[Business] Karstadt: Ver.di setzt auf klärendes Gespräch mit Triton – Karstadt-Belegschaft über Pläne geschockt

26. April 2010 | by TechFieber.de

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat weitere Zugeständnisse der Karstadt-Belegschaft an einen Investor abgelehnt. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane kündigte am Montag an, kurzfristig ein klärendes Gespräch über mögliche Forderungen des Finanzinvestors Triton im Falle einer Übernahme der insolventen Essener Warenhauskette zu führen. Auch der Vorsitzende des Karstadt-Gesamtbetriebsrates, Hellmut Patzelt, sprach sich für Gespräche mit dem Investor aus.

Offenbar gebe es Überlegungen seitens des Finanzinvestors, einen möglichen Kauf von weiteren Zugeständnissen der rund 26 000 Karstadt-Beschäftigten abhängig zu machen, sagte Mönig-Raane. Die Beschäftigten zahlten «seit nunmehr sechs Jahren einen hohen Preis, um ihrem Unternehmen aus der Krise zu helfen».

Ein Plan zur Fortführung des Unternehmens sollte nicht darauf kalkuliert sein, die Beschäftigten ein weiteres Mal zur Kasse zu bitten, sagte die Gewerkschafterin. «150 Millionen Euro allein aus dem laufenden Sanierungstarifvertrag sind ein sehr bedeutender und großer Beitrag, mehr geht nicht», sagte sie.

Die Pläne von Triton hätten bei der Belegschaft einen «Schock» ausgelöst, betonte Patzelt. Die Belegschaft habe durch ihren Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereits ihren Beitrag geleistet. Dafür müsse es eine Beschäftigungs- und Standortgarantie geben, betonte der Betriebsratsvorsitzende. «Karstadt ist jetzt wirtschaftlich gesund und entschuldet», sagte er. Deswegen müsse das Unternehmen auch erhalten bleiben und dürfe nicht zerschlagen werden.

Einem Bericht der «Bild am Sonntag» zufolge sieht das Triton-Konzept den Abbau von 4000 der 26 000 Arbeitsplätze vor. Zudem sollen die Mietzahlungen deutlich gekürzt werden. Der Kaufpreis belaufe sich schließlich auf 30 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen sollen als Investitionen bereitstehen. Sprecher des Insolvenzverwalters sowie von Triton wollten den Bericht nicht kommentieren.

Der Karstadt-Gläubigerausschuss hatte am Wochenende über das von der Investorengruppe vorgelegte Angebot beraten. Ein Triton-Sprecher sagte, es sei wichtig, die strukturellen Probleme von Karstadt zügig anzugehen. Dabei müssten alle Seiten Zugeständnisse machen. Das von der deutsch-skandinavischen Beteiligungsgesellschaft vorgelegte Konzept ist dem Sprecher zufolge durchaus verhandelbar.

Das Gespräch mit dem Gläubigerausschuss bezeichnete der Triton-Sprecher als «konstruktiv» und als gute Basis für weitere Verhandlungen. In den kommenden Tagen werde es nun zu Einzelgesprächen mit Arbeitnehmern, Management und Vermietern über das Angebot sowie das ebenfalls eingereichte Sanierungskonzept kommen. Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg habe sich bereit erklärt, diese zu moderieren.

Der Handelsexperte Thomas Roeb sieht derweil auch nach einer Übernahme durch Triton keine Chancen für Karstadt, langfristig alleine am Markt zu überleben. «Ich erwarte ein späteres Zusammengehen mit einem Kaufhof-Investor», sagte der Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu «Handelsblatt Online». Karstadt sei auf Dauer alleine nicht zu halten, denn es schließe schon seit Jahren Filialen. Dass der deutsch-schwedische Finanzinvestor eine Kooperation mit der Warenhauskette Kaufhof ausgeschlossen hat, betrachtet der Handelsexperte als «Bluff».

Die im Raum stehende Reduzierung der Belegschaft um 4000 Mitarbeiter hält Roeb zugleich für das Minimum. «Das ist nur möglich, wenn die Zentrale weiterbetrieben wird und weniger als 20 Filialen geschlossen werden.» Das aber erachtet der Experte betriebswirtschaftlich langfristig nicht für sehr wahrscheinlich. «Eigentlich müssten bis zu dreimal so viele Stellen wegfallen», sagte er.

(Weitere Quellen: Mönig-Raane in Mitteilung; Patzelt auf ddp-Nachfrage)

tf/mei/ddp

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