Rettung in Sicht? Hochverschuldeter Telekom-Riese Telecom Italia hofft auf Brasilien

13. April 2010 | by TechFieber.de

Telecom Italia Brasilien Der hoch verschuldete Telekomkonzern Telecom Italia muss weiter kämpfen. Erst 2012 hofft Telecom-Italia-Chef Franco Bernabe, den Umsatzrückgang der vergangenen Jahre zu stoppen und den operative Gewinn weiter zu stabilisieren. Ursprünglich war ein leichtes Wachstum bereits ein Jahr eher geplant. Stattdessen will der hochverschuldete Telekomkonzern noch stärker sparen und Investitionen noch sorgfältigerauswählen. Seine Hoffnungen setzt Bernabe auf den Heimatmarkt und den Wachstumsmotor des Konzerns: Brasilien. An der Börse wurden vor allem diegeplanten weiteren Einsparungen mit einem Kurssprung belohnt. Am Vormittag stiegdie Aktie an der Spitze des EuroSTOXX 50 um mehr als sechs Prozent.

„Wir brauchen eine grundlegende Veränderung“, kündigte Bernabe am Dienstagvor Investoren in Mailand an. Wie andere europäische Telekomkonzerne leidetTelecom Italia vor allem auf dem Heimatmarkt unter dem Preisverfall imklassischen Sprachgeschäft und will künftig verstärkt auf Wachstumsfelder wieInternetdienste in Festnetz und Mobilfunk setzen. Damit setzt Bernabe auf diegleiche Strategie wie sein deutscher Kollege Rene Obermann. Der Telekom-Chef kündigte jüngst an, den Umsatzanteil von Dienstleistungen rund um dasInternet in den nächsten Jahren verdoppeln zu wollen.

UMSATZ UND EBITDA STABILISIEREN

Die Italiener wollen ihre Umsätze bis 2012 im Schnitt jährlich um etwa einProzent steigern. Der Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern (EBITDA)soll auf etwa 12 Milliarden Euro anwachsen. Für das laufende Jahr ist Bernabehingegen pessimistischer. 2010 rechnet Telecom Italia immer noch mit einemUmsatzrückgang von zwei bis drei Prozent. Das EBITDA soll 2010 wie imvergangenen Jahr bei 11,3 Milliarden Euro liegen.

Noch schlanker will Bernabe seinen Konzern in Zukunft aufstellen. Dafürtritt er weiter auf die Kostenbremse: Ganze 2,7 Milliarden Euro sollen bis 2012gespart werden. Der laufende Stellenabbau soll aber bis Ende 2010 abgeschlossensein. Weltweit beschäftige Telecom Italia Ende 2009 etwas mehr als 70.000Mitarbeiter, 60.000 davon Italien. In den vergangenen zwei Jahren wurden alleinauf dem Heimatmarkt zehn Prozent der Arbeitsplätze abgebaut. Effizienz wird beiTelecom Italia künftig weiter groß geschrieben. Auch die Umstellung der Netzeauf IT-Technik soll Kosten sparen.

KERNMÄRKTE IM FOKUS

Dabei konzentrieren sich die Italiener auf ihre Kernmärkte. Brasilien sollweiter die Rolle des Wachstumsmotors übernehmen. Doch auch den Heimatmarkt, miteinem Umsatzanteil von 80 Prozent das wichtigste Segment, will Bernabe nicht ausden Augen verlieren. Hier will der Telecom-Italia-Chef den Umschwung schaffenund den Umsatzrückgang stoppen. Durch Handys und Tarife angelockte neueMobilfunkkunden und Zusatzangebote im Festnetz sollen das Geld bringen. WeiterenÜbernahmen in anderen Regionen erteilte Bernabe eine Absage, Randgeschäftesollen verkauft werden. Die Schulden des Konzerns sollen bis Ende 2012 auf 28Milliarden Euro (2009: 34,7 Mrd Euro) gesenkt werden. Ein höherer Cashflow undweniger Investitionen sollen ihr Übriges tun.

Eckdaten für 2009 hatte Telecom Italia bereits Ende Februar vorgelegt. DasWachstums in Brasilien konnte den Rückgang auf dem Heimatmarkt im vergangenenJahr nicht ausgleichen. Die Umsätze gingen um rund 6 Prozent auf 27,2 MilliardenEuro zurück. Unterm Strich verdiente der angeschlagene Telekomkonzern imvergangenen Jahr wegen höherer Steuern und Abschreibungen auf die inzwischenverkaufte deutsche Tochter Hansenet nur 1,6 Milliarden Euro. Das waren rund 600Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Wegen Geldwäsche-Untersuchungen bei derKabeltochter Sparkle hatte Telecom Italia im Februar seine Bilanzvorlage aufApril verschoben. 507 Millionen Euro wurden 2009 für einen möglichen Prozesszurückgestellt. Seinen Aktionären will der italienische Konzern trotzdem eineDividende von 0,05 Euro zahlen. Ab dem kommenden Jahr will Bernabe aber eine“wachsende Dividendenpolitik“ starten.

tf/mei/ddp

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