Aufatmen bei Solarworld: Strafzölle auf chinesische Solar-Importe machen Hoffnung

Solarworld-Vorstand Frank Asbeck

Solarhersteller aus den USA und der in Vereinigten Staaten produzierende deutsche Konzern Solarworld atmen auf: Das US-Handelsministerium hat chinesische Solarimporte wegen Preisdumpings mit hohen Strafzöllen belegt. Zwischen 31 und 250 Prozent liegen die Zölle, wie das Ministerium auf Basis einer vorläufigen Entscheidung  mitteilte.

Grund sei, dass chinesische Unternehmen dank Subventionierung durch den Staat ihre Produkte unter den Herstellungskosten anböten. Die endgültige Entscheidung wird Anfang Oktober getroffen. Nicht nur von den Chinesen gibt es aber auch kritische Stimmen.

Aktien von Solarworld schossen im Vormittagshandel mit einem Plus von zeitweise 18 Prozent an die Spitze im schwachen TecDax. Marktbeobachtern erwarteten jedoch, dass der Effekt nur vorübergehend ist. In den USA waren bereits am Donnerstag in Reaktion auf die Nachrichten aus dem Handelsministerium Werte von US-Unternehmen wie First Solar &lt in die Höhe geschnellt, während etwa die Papiere des an der Wall Street gelisteten chinesischen Konkurrenten Trina Solar absackten.

SOLARWORLD-CHEF: ‚SIGNAL FÜR EUROPA‘

Der deutsche Konzern Solarworld, der die Klage zusammen mit einigen US-Unternehmen der Branche in den USA ins Rollen gebracht hatte, begrüßte das Ergebnis. Die Entscheidung des US-Handelsministeriums gebe Mut, dass man zu einem fairen Wettbewerb zurückkehren könne, sagte Unternehmenschef Frank Asbeck (siehe Foto oben). „Illegale chinesische Handelspraktiken zerstören den Solarmarkt und gefährden zahlreiche Arbeitsplätze“, sagte er. Solarworld betreibt eine große Produktion in Hillsboro (Oregon). Das Urteil aus den USA sei ein „Signal an Europa, wo vergleichbare Maßnahmen greifen müssen.“ Asbeck hofft, dass auch Brüssel bald aktiv wird.

Das größte chinesische Solarunternehmen Suntech wird mit Zöllen von 31,22 Prozent belegt. Vertriebschef Andrew Beebe kritisierte die Entscheidung. Sie spiegele nicht die Realität des hohen Wettbewerbs in der Industrie wider, sagte er. Suntech erziele positive Margen, weil die Umsätze höher seien als die Produktionskosten. Beebe kündigte an, eng mit dem US-Handelsministerium zusammenarbeiten zu wollen, um der Behörde zu beweisen, dass die Zölle nicht gerechtfertigt seien.

CASE: ‚INDUSTRIE IN DEN USA BEDROHT‘ – EXPERTE: GEFAHR VON GEGENMASSNAHMEN

Die Zölle gelten ab sofort und für Zellen, die vor bis zu drei Monaten hergestellt wurden. Laut Handelsministerium importierte China im vergangenen Jahr Solarzellen im Volumen von 3,1 Milliarden Dollar, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Dem Vernehmen nach kommen Unternehmen, die mit dem Ministerium kooperierten, noch vergleichsweise glimpflich davon. Ähnlich wie Suntech muss der chinesische Hersteller Trina Solar 31,14 Prozent zahlen. Yingli ist mit 31,18 Prozent dabei. Für andere gleicht ein Zoll von 250 Prozent einem Einfuhrverbot. Die Vereinigung Coalition for Affordable Solar Energy (CASE), die sich gegen die Strafen einsetzt, warnt vor einem Abbau von Arbeitsplätzen in den USA. Zudem war aus ihrem Umfeld in der Vergangenheit die Warnung zu hören, Gegenmaßnahmen der chinesischen Regierung könnten weitere zehntausende Jobs kosten.

Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin hat seine Zweifel an der Tauglichkeit der Strafzölle. Sie seien kurzsichtig und beschwörten die Gefahr von Gegenmaßnahmen herauf, sagte er. Die Nachfrage in den USA sei nicht zuletzt aufgrund des bisherigen Preisverfalls so hoch gewesen. Anti-Dumping-Zölle würden jedoch zwangsläufig auf die Konsumenten abgewälzt. Für die deutschen Solarunternehmen sieht Hummel keine positiven Effekte, selbst wenn die Entscheidung aus den USA hierzulande Schule mache. Abgesehen von Solarworld und Bosch Solar gebe es kaum noch Zellen- und Modulhersteller in Deutschland. „Die große Mehrheit verbaut chinesische oder taiwanesische Zellen oder lässt im Auftrag fertigen“, sagte Hummel.


Foto: Solarworld-Vorstand Frank Asbeck / Solarworld

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