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[Feature] [Science] Farbspiele mit Keas: Berliner Biologiestudentin untersucht im Vogelpark Marlow Verhaltensmuster neuseeländischer Bergpapageien

Kaum hat Sabrina Paetzold das weiträumige Vogelgatter betreten, da fliegt ihr schon der erste Papagei auf die Schulter und knabbert verspielt in ihrem Haar. Ein zweiter Vogel hüpft ihr auf dem Boden entgegen und macht sich gleich mal am Schnürsenkel zu schaffen. «Typisch Kea», sagt die Studentin und lacht. Wohl kaum eine andere Vogelart sei derart neugierig und zutraulich wie diese neuseeländischen Bergpapageien. Mit speziellen Tests versucht die 22-Jährige daher derzeit im Vogelpark Marlow Verhaltensmuster der Vögel zu erkunden.

Für ihre Untersuchungen fand die angehende Biologin in dem erst 1994 eingeweihten Tierpark optimale Bedingungen. Denn mit gleich acht Tieren verfügt der Vogelpark über die derzeit größte in Deutschland lebende Kea-Gruppe. Seit März arbeitet Paetzold hier tagtäglich mit den Vögeln.

Keas können Farbkategorien erstellen

Für ihre Verhaltenstests macht sich die Studentin der Universität Marburg den Spieltrieb der Tiere zunutze. Dazu hält sie hinter ihrem Rücken zwei weiße Plastikbecher mit gefärbten Deckeln in den Händen. Von den Vögeln unbemerkt legt sie in den grün markierten Becher einen Walnusskern. Der rote bleibt wie immer leer. Dann hält sie einem jungen Kea-Hahn die beiden Gefäße vor den Schnabel. Sofort knabbert das Tier am grünen Becher und holt sich seine Belohnung ab. Der rote Becher bleibt völlig unbeachtet

Schon nach wenigen Tests hätten die Tiere herausgefunden, dass das Futter immer hinter Grün liege, sagt Paetzold. Das ändert sich auch nicht, als die Forscherin zu einem anderen grünen Farbton wechselt. Bis zu 200 verschiedene Farbkarten hat sie den Tieren schon präsentiert. Von 2.300 Versuchen hätten sich die Tiere nur 70 Mal geirrt, vermutlich weil sie gerade mal unaufmerksam gewesen seien, sagt Paetzold. «Das zeigt uns, dass Keas in der Lage sind, Farbkategorien zu erstellen.»

Bachelorarbeit zum Verhalten von Keas geplant

Das Denken in Kategorien gilt bei Verhaltensforschern als Vorstufe zur Sprachbildung. So werden Gegenstände ganz bestimmten Kategorien zugeordnet. «Sehen wir zum Beispiel ein Gebilde mit zwei Rädern, Pedalen und einem Sattel, dann ordnen wir dies automatisch der Kategorie Fahrrad zu», sagt Paetzold. Ganz offenbar seien diese Papageien ebenfalls dazu fähig.

Ihre Tests hätten einen weiteren Beweis für die Intelligenz der Keas geliefert, die neben Raben und Tauben zu den Vögeln mit der größten Auffassungsgabe gehörten. Mittlerweile habe sie die kleine Gruppe richtig ins Herz geschlossen, sagt die Berlinerin, die den Vögeln sogar Namen gab. Doch in wenigen Tagen wird sie sich von «Nervi», «Schnappi» und Schnäbli« verabschieden. Dann wird sie ihre Bachelorarbeit über diese Papageien schreiben, wissenschaftlich betreut von dem Berliner Kea-Spezialisten Tobias Rahde, der auch schon in Marlow sogenannte Selbsterkennungstests mit Keas angestellt hat.

wat/dapd

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