atomkraft akw laufzeit gutachtenDie Energiebranche will nach dem Ende des dreimonatigen Moratoriums für die ältesten deutschen Atomkraftwerke Klarheit über die künftige Richtung bei den erneuerbaren Energien. Das Energiekonzept der Bundesregierung lasse zu viele Fragen über den Ausbau etwa der Wind-, Wasser- und Solarenergie offen, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, am Montag zu Beginn der Hannover Messe. Dabei müssten die Interessen von Skeptikern des Netzausbaus und die der Energiewirtschaft gleichermaßen beachtet werden.

„Wenn ich die Proteste einiger Bürgerinitiativen gegen neue Stromleitungen oder gegen Pumpspeicher-Kraftwerke sehe, dann könnte das schon auf einen neuen Zielkonflikt hinauslaufen“, warnte Müller. Solange die sieben betroffenen Atommeiler vom Netz genommen sind, müsse das Kabinett in Berlin mit den gesellschaftlichen Gruppen einen „neuen Konsens“ in der Energiewende finden. „Und die Lösungen, die dort besprochen werden müssen, gehen weit über Fragen zur Kernenergie hinaus.“ Der bisherige Dialog über den Umstieg in regenerative Quellen habe zu kurz gegriffen und zu Fehleinschätzungen geführt.

Zwischen 23 und 56 Milliarden Euro an Investitionen seien bis 2020 allein für die Integration der „Erneuerbaren“ in die Netze nötig. „Das Leid und die Schicksale der Menschen in Japan haben auch die politische Lage schlagartig verändert“, betonte die BDEW-Vertreterin. Eine Neuausrichtung des Energiesektors in Deutschland dürfe jedoch nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit gehen. So habe die Verknappung der gesamten verfügbaren Strommenge seit Beginn des Moratoriums schon deutliche Preissteigerungen ausgelöst. Nach Verbandsagaben waren an den Strombörsen Aufschläge von bis zu zwölf Prozent zu verzeichnen. Auch die Preise für CO2-Emissionszertifikate stiegen um rund zehn Prozent.

Insgesamt hat die deutsche Energie- und Wasserwirtschaft im vergangenen Jahr stark vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Die spürbare Konjunkturbelebung und der kalte Winter ließen den Strom- und Gasabsatz 2010 um vier Prozent steigen, wie vorläufige Berechnungen des BDEW ergaben. Der Gasabsatz legte im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf 942 Milliarden Kilowattstunden (kWh) zu, der Stromverbrauch um 3,8 Prozent auf 530 Milliarden kWh. Dabei sei vor allem der Energiebedarf der Industrie gestiegen, sagte Müller.

Angesichts des sich abzeichnenden Umbaus der Energieversorgung wollen die Stromproduzenten verstärkt in die Erneuerung ihres Kraftwerksparks investieren. Derzeit sind 18 große Anlagen im Bau. Für 13 weitere Projekte liegen die Genehmigungen vor; darunter sind zehn große Windkraftanlagen, die vor den deutschen Küsten entstehen.