[Porträt] Peter Frey ist der neue Chefredakteur des ZDF

10. Dezember 2009 | by Alex Reiger

Peter Frey Chefredakteur ZDF

Peter Frey wird neuer Chefredakteur des ZDF. Der 52-jährige Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios ist am Donnerstag einstimmig vom Verwaltungsrat des Senders als Nachfolger von Nikolaus Brender an die Spitze der Redaktion gewählt worden. Ein Ziel seiner Karriereplanung? «Nein, es kommt auf ihn zu, ohne dass er krampfhaft danach streben muss», sagt Klaus Bresser, von 1988 bis 2000 Chefredakteur des Mainzer Senders. Frey sei ein «unabhängiger und nach allen Seiten kritischer Journalist, hoch anerkannt im ZDF, ein Teamplayer».

Nach seiner Wahl hatte Bresser den damals 31-jährigen Frey zu seinem persönlichen Referenten ernannt. Als Bresser Jahre später ausschied, empfahl er Frey als Nachfolger, der den Gremien jedoch zu jung war. Auf Bresser folgte Brender, dessen erneute Vertragsverlängerung vor zwei Wochen im ZDF-Verwaltungsrat auf Betreiben des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) scheiterte.

Im Hauptstadtstudio heißt es, Frey habe gezögert, als ihm der Chefposten nach Brenders feststehender Demission von ZDF-Intendant Markus Schächter angetragen wurde. Frey hatte mit anderen ZDF-Spitzenjournalisten den Umgang mit Brender als «schweren Eingriff in die Rundfunkfreiheit» kritisiert.

Die Wahl von Brenders Nachfolger erscheine in einem merkwürdigen Licht, sagt Bresser im ddp-Gespräch. Der Sender wirke nicht mehr staatsfern. «Das muss Peter Frey behelligen. Aber er muss Ja sagen, wenn ihm das angetragen wird, denn er hat die Qualität, um zu beweisen, dass dieser Sender ein unabhängiges Institut ist, glaubwürdig und eigenständig.»

Auch Freys Selbstverständnis als berichtender Journalist soll sein Zögern bedingt haben, heißt es in Berlin. Aus der Hauptstadt beliefert er alle aktuellen Sendungen des ZDF, hier ist er ausgezeichnet vernetzt.

Als Chefredakteur muss er den Sender spätestens ab April 2010 vom Büro aus managen. «Es ist für ihn ein neuer Beruf, in dem er mehr für andere Zeit haben muss als für sich selbst», sagt Bresser, der vor seiner Zeit als Chefredakteur Innenpolitik-Chef war und die Umstellung selbst erlebt hat: «Er muss die Finanzen und das Personal managen, muss dabei aber aufpassen, nicht nur Manager zu sein.»

Mit dem Wechsel nach Mainz kehrt Frey, der verheiratet ist und eine Tochter hat, in seine Heimat zurück. 1957 wurde er in Bingen am Rhein geboren, rund 30 Kilometer von seinem künftigen Arbeitsplatz am Mainzer Lerchenberg entfernt. Ab 1978 studierte er in der Landeshauptstadt Politikwissenschaft, Pädagogik und Romanistik an der Johannes-Gutenberg-Universität.

Zwischen 1981 und 1983 absolvierte Frey Studienaufenthalte in Madrid und war Stipendiat des spanischen Außenministeriums – die Grundlage seiner späteren Tätigkeit als Auslandskorrespondent. Er promovierte und berichtete nach dem Studium als Reporter aus Mexiko, Nicaragua, Polen und Spanien für das ZDF-«heute-journal», später als stellvertretender Leiter des ZDF-Studios Washington vom Golfkrieg.

Ab 1992 baute Frey dann das ZDF-«Morgenmagazin» auf, das er bis 1998 leitete und moderierte. Aus der Frühschicht wechselte er als Leiter in die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik und moderierte das «Auslandsjournal», ehe er das Hauptstadtstudio übernahm.

Als einer der ersten öffentlich-rechtlichen Journalisten traute sich Frey mit dem Blog «Freytag – Die Woche in Berlin» ins Internet. Die Ausrichtung des ZDF auf eine Verjüngung des Publikums wird ihm intern zugetraut.

Die Gefahr als Chefredakteur bestehe allerdings darin, «dass man sich erschöpft in den Auseinandersetzungen mit den Gremien, die mit Stellungnahmen und Vorlagen befriedigt werden müssen», sagt Bresser. «Frey wird das packen, er ist nicht zahm oder zahnlos, sondern kann sich durchsetzen.»

Der neue Chefredakteur sieht als seine Hauptaufgabe, »die Glaubwürdigkeit des Senders, die in der öffentlichen Wahrnehmung gelitten hat, wiederherzustellen«. »Wir werden uns jetzt wieder auf den Kern konzentrieren: ein informatives, relevantes und innovatives Programm zu machen, das die Vielfalt unserer Gesellschaft widerspiegelt“, sagte Frey nach seiner Berufung. [Torsten Landsberg/ddp/ Photo: ddp]

Mehr bei TechFieber zum Thema: , , , , , ,

Antwort schreiben