[Test] Dell Studio One 19 All-In-One-PC

7. Juni 2009 | by Fritz Effenberger

Dell wagt sich immer weiter in die knifflige Branche der Lifestyle-Produkte vor. Jetzt ist auch hierzulande ein All-In-One-PC mit Designer-gehäuse und Touch-Screen mit im Programm: Grund genug, dieses Exemplar auszupacken, anzuschliessen und zu testen.

Gefallen will der Studio One durch die Multimedia-Orientierung und durch seine Tablet-PC-Eigenschaften. Schon beim Auspacken fällt auf: Der ist aber hübsch. Und schwer. Letzteres liegt am massiven Standfuss, der den weit kippbaren 18,5inch-Bildschirm (16:9, HD, 1366 x 768 Pixel) sicher hält. Das Design ist ausgesprochen gelungen, die Anschlüsse schön versteckt, die leider etwas schwachen Lautsprecher unter dem textiligen Rand versteckt. Die mitgelieferte Tastatur ist wie die Maus drahtlos gehalten, Batterien liegen mit im Karton, ebenso wie CDs der installierten Software und eine hilfreiche Anleitung. Also nur das Netzkabel und womöglich ein Netzwerkkabel für den Internetanschluss einstecken und los, die Autokonfiguration macht keine Probleme. Durch kabellose Eingabegeräte und integriertes WLAN bleibt der Computertisch geradezu „frauenkompatibel“ aufgeräumt. Wirklich benötigt wird nur das Netzkabel.

Touch me, i’m Dell

Um die Touchscreen-Funktion zu nutzen, muss man sich nur die selbstabspielende Erklärung angucken, von da ab lässt sich so gut wie alles direkt auf dem Bildschirm abtippen. Mulder und Scully würden daran allerdings ihre helle Freude haben, noch nie war es so einfach, schöne Fingerabdrücke zu bekommen. Da freut man sich über das beiliegende Mikrofasertüchlein, um das spiegelnde Display wieder sauber zu bekommen. Aber unabhängig von der Eingabeweise, mit Fingerabdrucksbefehl oder der durch das integrierte Batteriefach gewöhnungsbedürftig dicklichen Maus, reagiert das eingesetzte Windows Vista Home Premium 64 merklich träge, ja fast lustlos. Mann muss Geduld mitbringen, um mit dem Studio One Spass zu haben.

Was er gut kann, ist Unterhaltung liefern, DVDs abspielen, Musik hören. Das Bild ist tadellos, der Ton leidet allerdings unter Bassschwäche, die sich auch mit den vorhandenen Equalizer-Voreinstellungen nicht beheben lässt: Gibt man nur etwas zuviel Druck, fangen die Speaker an zu knirschen, der Sound wird unschön. Bei normaler Schreibtisch- und Fernsehlautstärke dürfte das aber kein Problem sein, ansonsten gibt’s eine Audio-Out-Buchse. Auch das Verstellen der Lautstärke während der Musikwiedergabe bringt ein Rascheln zu Gehör, wie man es sonst nur von antiken, eingestaubten Analog-Mischpulten kennt; kleine akustische Schönheitsflecken.

Technik und Gegenwert

Unter der Haube schnurrt ein adäquater Motor: Ein Intel Core2 Duo E7500 (2,93 GHz, 1.066 Mhz Bus, 3 MB Cache) Prozessor, unterstützt von 3 GB Arbeitsspeicher und einer 500 GB Festplatte, plus DVD -Laufwerk. Die Nvidia GeForce 9400-Grafikkarte ist nicht wirklich Crysis-tauglich, macht aber beim Filme anschauen und bei weniger hardwarefressenden Spielen eine gute Figur.

Das alles kostet 999 Euro, plus 29 € Versand, und 50 € weniger beim aktuellen Angebot (die etwas schwächere Ausführung kommt ab 749). Nur: Dafür (bzw. 1099 €) bekommt man auch einen Apple iMac, mit grösserem 20inch-Bildschirm, der selben Grafikkarte, etwas niedrigeren Leistungsdaten bei Prozessor und Speicher. Und einer weit besseren Klangwiedergabe, plus einem überlegenen Betriebssystem. Aber ohne Touchscreen-Funktionalität. Wieviel ist die nun eigentlich wert? Das Problem hier haben alle Avantgardisten: Es gibt derzeit nur wenige Computer mit Touchscreen, sie bilden noch keine eigene Gattung und bieten wenige Vergleichsmöglichkeiten. Natürlich ist es nett, Anweisungen direkt auf den Bildschirm zu stupsen. Wie beim iPhone. Aber ist die „klassische“ Bedienung per Tastatur und Maus nicht auf Dauer bequemer? Ich bin nicht Prophet genug, um das sagen zu können, wir müssen hier die Entwicklung wohl abwarten. Völlig überzeugt bin ich jedenfalls noch nicht.

Lifestyle Computing

Der Studio One 19 ist ein Gerät für die Abteilung „Lifestyle“. Wer das gelungene Design und die Touch-Funktion nicht unbedingt braucht, bekommt für dasselbe Geld beim selben Hersteller (und bei anderen) einen hochklassigen (wenn auch nicht extremen) Gaming-PC, oder eine dem Studio One 19 vergleichbare Leistung in weniger schicker Aufmachung für knapp über die Hälfte. Selbst entsprechende Notebooks mit teilweise etwas schmalerem Bildschirm (17 statt 18,5 inch) sind günstiger zu haben. Also? Wer sollte dann so ein Gerät haben wollen? Jemand mit mehr Ansprüchen an das Aussehen als an rohe Performance kann zugreifen. Alle anderen Computerbenutzer werden mit dem Dell Studio One 19 nicht glücklich. Dabei wär er so hübsch…

(Der Screen oben auf dem Bild zeigt eine Szene aus einem alten Flash-Gordon-Movie)

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Kommentare (2)

  1. […] ich doch gerne aus. Der ausführliche Test des Dell Studio One 19 steht wahlweise auf 11tech und techfieber zum Lesen bereit, hier die Fakten in kurzen […]

  2. […] ich beim Dell Studio One 19 (siehe techfieber-test) noch das Verhältnis von Ausstattung und Preis – gerade im Vergleich mit den angeblich so […]

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