Zeitungskrise: Printverlage am Rande des Nervenzusammenbruchs

12. April 2009 | by Fritz Effenberger

Die Zeitungskrise ist ja streng genommen nichts Neues, sondern nur der aktuelle Stand einer über zehn Jahre langen Entwicklung. Jetzt treffen sich die Chefs bedeutender Zeitungsverlage im kalifornischen San Diego, um Auswege zu diskutieren. Der Media Consultant Alan Mutter beschreibt in seinem Blog Newsosaur die Verzweiflung der Verlagsleiter.

Man zerbricht sich die Köpfe, wie man…
– einen Teil des jährlichen 100 Mio. USD Umsatzes auf Craigslist zurückbekommen
– von Newsaggregatoren Geld für die News bekommen
– einen Teil der jährlichen 10 Milliarden Suchmaschinenumsätze kriegen
– für Online-News vom Leser Geld verlangen kann.
Ich bin mir völlig darüber im Klaren, dass auf mich eh keiner hört (Naja, doch…), aber die Antwort heisst hier immer: Nein. Garnicht.

Online Content zu verkaufen, egal mit welchem Geschäftsmodell, ist sinnlos. Mag sein, dass es irgendwann eine Pauschalabgabe auf Internetanschlüsse geben wird, aber diese wird sicher nicht fallende Anzeigenerlöse ausgleichen können.

Die Situation der Zeitungen ähnelt nur ungefähr der Problematik der Unterhaltungsindustrien. Weil sie zwar rechtzeitig erkannt haben, dass man Inhalte im Weg nur kostenlos verteilen kann, diese aber im Angesicht des aktuellen wirtschaftlichen Jammertals trotzdem nicht vermarkten können.

Also? Der Ausweg? Ich sage: Keiner. Die goldenen Zeiten sind für Verlage vorbei. Und damit auch für Journalisten wie mich. Und schuld ist daran niemand, als die unaufhörliche Weiterentwicklung der Technik, die zuerst kontrollierbare Vertriebsmodelle für Text ermöglichte (Papier, Druckmaschinen) und dann kostengünstige, aber unkontrollierte (Internet, Digitalkopie).

So wie die Einführung der Massenproduktion weite Teile der Handwerkerpopulation arbeitslos machte (wer kauft noch Schuhe beim Schuster?), wird die Massen-Informations-Verteilung der elektronischen Medien Teile der Verlagsindustrien als überflüssig zurücklassen.

Ich finde, wir sollten uns deswegen aber keine Sorgen machen. Es ist eine Transformation, kein Niedergang. Kein Problem: Dann verdiene ich eben kein Geld mehr mit Text, sondern mit etwas anderem, und schreibe weiterhin in meiner Freizeit Blogs voll. Oder, was meint ihr?

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Kommentare (2)

  1. Tommes says:

    Geld bezahlen für Webinhalte? Warum nicht? Viele Verlage machen es vor, Headlines kostenlos, den ganzen, ausführlichen Artikel für einen EUR. Ich mache davon ab und zu Gebrauch, zumindest wenn es um Aktuelle Nachrichten oder ausführliche Tests geht.
    Fachzeitschriften lese ich zur Zeit lieber auf Papier. Die kann ich überall hin mitnehmen und lesen, selbst auf einer in der Sonne stehenden Parkbank, wo es weder einen Stromanschluß gibt, noch Notebookdisplays gegen das helle Tageslicht ankämen.
    Das Medium Papier ist noch lange nicht tot und wird auch seine Berechtigung behalten, vierliert aber an Stellenwert.
    Die Zeitung hat ja schließlich auch Radio und Fernsehen überlebt.

    Digitale Bilderrahmen sind ja auch ganz schön, aber ein gedrucktes Bild ist mir lieber. Sicher werden beide Techniken parallel bestehenbleiben.
    Hörbücher nehme ich gerne auf langen Autofahrten mit oder liege abends auf dem Sofa und höre einer Geschhichte zu, aber trotzdem lese ich gerne Bücher.
    Hier müssen Verlage sich halt umstellen und Ihre Produkte (Information) auch auf anderen Medien bereitstellen können.

    Warum gibt es bei meiner Tageszeitung (RuhrNachrichten) kein Internet ABO? Ich kann die gedruckte Zeitung abonieren. Dann bekomme ich jeden Tag Papier ins Haus. Ich komme aber nicht jeden Tag dazu die Zeitung zu lesen und finde es unangenehm, die nicht gelesenen Zeitungen einfach ungelesen auch den Stapel mit dem Papiermüll zu legen. Besser wäre für mich, ich hätte für den gleiche Preis einen Internetzugang auf genau die Inhalte meiner Tageszeitung, incl Archiv für den Zeitraum meines ABOs. Also meine Entscheidung, welches Medium ich für meine Information bevorzuge.

    Es ist nich meine Aufgabe sich über Möglichkeiten für Verlage Gedanken zu machen aber Selbige gibt es genug. Die Vorstände, die mit ihren unverhältnismäßigen Salären ihre Unternhemen ausbluten, sollten sich mal ECHTE Gedanken machen. Meist sind Diese aber durch ihr Übermass an finanzieller Entlohnung zu weit von den Massenbedürfnissen entfernt, als dass für ein Unternehmen, das den Massenmarkt befriedigt, sinvolle Ideen herauskommen könnten.

    Opel steckt nicht in der Kriese, weil niemand mehr Autos braucht, sondern wegen einer Fülle von Fehlentscheidungen und einem Mangel an weitsichtigen Ideen. Und bei vielen Verlagen ist es nicht anders.

  2. Tommes says:

    oh, oh. Ich bitte meine obigen Tippfehler zu entschuldigen. Korrekturlesen ist also doch sinvoll :-)

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