lehre gezogen werden, dass die Europäische Union «der Tätigkeit von Rating-Agenturen eigene Bemühungen entgegensetzt», sagte Westerwelle den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Donnerstagausgaben). Er sei daher dafür, dass so schnell wie möglich eine unabhängige europäische Rating-Agentur entwickelt werde.

Führende Ökonomen kritisierten die Ratingagentur Standard & Poors heftig für die Abwertung Griechenlands und Portugals. «Wir sollten das Wohl Europas nicht von den Ratingagenturen abhängig machen», sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe). «Die Ratingagenturen haben von Beginn der Finanzkrise an versagt – warum sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) in dieser kritischen Phase überhaupt noch auf ihr Urteil verlassen?», sagte Bofinger.

Die intransparente Methodik der Ratingagentur beklagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower. «Es kann nicht sein, dass Ratingagenturen, die die Finanzkrise zu einem großen Teil mitzuverantworten haben, weil sie wertlosen Papieren Bestnoten verliehen haben, immer noch solch eine herausragende Rolle spielen.»

Auch der Direktor des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, ging mit den Ratingagenturen hart ins Gericht. Er verlangt, dass Ratingagenturen künftig ihre Bonitätsbewertungen graduell vornehmen müssten.

Die Bonitätsprüfer von Standard and Poor’s hatten die Kreditwürdigkeit Griechenlands sowie Spaniens und Portugals gesenkt und die Schuldenkrise damit noch verschärft.

tf/mei/ddp

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