Winnenden und die Killerspiele

12. März 2009 | by Fritz Effenberger

Nach dem Amoklauf in Winnenden bei Stuttgart steht die Nation unter Schock. Noch ist nicht geklärt, warum der bis dahin unauffällige Teenager sich einfach so aus dem väterlichen Waffenarsenal eine grosskalibrige Handfeuerwaffe (Abbildung ähnlich der Tatwaffe) nehmen konnte, um damit ohne öffentlich wahrgenommene Vorwarnung (dazu gibt es erste Hinweise, es existierte eine Warnung) ein Blutbad anzurichten.

Natürlich wird jetzt nach Antworten gesucht: Warum? Und wie können wir so etwas Schreckliches in Zukunft verhindern? Die örtliche Polizei hat noch keine Ermittlungsergebnisse vorgelegt, da melden sich schon erste Stimmen, die einen Zusammenhang zwischen der Tat und Gewalt darstellenden Medien, in Form der sogenannten „Killerspiele“ sehen. Von persönlichem, nicht weiter zu begründendem Unbehagen einmal abgesehen, gibt es zum Thema buchstäblich Tausende von wissenschaftlichen Studien.

Eins vorneweg: Meinungsgefärbte Statistiken des selbsterklärten Jugend- und Medienforschers und Ex-Innenministers Christian Pfeiffer halten keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand. Methodologie und Beweisführung seiner Arbeiten bleiben auf dem Niveau der Boulevard-Presse und sind mit Vorsicht zu behandeln.

Als ernsthaft kann hier Professor und Director of Comparative Studies am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Henry Jenkins, gelten. Dieser stellte in mehreren Veröffentlichungen die Verhältnisse richtig, und zerstört die gängigen Klischees durch nachprüfbare Fakten. Hier sind die bekanntesten acht Mythen und ihre Auflösung:

1. „Videospiele haben zu einer Epidemie der Jugendgewalt geführt“.
Jenkins: Das Gegenteil ist der Fall, sie geht seit 30 Jahren kontinuierlich zurück.

2. „Wissenschaftliche Forschung beweist eine Verbindung von Videospielen und Jugendaggression“.
Jenkins: Wenn diese Studien überhaupt methologisch sauber sind, zeigen sie nur, dass agressive Menschen aggressive Medien bevorzugen.

3. „Computer- und Videospiele werden für Kinder gemacht“.
Jenkins: Auch wenn mittlerweile so gut wie alle Kinder gerne videospielen, hat sich der Markt auf junge Erwachsene verlagert.

4. „Mädchen spielen nicht am Computer (oder der Videokonsole)“.
Jenkins: Das war früher so. Heute gibt es eigene Genres für Mädchen, und starke weibliche Identifikationsfiguren in Spielen.

5. „Weil Computerspiele zum Training von Soldaten genutzt werden, haben sie dieselbe Wirkung auf Jugendliche“.
Jenkins: Dies wird ausschliesslich vom Ex-Militärausbilder und Moralreformer David Grossman behauptet. Alle Forschung zum Thema zeigt: Computerspiele lehren vor allem eines, nämlich Problemlösung.

6. „Video- (und Computer-) Spiele sind keine ernsthafte Ausdrucksform“.
Jenkins: Dies geht zurück auf eine Urteilsbegründung von 2002, wo ältere, eingleisige Actionspiele zur Begründung herangezogen wurden. Tatsächlich fordert die Mehrzahl heutiger Spiele zu ethischer und moralischer Auseinandersetzung auf.

7. „Computer- (und Video-) Spiele führen zu sozialer Isolation“.
Jenkins: Die meisten Spiele sind sozial. 60 Prozent aller Gamer spielen regelmässig mit Freunden, ein Drittel mit Verwandten, ein Viertel mit Eltern oder Partnern. Selbst Solo-Spiele sind Gegenstand von Hilfestellungen und Diskussionen. Das am stärksten wachsende Segment sind die Multiplayer (MMO)-Spiele.

8. „Video- (und Computer-) Spiele stumpfen den Benutzer ab“.
Jenkins: Schon bei Affen wurde eine Unterscheidung zwischen spielerischem und echtem Kampf festgestellt. Das selbe gilt für Menschen jeden Alters. Die Grundannahme mancher Studien der Verhaltensforschung, spielerische Aggression wäre mit realer gleichzusetzen, ist bestenfalls problematisch, wenn nicht durchwegs falsch.

Wir sehen also, dass Psychologie und Verhaltensforschung sich schon lange von dem Horrorbild gehirnwaschender Freizeitsoftware entfernt hat und statt dessen nüchtern die Vor- und Nachteile des „Bildschirmsports“ diskutieren. Die immer wieder aufkeimende Angst, Menschen gleichwelchen Alters würden sich von Medieninhalten zu Verbrechen aufstacheln lassen, ist vielfach widerlegt worden. Die Tragödie von Winnenden lässt sich also weder auf Fernsehkrimis noch Rockmusik, Comics oder Videospiele zurückführen. Simplifizierende Lösungsansätze wie das Suchen von Verantwortung beim gemeinsamen Bildschirm-Räuber-und-Gendarm-Spiel dieser jungen Generation sollten angesichts dieses Unglücks von 17 erschossenen Menschen verstummen.

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Kommentare (13)

  1. Webnews.de says:

    Winnenden und die Killerspiele: Gaming, Gewalt und alte Mythen…

    Nach dem Amoklauf in Winnenden wird nach Antworten und Gründen gesucht. Ein Zusammenhang mit sogena…

  2. stefan mey says:

    wie kann man nur so naiv sein: brutale ego-shooter a la counterstrike setzen die hemmschwelle zum töten herunter, da gibt es keinen zweifel! wenn ich diese spiele schon sehe, ich könnte kotzen. und diese kids machen nichts anderes als doom und so baller-dreck zu spielen. das ist erbärmlich.

  3. ttwittman says:

    Computerspiele sind Leistungskiller und machen die Spielenden passiv, dräge und dennoch aggressiv, sagen Experten. Daraus erklärt sich auch der Leistungsabfall von Jungs in der Schule, die bekanntermaßen ja deutlich mehr vor dem PC sitzen und ja auch immer mehr zurückfallen hinter Mädchen. Das sind nunmal die Fakten.

  4. strz says:

    Es gibt genug leute die diese Spiele spielen und nicht amok laufen. Diese Killer sind einfach krank und mit den Spielen hat das nichts zu tun

  5. hae says:

    bödsinn….die spiele haben nichts aber auch gar nichts mit den amog-killern zu tun.
    unsere gesellschaft,die politik und die eltern sind es die zu solchen taten führen.

  6. Patrick says:

    Ich selber spiele keine Ballerspiele. Ich bin aber auch nicht dagegen. Ich hatte einfach kein interesse dafür entwickelt. Dennoch finde ich es für sehr wichtig dass dort Aufklärung herscht. Vorallem bei kleinen Kindern. Ob das nun die Eltern tun oder die Schulen, da muss jetzt diskutiert werden. Die Spiele zu verbieten ist meines Erachtens sinnlos. Ich denke es muss an der Erziehung der Eltern angesetzt werden. Aber oft finden die wenig Zeit dafür. Meistens wegen ihrer Arbeit oder mangelndem interesse. Also muss doch wo anders angefangen werden? Die Richtung ist denke ich schonmal die richtige…! Peace

    http://www.patworks.de/2009/03/12/amok-in-der-schule/

  7. Mathias says:

    Stefan es gibt noch tausend von anderen sogenannt (Killerspielen) ausser nur counterstrike ich spiele täglich diese spiele so ein spiel Kann der auslöser sein ich betone kann muss aber nicht und kauf dir mal so ein spiel
    spiel es und dann kanst du erst mit reden peace!!!!

  8. Christian says:

    @ttwittman, @stefan mey:
    ein normaler mensch der ab und zu einen ego-shooter, so die eigentliche bezeichnung des genres, spielt setzt weder seine schulische leistung herab noch wird er träge oder dergleichen. wenn jeder amok laufen tät der solche games bevorzugt, na dann gute nacht, dann würde mindestens ein ausraster pro tag da sein, ist dies der fall? nein

    setzt euch ersteinmal mit dem thema auseinander bevor ihr urteilt

  9. molle says:

    also ich hab auch sehr viel counterstrike und andre egoshooter gezockt kann aber jeder zeit und so aufhören hab jetzt seit 4 1/2 wochen nicht mehr gezockt und ich find das auch nicht schlimm wenn die spiele verboten werden
    wenn die meinen das wäre ein faktor um amokläufer aufzuhalten solln ses halt probieren
    ich glaub kaum das dieser faktor viel bringt
    denn egoshooter bringen niemand um waffen schon dann lieber nen bisschen mehr auf die waffengesetze konzentrieren

    naja viel glück

  10. „Killerspiele“, „Gewaltverherrlichung“ und anderer Murks…

    Seit Winnenden (ja, es gibt tatsächlich eine Stadt, die so heißt und die hat nicht nur eine Schule, sondern da ist richtig ’ne Stadt drumrum gebaut – boah!) hört man ja von nichts anderem mehr als Ausräumung der „gewaltverherrlichenden Killerspie…

  11. Volker says:

    >>brutale ego-shooter a la counterstrike setzen die hemmschwelle zum töten herunter, da gibt es keinen zweifel!<<
    Nee, da gibt es keine Zweifel, auch wenn etliche Studien sagen es ist nicht so, haben unsre Freizeit-Psychologen natürlich viel mehr Ahnung…das sollte schon klar sein.

  12. billige fremkaldelse…

    We’ ve been on a very cool program on Saturday. A photographer magazine organized a big festival in a small place next to lake Balaton, called Balatonfüred and invited all major photo companies like Canon, Nikon, Pentax, Sony… etc with lots of cam…

  13. X KRANKER KEKS X says:

    ich finde solche spiele kann jemandem zum Killer machen , denn selbst ich hab von meinem kleinen bruder so ne unechte waffe genommen und darin so plastikkugeln reingefüllt & hab es dann versucht auf straßen bei schildern in die mitte zutreffen , und das hat so gut geklappt , ich hätte fast gewollt es wäre ein echter mensch :x
    jetzt nix falsches denken (:
    bin ein weib , ich würd nie andere menschen weh tun können ! und wäre erst recht nicht dumm um hierzuschreiben was ich fast getan hätte !
    bin krass sensibel

    HAUTA REiN ! :D

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