[Feature] Unfall-Forschung fordert ergonomische Verbesserungen am Auto – Kleinwagen haben höheres Verletzungsrisiko

unfall kleinwagen forschungBisher war es mehr eine Theorie, doch nun liefern Unfallforscher erste konkrete Belege: Bei einem Frontalaufprall besitzen Pkw-Fahrer mit kleiner Statur wegen ihrer ungünstigeren Sitzposition ein deutlich höheres Verletzungsrisiko. Vor allem für Frauen besteht aufgrund ihrer meist geringeren Durchschnittsgröße ein höheres Risiko, bei einem Frontalaufprall schwer verletzt zu werden. Das ergaben Crashtests der Unfallforscher der Versicherer (UDV) in Berlin.

Simuliert wurden Unfälle in Kleinwagen mit 1,50 Meter großen Dummys. Im ersten Fahrzeug hatten die Unfallforscher die Testpuppe so auf dem Fahrersitz platziert, wie es aus Sicherheitsgründen wünschenswert ist. Da sie so jedoch die Fußpedale nicht erreichen konnte, wurde eine Pedalverlängerung montiert. Im zweiten Wagen rückte der Fahrerdummy mit dem Sitz recht weit nach vorn, um die Fußpedale bedienen zu können. Manko: Oberkörper und Knie kommen so Lenkrad und Armaturenbrett relativ nahe, das Aufprall- und Verletzungsrisiko beim Unfall steigt.

Bei dem Crash knallten die Pkw mit 50 Stundenkilometern mit der linken Vorderfront gegen eine starre Stufenbarriere: Glas splittert, die Motorhaube beult sich nach oben, der gesamte linke Vorderbereich des Kleinwagens wird bis hin zur A-Säule stark deformiert. Die Fahrgastzelle bleibt weitgehend intakt. Der aktivierte Airbag schützt den Oberkörper des angegurteten Dummys. Dem ersten äußeren Eindruck nach bleibt das Unfallopfer weitgehend unversehrt.

Die Knie des zweiten Dummys prallen jedoch hart gegen das untere Armaturenbrett, wie die verlangsamte Wiederholung der Unfallaufnahmen zeigt. Die Oberschenkel werden sichtbar stark gestaucht, da hier kein Luftsack den Aufprall mindert.

Ein kleinerer Fahrer hätte, wie die Rekonstruktion des Crashs ergab, sicherlich schwere Verletzungen erlitten. Die einwirkenden Kräfte waren beim zweiten Test aufgrund des geringen Raums «dramatisch höher», sagt der Leiter der Unfallforscher beim Gesamtverband der Versicherer (GDV), Siegfried Brockmann. Die Belastungswerte an den Oberschenkeln nach dem Knieanprall seien bis zu fünfmal stärker als bei optimaler Sitzposition. Eine Analyse der Unfalldatenbank der Versicherer zeige zudem, dass bei einem schweren Frontalaufprall der Anteil schwerer Verletzungen bei weiblichen Fahrern um 50 Prozent über dem der männlichen liegt.

«Es kann einfach nicht sein, dass ein kleiner Mensch allein aufgrund seiner Körpergröße bei einem Crash mit 50 km/h gefährdeter ist als ein normal großer», meint Brockmann und fordert, zum Schutz kleiner Fahrer müsse die Ergonomie im Auto verbessert werden. Erforscht werden sollte, ob und wie zum Beispiel Knieairbags, verstellbare Fußpedale und besser an die Fahrerposition anpassbare Lenkräder die Sicherheit von kleineren Personen verbessern könnten.

Die Unfallforscher wollen jetzt ihr Material den Pkw-Herstellern zukommen lassen, und diese sollen sich Gedanken machen, wie der Innenraum so gestaltet werden könne, dass der Schutz gleich groß ist. Man wolle den Herstellern keine Konstruktionsvorschläge machen, sondern Denkanstöße vermitteln, wie die Erreichbarkeit der Pedale für kleine Personen verbessert, das Armaturenbrett verändert oder gepolstert werden könne, betont UDV-Experte Klaus Brandenstein. In Exportfahrzeugen für die USA sei dies teils schon anzutreffen.

tf/mei/ddp

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